Marcel Reif und der Schiri vom anderen Stern

Eines der größten Argumente, sich die Fußball-WM bei Sky anzuschauen, heißt Marcel Reif. Der konkurrenzlos beste deutsche Fußball-Kommentator kommt zwar nur bei Top-Spielen zum Einsatz, doch dann kommen Sky-Abonnenten auf ihre Kosten. So auch am Sonntagabend beim Spiel zwischen Brasilien und der Elfenbeinküste. Reif lief zu Hochform auf, beschimpfte den Schiedsrichter als "blind" und "vom anderen Stern" und freute sich, als der "Albtraum-Kick" endlich zu Ende war. MEEDIA dokumentiert.

Anzeige
In Fahrt kam Reif zum ersten Mal in der 51. Minute. Nach einer unspektakulären ersten Halbzeit schießt Luis Fabiano das 2:0 für Brasilien – nachdem er zweimal Hand gespielt hatte. Reif beim Betrachten der Zeitlupe: "Handspiel. Eindeutiges Handspiel. Leute!" Ein paar Minuten ließ er sich noch über das Handspiel aus, bevor dann in der 65. Minute der Ivorer Tioté mit einem brutalen, Rot-verdächtigen Foul für einen Tiefpunkt sorgt. Reif: "Aaaaah, das ist ja saumäßig. Das ist Rot mit Sternchen. Und das sieht der Franzose nicht. Ach komm. Das war nichts anderes als Frust. Brutal und ekelhaft. Ach war das eklig."
Kurze Zeit später fasst er zusammen: "Das Handtor von Fabiano und jetzt diese ekelhafte Aktion von Tioté. Der Assistent da draußen sieht nix und Schiedsrichter Lannoy sieht nix." In der 68. Minute setzt Ernüchterung bei Reif ein: "Ich muss zugeben, ich hatte mich richtig auf dieses Spiel gefreut." Doch das war noch nicht alles. Die 75. Minute, das nächste schweres Foul, diesmal von Keita: "Der hält auch den Fuß raus. Freunde, das ist ja widerlich. Das ist Rot, das ist doch kein Gelb. Schlimm, wie sich diese Mannschaft von der Elfenbeinküste hier präsentiert, ganz schlimm. Das ist Knallrot, dieses Schiedsrichtergespann ist eine Witznummer. Das ist versuchte Körperverletzung und sonst gar nix. Dafür gehen Sie, wenn Sie das zu Hause auf der Straße probieren, für ein paar Wochen mindestens in den Bau. Gott, ist das armselig. Ein WM-Spiel vor Abermillionen Zuschauern, ein völlig überforderter Schiedsrichter. Nein, das ist es nicht, der ist nicht überfordert, der ist entweder blind oder sonstwas."

Reif kriegt sich nicht mehr ein – "Mit Fußball hat das alles längst nichts mehr zu tun" – behält aber seinen Sarkasmus. Als in der 79. Minute Gervinho eine Konter-Chance für die Elfenbeinküste einleitet, aber kein Mitspieler mit nach vorn läuft, meint er: "Und die anderen Ivorer sagen: ‚Viel Spaß mein Freund und alles Gute da vorne.’" Doch zurück zum Schiedsrichter. Die 81. Minute, Zeit für eine Zusammenfassung der Schiri-Leistung und einen Vergleich mit dem Deutschland-Spiel: "Man macht’s auch den Spielern nicht leicht. Wenn die den Zusammenschnitt der Szenen sehen, die bei dem deutschen Spiel zu Gelb geführt haben, und dann die im heutigen Spiel – da denkst du ja, das sind unterschiedliche Sportarten."

Weiter geht’s. Die 85. Minute, ein weiteres Foul. Reif: "Dieser Schiedsrichter hat auf einem WM-Fußballplatz nichts verloren." 87. Minute: Rudelbildung, beinahe Schlägerei, Tätlichkeit von Kaka: "So. Schauen Sie sich das an. Das hat nur dieser Schiedsrichter zu verantworten und sonst niemand. Und der Assistent? Hat der irgendwann mal irgendwas gesehen?" Der Schiedsrichter gibt Kaka Gelb (und damit Gelb-Rot) statt Rot, Reif lacht: "Das ist ja irre. Freunde, kann mir irgendjemand nochmal ein Regelbuch herbringen? So viel ich weiß, nach einer Tätlichkeit gibt’s Rot. Und was soll das anderes gewesen sein?"

Zum Glück für Reifs Seelen- und Gesundheitszustand nähert sich das Spiel dem Ende. Die 89. Minute, Reif fasst zusammen: "Ist das ein armseliges Gegurke mit einem Schiedsrichter, der von einem anderen Stern kommt. Hoffentlich ist dieser furchtbare Albtraum-Kick bald zu Ende." So war’s dann auch vier Minuten später. Ein denkwürdiger Abend ging zu Ende – mit einem schlimmen Fußballspiel, einem katastrophalen Schiedsrichter und einem emotionalen, meinungsstarken und deswegen so ausgezeichneten Reporter.
Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige