Presse-Echo: „Deutschland in Scherbien“

Wechselbad der Gefühle auch bei den deutschen Medien. Nach dem Hype um das deutsche Team und dem Kantersieg gegen Australien folgte nur fünf Tage später gegen Serbien die kalte Dusche. Der Frust bei den Berichterstattern sitzt fast ebenso tief wie beim Bundestrainer und der Mannschaft. Und weil man sich ja irgendwie gemeinsam in einem Boot wähnt, fällt die erste Kritik an der indiskutablen Leistung eher verhalten aus. MEEDIA fasst das Medienecho unmittelbar nach der Niederlage zusammen.

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11 Freunde-Liveticker: „Wenn’s dabei bleibt, war’s ein kurzes Sommermärchen … Deutschland verliert, das ist ein Satz mit einem ein Verb, das wir nie wieder sagen wollten. Und jetzt müssen wir, denn wir haben gleich so viel auf einmal verloren: das Spiel, Miro, den Respekt vor Badstuber, die Freude, kleine Deutschland Fähnchen auf Autodächern flattern zu sehen, Freunde, die keine waren … Deutschland in Scherbien.“
Spiegel Online: "Als die ’neuen Helden des Weltfußballs‘ wurde die deutsche Fußball-Nationalmannschaft noch zu Spielbeginn von TV-Reporter Béla Réthy gefeiert, aber die Helden haben sich in ihrem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Serbien eine Auszeit genommen … TV-Experte Oliver Kahn hatte vor dem Spiel im ZDF angekündigt, im Falle eines deutschen Sieges werde er die Nationalhymne auf der Vuvuzela intonieren. Zumindest dies blieb den deutschen Fans am Freitag erspart."
Bild.de: "Mist, verdammter! Jetzt wird es noch mal eng…"
Faz.net: "Deutschland schlägt sich selbst. Den Zauber verloren, das Spiel verloren, Miroslav Klose verloren: Die deutsche Nationalmannschaft muss bei der Fußball-WM in Südafrika um den Einzug ins Achtelfinale zittern. Badstubers rechte Abwehrseite (Anmerkung der Redaktion: Badstuber spielte links) war die Schwachstelle der deutschen Mannschaft."

Stern.de: „Deutschland verliert vollkommen unnötig gegen Serbien und landet auf dem Boden der Tatsachen.“

Kicker.de: „Nach Pausenrückstand drehte das DFB-Team zwar auf, wusste aber auch mit besten Chancen nichts anzufangen.“

Welt Online: „Von Beginn an zeichnete sich ab, dass die Serben ein härterer Brocken sein würden als Australien. Löw hatte seine Mannschaft im Vorfeld des Spiels auch eindringlich vor den Serben gewarnt, nachdem diese ihren WM-Auftakt gegen Ghana (0:1) verpatzt hatten. Serbien sei ein ‚angeschlagener Boxer’, hatte der Bundestrainer betont und daher einen „Kampf auf Biegen und Brechen“ prophezeiht. In der Tat hatten nach rund 20 Minuten Branislav Ivanovic und Aleksandar Kolarov für üble Fouls von hinten bereits die Gelbe Karte gesehen.“

Sueddeutsche.de: „Diesmal gab es keine den Gegner um Längen überragende deutsche Mannschaft zu sehen, sondern das Duell zweier mehr oder minder gleichwertiger Teams. Das lag allerdings nicht daran, dass die Mannschaft von Joachim Löw weniger engagiert zu Werke ging. Es lag schlichtweg daran, dass sie sich nun einer ganz anderen fußballerischen Qualität gegenüber sah.

Dazu zeigten die Serben genau die (über)harte Gangart, welche die deutsche Teamleitung bereits befürchtet hatte. Bereits nach einer guten halben Stunde hatte der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano fünf Mal Gelb gezeigt – für die laufende WM ein Rekordwert.

Als wollten diese neue Deutschen, die mit ihrem Angriffswirbel gegen Australien die Welt geschockt hatten, zeigen, dass sie nicht nur spielen, kombinieren und zaubern können. Sondern dass sie auch noch die alten deutschen Tugenden können.“

Focus Online: "Die schwarz-rot-goldene WM-Euphorie ist jäh gestoppt: Nach der bitteren 0:1-Niederlage in Unterzahl gegen Serbien droht Fußball-Deutschland nun sogar der erste Vorrunden-K.o. bei einer Weltmeisterschaft … In besonders schlechter Erinnerung wird Miroslav Klose sein 98. Länderspiel behalten. Als letzter deutsche Spieler bei einer WM war Carsten Ramelow 2002 vorzeitig in die Kabine geschickt worden."

Guardian Online:
"Zehn-Mann-Deutschland rutschte in eine kontroverse und erstaunliche Niederlage, nachdem es zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder einen Elfmeter verschoss."

The Sun Online:
"Milan Jovanovic versenkte eine Deutsche Mannschaft, die von Miroslav Kloses rote Karte und Lukas Podolskis verschossenen Elfmeter erschüttert war."
Daily Mail Online: "Deutschland wurde krachend auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht durch das Tor von Milan Jovanovic in dieser lebendigen Partie. Es war ein Tag, den Löw am liebsten vergessen würde, nachdem er zusah wie Lukas Podolski den Elfmeter in der zweiten Halbzeit vergeben … Diese deutsche Mannschaft ist wirklich etwas anders. Am Sonntag haben wir Flair und Abenteuer auf dem Platz gesehen, die Art von unbeschwertem Fußball die nur ein Team mit jugendlichem Überschwang produzieren konnte. Heute aber sahen wir aussichtslose Disziplinlosigkeit als ein Ergebnis von Unerfahrenheit, die in Deutschland vorher undenkbar gewesen wäre. Die gefährlichste Mannschaft der Welt hat sogar einen Elfmeter verschossen."

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