USA Today: Anzeigen-Boom auf dem iPad

Das iPad von Apple wurde von Verlagen als Hoffnungsträger für eine Renaissance der Bezahl-Inhalte gefeiert. Nun gibt es Signale aus den USA dass genau der umgekehrte Effekt eintreten könnte. Die zweitgrößte us-amerikanische Tageszeitung, USA Today, hat gerade ihre Pay-Pläne für das iPad auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund: das massive Interesse der Anzeigenkunden an der Gratis-App. Eigentlich wollte USA Today nach einer Testphase von 90 Tagen für die App Geld verlangen.

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Diese Gratis-Testphase wurde laut einem Bericht der US-Werbefachzeitschrift AdAge nun um mindestens weitere 90 Tage verlängert. Wahrscheinlich wird sogar bis Anfang nächsten Jahres gewartet, bis eine Entscheidung in Sachen Paid-Content getroffen wird. Der Grund ist banal: Das Anzeigen-Geschäft mit der iPad-App läuft derzeit einfach zu gut. USA Today, nach dem Wall Street Journal die zweitgrößte Zeitung der USA, hat während der ersten 90 Tage die Hotelkette Marriott als exklusiven Werbepartner an Bord gehabt. Nun seien die Buchhandelskette Barnes & Noble, Chrysler, Coca Cola und der Finanzdienstleister Capital One als Anzeigenkunden aufgesprungen. Die USA Today App wurde laut Verlagsangaben bisher über 583.000 mal runtergeladen.

"Das erzeugt so viele Klicks und wir haben eine so große Anzeigen-Nachfrage dafür, dass es eine sehr schlechte Geschäftsentscheidung wäre, gerade jetzt eine Bezahlmauer aufzuziehen", zitiert AdAge den USA Today Verleger David Hunke. Derzeit überwiegt bei USA Today jedenfalls der Erlös durch die zusätzlichen Anzeigen deutlich einen möglichen gewinn durch zusätzliche Abo-Einnahmen fürs iPad. Dabei dachten viele Verleger, dass es genau umgekehrt sein könnte – dass Tablets wie das iPad endlich einen digitalen Vertriebskanal öffnen würden.

Nun, das eine schließt das andere nicht aus. Die New York Times beispielsweise hält sich auf dem iPad mit Inhalten in ihrer App nach wie vor sehr zurück und bietet dort wesentlich weniger Texte als in der iPhone App oder im Web. Kommendes Jahr will die New York Times ihre Website zumindest teilweise auf Bezahl-Inhalte umstellen und eine Pay-App auf dem iPad soll folgen. Auch das Wall Street Journal hält nach wie vor an seiner relativ rigiden Pay-Strategie sowohl im Web als auch auf dem iPad fest. Grundsätzlich wolle auch die USa Today an der Entscheidung festhalten, dass für den digitalen Vertrieb der Zeitung über kurz oder lange gezahlt werden müsse, sagt David Hunk. Die Frage sei nur, wieviel bleibt gratis und wieviel ist Premium. Das ist die Gretchenfrage für alle Print-Produzenten in diesen Tagen.

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