Berlin-Umzug: dpa mit Minus-Bilanz

Die dpa wird ihre neue Zentralredaktion in Berlin am 15. September offiziell eröffnen: "Das ist ein wichtiger Tag in der Geschichte der größten deutschen Nachrichtenagentur", sagte der Vorsitzende der dpa-Geschäftsführung, Malte von Trotha, am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz in Hamburg. "Erstmals seit der dpa-Gründung arbeiten alle zentralen Redaktionen der dpa unter einem Dach", so Chefredakteur Wolfgang Büchner. Die Vorfreude trübt dabei, dass die Agentur 2009 zum ersten Mal ins Minus rutscht.

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"Der Newsroom mit seinen rund 3800 Quadratmetern schafft die perfekte
Voraussetzung zur Realisierung der neuen dpa." Mit dem Umzug kommen rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im neuen Newsroom in Berlin zusammen, die zuvor auf drei Standorte in Hamburg, Frankfurt am Main und in der Hauptstadt verteilt waren. "Der Newsroom ist auf den Punkt startklar. Wir haben dieses Projekt über fast 18 Monate geplant und komplett im laufenden Betrieb umgesetzt. Die Finanzierung bestreiten wir vollständig aus eigenen Mitteln", sagte von Trotha.

"Der neue Newsroom macht es viel leichter, über Ressort- und Mediengrenzen hinweg für alle Auslieferungskanäle koordiniert zu produzieren", sagte Wolfgang Büchner. "Gleichzeitig bleibt unsere Stärke in den Regionen erhalten – die neue Zentralredaktion kann auf Unterstützung aus 50 Büros bundesweit und in rund 100 Ländern der Welt bauen. Unsere Kunden können das Zusammenspiel dieser Einheiten auf unserem neuen Kunden-Portal "dpa-news" künftig mitverfolgen und mitgestalten. Der Neustart in Berlin ist ein wichtiges Element des Relaunchs der dpa – aber bei weitem nicht das einzige: Der Umzug in den Köpfen unserer Mitarbeiter hat lange vor dem Umzug nach Berlin begonnen. Im Zentrum dieses Relaunchs stehen die Begriffe Qualität, Navigation und Dialog."
Die aktuelle Marktsituation beurteilte Michael Segbers, als Geschäftsführer zuständig für Marketing und Vertrieb, positiv: "Wir haben mit mehreren Großkunden neue, langfristige Verträge schließen können und ansonsten unseren Kundenbestand gehalten. Im Bereich der Profildienste und im Ausland konnten wir ihn sogar ausbauen", sagte Segbers. Und mit Blick auf den harten Wettbewerb: "Angesichts von juristischen Winkelzügen und rhetorischer Kraftmeierei bei anderen Agenturen kümmern wir uns weiter um unsere Kunden. Gerade die größere Transparenz in unseren redaktionellen Abläufen wird dort sehr positiv aufgenommen."
Zu den zentralen Entwicklungen der vergangenen Monate für die dpa zählte von Trotha neben dem Umzug die Ausgründung eines eigenständigen Tochterunternehmens für mediennahe IT-Dienstleistungen und die Fortschritte bei der Entwicklung der neuen Redaktionssoftware. "Das neue Redaktionssystem "ines" (Integrated News Editing System) ist bei der Fotobearbeitung inzwischen
flächendeckend eingeführt, die ersten Tests bei Wort in der laufenden Produktion begannen am Montag", sagte von Trotha.
"Das Gesamtergebnis des Jahres mit einem Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro ist durch die umzugsbedingten Rückstellungen und unvorhersehbare Belastungen beim Tochterunternehmen PPS Presse-Programm-Service GmbH geprägt und mit Vorjahren nicht vergleichbar", sagte von Trotha. Die Umsatzerlöse in 2009 gingen – im Wesentlichen durch den ausgelaufenen Vertrag mit der WAZ – um 4,1%
auf 90,3 Millionen Euro zurück. Bereinigt um die Kosten für den Umzug läge das Ergebnis um 7,7 Millionen Euro besser – es ergäbe sich ein Jahresüberschuss. "Insgesamt bewerten wir 2009 als erfolgreiches, als wegweisendes Jahr für die dpa. Wir setzen im Interesse unserer Kunden den Weg der Erneuerung bei der dpa fort. Mit Blick auf weitere, dafür geplante Investitionen gehen wir davon aus, dass 2010 insgesamt mit einem verbesserten, aber noch negativen Ergebnis abgeschlossen werden wird", sagte von Trotha.

Am sichtbarsten wurden die Auswirkungen der WAZ-Kündigung bei den Wort-Diensten, wo der Umsatz um 3,4 Prozent auf jetzt 69,2 Millionen Euro zurückging. Die Audio-Dienste hielten ihre Erlöse bei leichten Verlusten nahezu stabil, der Grafikdienst litt allerdings ebenfalls unter der Kündigung. Im Ausland konnte der positive Trend der Vorjahre fortgeschrieben werden. Die Mitarbeiterzahl sank im Jahresdurchschnitt um 9,5% von 822 auf 744. Der Rückgang erklärt sich
fast vollständig durch die Ausgründung der IT-Tochter dpa-mediatechnology GmbH.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stiegen um 6,5% von 21,2 auf 22,6 Millionen Euro. Die Investitionen stiegen von knapp 4 auf 5,8 Millionen Euro. Die Abschreibungen blieben mit 2,9 Millionen Euro nahezu konstant. Das Finanzergebnis sank von 7,6 Millionen Euro auf 6,8 Millionen Euro.

Der dpa Picture-Alliance GmbH gelang es, ihr Ergebnis gegen den Markttrend und nach der erheblichen Steigerung in 2008 auch 2009 wieder spürbar zu verbessern. Sie legte um rund 21 Prozent zu. Auch die Fotoagentur Zentralbild GmbH konnte in einem schwierigen Marktumfeld sowohl Umsatz als auch Ergebnis steigern.

 

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