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Die lustlosen WM-Blogs von ARD und ZDF

Mit einem Tross von 550 Mitarbeitern sind ARD und ZDF nach Südafrika gereist, um von der Fußball-WM zu berichten. Neben TV- und Hörfunk wird auch das Internet bedient. Sowohl die ARD als auch das ZDF leisten sich ein Blog zur Fußball-WM. Beide Weblogs wirken aber eher stiefmütterlich behandelt. Viele Autoren schreiben wenige Texte. Der im TV weitgehend entsorgte Rolf Töpperwien darf von Südafrika aus im Blog Spiele-Tipps abgeben. Man spürt förmlich, wie die Sender mit dem Medium Internet fremdeln.

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Das beginnt bei kleinen Details. So fehlt bei den kurzen Texten, in denen die Autoren vorgestellt werden, der Text zu Töpperwien schlicht komplett. Niemand hat sich die Mühe gemacht, an die leere Stelle auch nur eine lustlose Kurzbeschreibung hinzuschreiben. Auch ansonsten ist nicht ganz klar, was der Mann, der früher für die Spieler-Statements am Spielfeldrand zuständig war, in dem WM-Blog des ZDF für eine Rolle spielt. Er gibt in kurzen Web-Video seine Tipps, wie einzelne Spiele wohl ausgehen mögen. Dabei sitzt er entspannt am Pool des Hotels St. Andrews in Johannesburg. Außer Spesen nix gewesen.

Auch ZDF-Star-Kommentator Béla Réthy scheint keine rechte Lust aufs Bloggen zu haben und nuschelt in wenigen Videos kurze Prognosen zum Spielausgang in die Kamera. Das alles wirkt so lustlos und uninspiriert, als ob die Fernsehmacher von der Redaktion dazu mit Waffengewalt verdonnert wurden, "auch was fürs Blog" zu machen. Ambitionierter geht der so genannte "Fan-Experte" des ZDF, Dennis Wiese, zur Sache. Er reist in der Gegend herum, interviewt skurrile Leute oder gibt persönliche Einblicke.

Technisch eher roh wirkt das WM-Blog der ARD. Das Weblog sieht aus, als sei es kurz vor WM-Start hastig mit einer Standard-Blog-Software zusammengezimmert worden. Jeder ambitionierte Amateur hätte das auch in kurzer Zeit wahrscheinlich schöner hinbekommen. Aber egal – auf Inhalte kommt es an. Nur leider gibt es davon auch bei der ARD nicht viele. Man hat bei der ARD gar nicht erst versucht, aktuelle TV-Größen zum Bloggen zu nötigen. Stattdessen schreibt zum Beispiel das im Hörfunk längst kaltgestellte Radio-Urgestein Manfred "Manni" Breuckmann. Ganze zwei Texte hat er bisher geliefert, aber die sind wenigstens mit Herzblut geschrieben. Außerdem bloggt für die ARD der ehemalige Bundesliga-Trainer und ehemalige Trainer der Nationalmannschaft Kameruns, Winfried Schäfer (auch ganze zwei Texte) und die in Afrika geborene, ehemalige deutsche Fußballspielerin Nia Künzer (bisherige Blog-Bilanz: null Texte). Zwei SWR-Mitarbeiter erledigen den überschaubaren Rest.

Klar, für ARD und ZDF ist die Berichterstattung im Web nicht die Hauptaufgabe. Allerdings werden die Verantwortlichen nicht müde, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, wie wichtig diese neuen Medien für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Auftrages sind. SWR-Intendant Peter Boudgoust wollte nach eigenen Angaben vom vergangenen Jahr sogar die so genannten "digital natives" stärker ansprechen. Es genüge nicht, Programme für "traditionsverwurzelte Milieus" zu machen, sagte er nach einer Rundfunkratssitzung im Juli 2009.
Die triste Wirklichkeit in der Web2.0-Wüste der ARD sieht anders aus. Eine Geldfrage kann eine ordentliche Online-Berichterstattung übrigens nicht sein. In diesem Zusammenhang sei auf das Videoblog der beiden Medien-Journalisten Stefan Niggemeier und Lukas Heinser zum Eurovision Song Contest, Oslog.tv, verwiesen. Zwei Leute plus eine Kamera ergaben ein originelles tägliches Videoblog mit hunderten von Kommentaren und begeisterten Lesern, das sowohl von der technischen Seite, dem Layout und dem Inhalt den WM-Blogs der beiden TV-Giganten ARD und ZDF meilenweit überlegen ist. Der wesentliche Unterschied: Niggemeier und Heinser interessieren sich fürs Internet. Die Verantwortlichen von ARD und ZDF offenbar nicht. Das sieht man den jeweiligen Produkten dann auch an.

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