iOS 4: Was das iPhone-Update taugt

Heute im Laufe des Tages stellt Apple das neue iPhone-Betriebssystem zum Download bereit. Dank iOS 4 mutiert das iPhone zum Mikro-iPad, und die iFamilie kann endlich Multitasking. Doch während Apple mit dem Facelift gewinnt, ziehen User und Entwickler den Kürzeren: Apps dürfen nicht mehr plattformübergreifend produziert werden, ältere Apple-Geräte bekommen nicht den vollen Support und Apps greifen stärker auf Ihre Daten zu als bisher.

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Ab heut steht das neue iPhone-Betriebssystem zum Download bereit. Dank iOS 4 mutiert das iPhone zum Mikro-iPad, und die iFamilie bekommt das längst überfällige Multitasking. Doch während Apple mit dem Facelift gewinnt, verlieren User und Entwickler: Apps dürfen nicht mehr plattformübergreifend produziert werden, ältere Apple-Geräte bekommen nicht den vollen Support, Apps greifen stärker auf Ihre Daten zu, iAd wird für eine Werbeschwemme sorgen.

"Liebling, ich habe das iPad geschrumpft!" So lassen sich die Neuerungen des iOS 4 wohl am besten beschreiben. Denn das iPhone wird in Zukunft nützliche Features des iPads besitzen. Vorab die wichtigsten Neuerungen:

Multitasking: Was andere Smartphone-Hersteller schon länger in Ihre Systeme integriert haben, wird bald auch bei iPhones zum Standard.
Rechtschreibprüfung
– Unterstützung für ein Bluetooth-Keyboard
eigene Wallpaper (war vorher nur mit Jailbreak möglich)
Fokussieren während der Videoaufnahme (funktionierte zuvor nur bei Fotoaufnahmen)
Erstellung von Playlisten auf dem iPhone, iPod touch und iPad
– Möglichkeit, Apps in Ordnern zu sortieren
verbessertes Mailing: Zwischen verschiedenen Postfächern kann schneller gewechselt werden
iBooks (Apples Bücher-App für das iPad) kommt auch auf das iPhone und den iPod touch
– ein Gaming-Areal (ähnlich wie das Playstation Network oder Xbox Live) namens Game Center kommt auf iPhone, iPod touch und iPad. Damit sollen sich Spielstände verwalten und Ranglisten erstellen lassen

Außerdem hat Apple Programmierern mit dem neuen Development-Kit mehr Zugang zum iPhone gegeben. Damit können sie jetzt auf den Kalender und die Fotodatenbank zugreifen. Außerdem lassen sich Apps mit dem neuen OS zwischenspeichern. Verlässt der User die App, um beispielsweise zu telefonieren, kann er danach wieder auf denselben Speicherstand zurückgreifen. Das Update installiert sich auf Wunsch automatisch, wenn Sie Ihr iPhone mit iTunes synchronisieren.

Apple knebelt Entwickler
Nicht wirklich freuen werden sich viele Programmierer über die Tatsache, dass der Code für eine App künftig nur noch in C, C++ und Objective-C geschrieben werden darf. Das erschwert Entwicklern die Arbeit enorm, können sie doch nicht mehr gleichzeit eine App für mehrere Systeme entwickeln. Bisher war es möglich, Apps zu programmieren und mit Tools wie Phonegap, Appcelerators Titanium oder Monotouch für das iPhone OS umzuwandeln.

Das verbietet Apple nun. Der Tech-Blogger John Gruber vermutete nach der Vorstellung der Software einen Zusammenhang zwischen den neuen Lizenzbedingungen und der kurz vor der Veröffentlichung stehenden Adobe Creative Suite 5 von Adobe. Die Software ermöglicht über einen Trick die Umwandlung von Flash-Anwendungen für iPhone OS. Wie wir wissen, lässt Jobs keine Möglichkeit aus, Flash zu verteufeln.

Ältere Geräte sind zu schwach für Multitasking

Das waren die guten Nachrichten. Die erste schlechte Nachricht: In den Genuss der digitalen Frischzellenkur kommen leider nur der neue iPod touch und das iPhone 3GS. Das iPhone 3G sowie das erste Apple-Smartphone bekommen kein Multitasking. Und das, obwohl sich Apple-Boss Steve Jobs während der Keynote gewohnt selbstsicher gab: "Wir sind nicht die ersten, die dieses Feature einbauen, aber wir werden es am besten umsetzen." Den Support für die älteren iPhones schließe man wegen "hardware limitations" aus. Allerdings unterstützt die Hardware Multitasking. Der eigentliche Grund: Die älteren Modelle sind ein wenig schwach auf der Brust, besitzen sie doch nur 128 MB Arbeitsspeicher. Demnach würde das "Switchen" zwischen einzelnen Apps enorm verlangsamt. Trotzdem wäre die Möglichkeit, das Feature in den Systemeinstellungen an- oder abzuschalten, durchaus wünschenswert.

Die zweite schlechte Nachricht: iAd. Mit dem In-App-Werbetool bietet Apple Programmierern kostenloser Software die Möglichkeit, Werbung innerhalb der Apps zu schalten. Mit einer Verteilung von 60/40 wird der Konzern dafür an den Werbeeinahmen beteiligt. Programmierer können also ohne eine eigene Werbe-Abteilung Werbeeinahmen generieren. Aus unternehmerischer Sicht durchaus sinnvoll. Aus Usersicht allerdings überhaupt kein Schritt nach vorne. Software und Spiele waren bisher größtenteils werbefreier Raum. Außerdem schließt Apple nicht aus, dass auch Bezahl-Apps iAd verwenden dürfen. Und immerhin haben Sie Ihr iPhone ja nicht kostenlos erstanden, oder? Sie haben viel dafür bezahlt oder finanzieren es immer noch monatlich über Ihre Handyrechnung. Warum sollten Sie sich also jetzt 1/8 Ihres Bildschirms wieder wegnehmen lassen?

Fazit: iOS 4 kommt mit längst notwendigen Features, netten Gimmicks, lässt aber die älteren Geräte dank schlechterem Support langsam auslaufen. Immerhin einen Wunsch hat Steve mir erfüllt. Endlich kann ich mein iPhone zusammen mit einer Bluetooth-Tastatur als Mikro-Netbook benutzen. Ohne Jailbreak. Was Apple allerdings ärgern dürfte: Kaum wurde iOS 4 im April vorgestellt, schon war es geknackt. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung wurde bereits der erfolgreiche Jailbreak bekannt gegeben. Hier der Videobeweis.

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