Die besten Blogs zur Fußball-WM

Ob Bild, HAZ oder Kicker: Pünktlich zur WM entdecken Deutschlands Redaktionen das Bloggen. Für Anfänger machen die meisten Print-Journalisten - im Gegensatz zu ihren TV-Kollegen - dabei einen ziemlich guten Job. Das beste Journal vom Kap bietet der Blog-erfahrene Sport-Journalist Jens Weinreich. Geheimtipp unter den WM-Autoren ist der Star-Kreative Amir Kassai. Bis auf Weinreich eint aber anderen Projekte ein Problem: Es gelingt ihnen nicht, ihre Leser in lebendige Diskussionen zu verwickeln.

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Ob Bild, HAZ oder Kicker: Pünktlich zur WM entdecken Deutschlands Redaktionen das Bloggen. Für Anfänger machen die meisten Print-Journalisten – im Gegensatz zu ihren TV-Kollegen – dabei einen ziemlich guten Job. Das beste Journal vom Kap bietet der Blog-erfahrene Sport-Journalist Jens Weinreich. Geheimtipp unter den WM-Autoren ist der Star-Kreative Amir Kassai. Bis auf Weinreich eint aber anderen Projekte ein Problem: Es gelingt ihnen nicht, ihre Leser in lebendige Diskussionen zu verwickeln.

Diese direkte Kommunikation mit den Nutzern ist jedoch eine der wichtigsten Funktionen eines Blogs. Ein wunderbares Beispiel wie befruchtend das Zusammenspiel zwischen Autor und Leser-Community sein kann, ist das Blog von Jens Weinreich (siehe unten). Eine Vielzahl von seinen Stories ist durch Kommentare inspiriert oder verfeinert worden. Genau an diesem Punkt haben alle neuen Redaktions-Projekte größten Nachholbedarf. Selbst beim Bild-"WM-Block", der durch seine permanente Teaser-Präsenz auf der Bild.de-Startseite riesige Zugriffszahlen haben muss, müssen die Autoren mit zwei bis vier Kommentaren leben.

Die WM-Blogs im Überblick:

Bild-WM-Block
Spätestens seit dem Hunderttage-Projekt von Chefredakteur Kai Diekmann ist klar: Die Bild liebt das Blog-Format. Deshalb überrascht es nicht, dass die Berliner gleich mal das wohl größte Redaktionsblog gestartet haben. Insgesamt acht Autoren berichten aus Südafrika und Berlin. Hinter der Aktion steht aber ein kein ausgefeilter Masterplan. Gegenüber MEEDIA verrät Tobias Holtkamp, Bild.de-Sportchef, dass der "WM-Block" eine "spontane und relativ kleine Idee" war, die allerdings längst zu "großem WM-Erfolg" wurde.

Typische Notizen der Springer-Sport-Reporter sind kurze Postings und das Nacherzählen vermeintlich amüsanter Begebenheiten. Erstaunlicherweise funktioniert gerade bei den Bild-Autoren nicht immer der Versuch lustig zu schreiben. Dabei ist der berühmte Bild-Stil wie gemacht für Blogger. Der "WM-Block" bietet allerdings auch klasse Stücke. Der Live-Ticker zur Partie Australien gegen Ghana aus einem Surfer-Hotel in Jeffrey`s Bay (60km westlich von Port Elizabeth) ist so ein Beispiel. Das Posting ist witzig und kurzweilig und hat einen wunderbaren Chardonnay-Running Gag auf Kosten von Ernst Middendorp, der im südafrikanischen Fernsehen als Experte auftritt.

Für Bild.de-Sportchef Holtkamp zeigt das Blog, dass die "kleinen Anekdoten rund um ein großes Interview oder die Begleitumstände, wie es zu einer Story kam", einen ähnlich hohen Unterhaltungswert haben, "wie die Geschichte an sich. Viele Menschen interessieren sich dafür, wie Geschichten bei Bild entstehen und was Reporter und Redakteure erleben."

Jens Weinreich
Wie bereits bei den Olympischen Spielen und anderen Sport-Großereignissen ist die Seite von Jens Weinreich auch bei der Weltmeisterschaft ein wunderbarer Echtzeitbericht über die Arbeit eines Journalisten bei einem solchen Event. Den ganzen Tag über notiert der ehemalige Sport-Chef der Berliner Zeitung Bemerkungen, Abseitiges, Linktipps und knappe atmosphärische Berichte. Dieses Blog ist ein Muss für Leser, die sich auch für den praktischen Teil des Berichterstatter-Jobs interessieren.

Kicker
Auch der Kicker bloggt aus Südafrika. Die Nürnberger gehen aber einen komplett anderen Weg, als die Sport-Kollegen von der Bild. Anstatt ihr gesamtes Autoren-Team vom Kap schreiben zu lassen, wurde nur ein Mann als Blogger abgestellt. Uwe Röser berichtet über Land und Leute und die Arbeit von Journalisten. Ähnlich, wie die bei den Bild-Reportern, gelingt auch Röser keine lebhafte Leser-Kommunikation. Es gibt kaum Kommentare.

SchwarzROTgoldener Blog
Hier schreibt der Chef persönlich. Im schwarzROTgoldenen Blog der Hannoverschen Allgemeinen berichtet der Sport-Ressortleiter Heiko Rehberg aus Südafrika. Nach der WM soll das Journal allerdings nicht beerdigt werden, sondern "alle HAZ-Sportexperten über Fußball im Allgemeinen, die 1. Bundesliga im Besonderen und Hannover 96 im ganz Besonderen berichten". Die Anmerkungen von Rehberg sind sehr persönlich und transportieren recht wenige Zusatzinformationen. Ein Blick auf die Kommentarfront zeigt: So richtig angekommen ist das Blog bei den HAZ-Lesern noch nicht.

Neuer Osnabrücker Zeitung
Die Neue Osnabrücker Zeitung hat gleich zwei WM-Blogs am Start. Zum einen kommentiert der ehemalige Bundesliga-Profi und aktuelle Trainer des VfL Osnabrück, Karsten Baumann, in einem eigenen Journal, zum anderen berichtet Sportredakteur Alfons Batke "rund um die WM". Der Print-Profi macht einen ordentlichen Web-Job. Baumann dagegen sorgt für einen ärgerlichen Etiketten-Schwindel. Seine Site wird mit der Unterzeile "der VfL-Trainer erklärt die WM" angekündigt. Tatsächlich erklärt der vermeintliche Taktik-Experte nichts. Eine tiefgehende Analyse der Partien und einzelner Spielzüge sind weitestgehend Fehlanzeige. Stattdessen Absätze wie:"Am Sonntag nach unserer Saison-Eröffnung – übrigens ein in jeder Hinsicht ein gelungenes Ereignis – habe ich auf dem Heimweg beim Italiener haltgemacht und ein Pizza mitgenommen. Ich bestellte die ‚Pizza Endstazoini‘ – aber lachen konnte darüber keiner…"

Allesaussersport.de
Seit Jahren eines der besten Sport-Blogs im deutschen Web zieht Kai Pahl bei dieser WM ganz groß auf. Neben TV-Tipps und vielen WM-Tickern ist vor allem die tägliche Rubrik "Grundrauschen" eine wunderbar Echtzeitübersicht über die wichtigsten Sport-Nachrichten.

Elfterjuli
Im gewissen Sinne außer Konkurrenz – weil er kein Journalist oder Fußballexperte ist – schreibt Amir Kassaei. Trotzdem oder gerade deshalb macht der Kreativchef von DDB Germany einen klasse Job. Der Berliner schreibt selten, aber immer persönlich, unterhaltend und interessant – genau so soll es sein.

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