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Ein Watchblog für InStyle und Co.

Was von dieser Medienwoche übrig blieb: Design-Guru Tyler Brûlé lässt in seinem Heft Monocle München zur lebenswertesten Stadt der Welt ausrufen. Die Redaktion bringt dabei aber so einiges durcheinander und sieht sich schon im Transrapid zum Airport rauschen. Der Stern vergibt mit seiner Steuererhöhungs-Geschichte eine tolle Titel-Chance, InStyle, Vogue und Co. haben jetzt auch ein Watchblog und der Dauerstreit der WAZ-Gruppe in Serbien sorgt immer mehr für Verwirrung.

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Tyler Brûlé hat in seiner Edel-Zeitschrift Monocle mal wieder ein Ranking der Welt-Städte erstellen lassen, in denen es sich angeblich am besten leben lässt. Auf Platz 1: München. Huch. Die Gründe, die Herr Brûlé und seine Redaktion dafür findet, sind ein bisschen zopfig (Laptop-und-Lederhosen-Blabla, man kann im Eisbach surfen) und ein bisschen seltsam. So verkündet es der Bericht als Tatsache, dass der Münchner Flughafen eine dritte Startbahn bekommt (ist hoch umstritten) und laut Monocle rauscht auch der Transrapid ab 2014 planmäßig zwischen Innenstadt und Airport hin und her. Das ist dann in der Tat eine sehr exklusive Information der Monocle-Macher. Auch die "stabile konservative Regierung" Münchens wird von Monocle gelobt. Blöd halt, dass dort seit vielen Jahren ein SPD-Bürgermeister regiert. Haben die Monocle-Buam etwa die Bayerische Landesregierung und die Stadt-Regierung verwechselt? Wahrscheinlich ist das alles Weißnix-Wurst. Für die zwischen Shanghai und Big Apple pendelnde Monocle-Stammleserschaft ist Crazy-Munich wahrscheinlich sowieso so exotisch wie für unsereins Ulan-Bator.

Da hat Gruners Flaggschiff-Magazin, es geht um den Stern, eine wirklich gute Geschichte in allerbester Stern-Tradition aufgeschrieben: "Wir wollen mehr zahlen!" Prominente und normale Wohlhabende plädieren für eine Steuererhöhung. Politisch hoch brisant, toll aufgemacht, genau auf den Punkt. Aber was ist auf dem Titel: "Knochenjob – das ungeschminkte Leben der Models". Auch eine gute Geschichte – für den Innenteil. Das "Wir wollen mehr zahlen!" hätte für Relevanz gehabt. Schade, dass das Thema auf dem Cover nur klein angeteast wurde.

Die WAZ und Serbien. Das ist eine wilde Geschichte, die für Außenstehende schwer zu durchschauen ist. Die WAZ hat verkündet, sich vollständig aus Serbien zurückziehen zu wollen. Damit dies aber möglich ist, muss sie erst einmal dazukaufen. Klingt paradox, ist aber so. Streitpunkt des verwirrenden Vorgangs ist die serbische Zeitung Večernje Novosti, die die WAZ gerne ganz und gar besitzen würde. Über diverse Zwischenfirmen und einen ominösen serbischen Mittelsmann hat die WAZ auch tatsächlich 62,5 Prozent an dem Blatt übernommen. Dachte sie. Dann habe sich der serbische Mittelsmann aber geweigert, an der juristischen Übertragung der Zwischenfirmen mitzuwirken. Hinzu kommen Unklarheiten über die serbische Kartellbehörde. Weil die sich zunächst nicht äußerte, hielt man die Übernahme bei der WAZ offenbar für genehmigt. Nun heißt es laut Medienberichten, von offizieller Seite liege eine kartellrechtliche Genehmigung in Serbien nicht vor. Laut FAZ sagte der serbische Wirtschaftsminister Mladjan Dinkić nun, für die WAZ sei "kein Platz in Serbien". Seit 2001 ist der Essener Konzern in Serbien engagiert. Seit 2002 ist der ehemalige SPD-Politiker und EU-Sonderbeauftragte für den Stabilitätspakt Südosteuropa, Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ. Aus seiner Zeit als EU-Sonderkoordinator werden Hombach gute Kontakte nach Serbien nachgesagt. Der Chefredakteur des WAZ-schen Objekts der Begierde, der Zeitung Novosti, beschimpfte Hombach dagegen schon mal als "gescheiterten Politiker mit Mafiakontakten". In Serbien wird darüber debattiert, ob sich die WAZ wirklich zurückziehen will oder nur eine Drohkulisse aufbaut, was von der WAZ bestritten wird. Wechselseitig droht man, sich zu verklagen. Mit absoluter Sicherheit kann man in dem WAZ-Serbien-Komplex nur eines sagen: Die WAZ hat sich in Serbien nicht nur Freunde gemacht.

Jetzt haben auch InStyle, Vogue, Bunte, Jolie und Co ihr Bildblog. Auf dem Blog Klatschkritik werden mit großer Liebe zum kleinen Detail Berichte aus der Welt der Klatsch- und Modepresse auseinandergenommen. Da erfahren Interessierte beispielsweise, dass der angebliche Trend-Nagellack, den Vogue.de als hippe Farbe der Saison preist, schon seit fast seit einem Jahr, mit teilweise demselben Foto, durch die Gazetten gereicht wird. Oder dass InStyle eine gewisse Vorliebe für das Wiederverwerten von alten Promi-Fotos zu haben scheint. So hob Burdas InStyle ein zwei Jahre altes Jessica-Simpson-Foto in Herbstfarben aufs Cover – wohlgemerkt im Juli. Klingt vielleicht alles ein bisschen banal – aber wenn Magazine vorgeben, aktuelle Trends und neuste Mode zu präsentieren und dann mit uraltem Zeug daherkommen, dann ist das durchaus aufschreibenswert.

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