FAZ wirft renitenten Blogger mspro raus

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat in ihrem Online-Angebot FAZ.net das Blog "CRTL Verlust" von Michael Seemann offline gestellt. Grund war laut Angaben von Seemann ein Streit um Bildrechte in seinem Weblog. Die FAZ selbst schweigt zu dem Vorgang. Die Sache hat im Internet sofort eine weit reichende Diskussion um Meinungsfreiheit im Allgemeinen, Weblogs bei der FAZ im Besonderen und das altbekannte Streitthema Mainstreammedien vs. Bloggerkultur ausgelöst.

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Offenbar gab es bei FAZ.net deutliche Anweisungen, in Blogs nur noch Bilder aus dem Redaktionssystem von FAZ.net zu verwenden oder solche, die selbst fotografiert wurden. Bei Bildern, die aus dem Internet runtergeladen werden, ist oft die Rechtefrage nicht geklärt. Bzw. es ist oft klar, dass man sie eben nicht verwenden darf. Außerdem vertritt die FAZ redaktionell die Linie, dass Urheberrechte im Netz besser geschützt werden müssen. Da wäre es mehr als peinlich, wenn in der gedruckten FAZ flammende Plädoyers für ein Leistungsschutzrecht erscheinen und gleichzeitig FAZ-Blogger sich ihre Bilder wild im Netz zusammenklauben.

Nun hat der unter dem Namen mspro bekannt gewordene Blogger Michael Seemann offenbar für seinen jüngsten Beitrag einige Fotos verwendet, die nicht für eine kommerzielle Nutzung freigegeben waren. Laut Seemanns Darstellung, stellte die Redaktion daraufhin diesen Beitrag offline. Seemann stellte den Beitrag seinerseits dann wieder ohne Fotos und ohne Rücksprache online und verwies auf die Rechte-Problematik. Das sah man in der FAZ.net-Redaktion als ein bisschen zu renitent an und stellte das ganze Blog offline.

Seemann selbst hält die Reaktion der FAZ für überzogen. Der ebenfalls für die FAZ bloggende Don Alphonso findet nichts Schlimmes dabei und wählt die üblichen sehr deutlichen Worte ("Idiot", "Klauerei", "saublöd") und Robin Meyer-Lucht wittert bei Carta gleich einen "Clash der publizistischen Kulturen". Die FAZ selbst schweigt und feuert damit den Tratsch2.0 in der Blogosphäre erst richtig an. Die FAZ vertritt für eine große Tageszeitung eine eher progressive Blog-Politik. Unter FAZ.net wurden zahlreiche Blogs gestartet und die Redaktion hat namhafte Blogger gewonnen – wie eben mspro, Don Alphonso oder auch Stefan Niggemeier, der freilich schon lange auch für die gedruckte FAZ und FAS schreibt.

Aus dem Streit zwischen mspro und der FAZ-net-Redaktion gleichen einen Kampf der Kulturen heraufzubeschwören, scheint ein bisschen übertrieben. Alle anderen FAZ-Blogs sind noch online und erfreuen sich bester Gesundheit.

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