Die zehn Dauergäste der TV-Talkshows

Es steht eine wahre Inflation an TV-Talks bevor. Im kommenden Jahr startet der neue Polit-Talk mit Günther Jauch im Ersten. Bereits am 27. Juni startet Peter Hahne im ZDF eine neue Talkshow. Auch Maybrit Illner, Frank Plasberg, Reinhold Beckmann, Sandra Maischberger und Anne Will buhlen um Gäste. Hinzu kommen noch zahllose Talks in den Dritten, in Sparten-Sendern und privaten Nachrichtensendern. MEEDIA gibt gestressten Programmplanern Tipps und stellt zehn Talkshow-Allzweck-Gäste für alle Fälle vor.

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Hans-Olaf Henkel
Es gibt eindeutig zu wenige konservative Talk-Haudegen, die sich unfallfrei artikulieren können. Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel gehört dazu. Außerdem hat er offenbar Zeit und im Zweifel auch gerade ein neues Buch darüber geschrieben, wie Deutschland zu retten ist. Ideale Voraussetzungen für einen Talkshow-Gast. Henkel ist Garant dafür, dass sich linke B-Talker aus der zweiten Reihe richtig schön aufregen. Nachteil: wird nur selten laut.

Hans-Ulrich Jörges
Der wild um sich talkende Pitbull vom Stern. Nie um eine schnelle Instant-Meinung verlegen, egal ob es um Atomausstieg, Afghanistan oder Weltwirtschaftskrise geht. Jörges weiß zu allem was und meistens besser – seiner Meinung nach jedenfalls. Einer wie Jörges ist ein unschätzbar wertvoller Gast für jede Talkshow. Er unterbricht, wird immer laut und ist prinzipiell dagegen. So kommt Schwung in die Bude und dröge B-Gäste werden quotenträchtig aufgescheucht. Nachteil: scheint notorisch überbucht, für Moderatoren nicht leicht zu handhaben.

Alice Schwarzer
Es gibt nur wenig Damen unter Deutschlands Dampfplauderern. Eine von den wenigen ist die Emma-Herausgeberin. Für eine Frau eher laut im Ton und barsch in der Wortwahl, geübt im Dazwischenquatschen und Themen-trittfest von Antibabypille bis Afghanistan. Wenn sie zusagt, muss man nur noch einen so genannten "bekennenden" Macho-Mann (Jürgen Milski oder René Weller) einladen und fertig ist die Laube. Nachteil: keiner.

Karl Lauterbach
Der "Mann mit der Fliege" und der "Frisur". Lauterbach hat den Vorteil, dass man ihn wegen seines schrulligen Auftritts als Nutty-Professor und der nasalen Sprechweise sofort erkennt. Das ist viel wert im Talk-Gewerbe. Außerdem ist er eine absolute Reizfigur für konservative Gesundheitspolitiker, denen er rhetorisch meistens deutlich überlegen ist. Lauterbach kann seriös daherschwätzen und kennt ungefähr eine Fantastilliarde Studien zum Gesundheitswesen in- und auswendig. Wenn’s sein muss (und es muss meistens sein), macht er aber auch jeden Firlefanz mit und stellt sich beispielsweise mit einer selbst erfundenen sauren Soße einem Grill-Wettkampf bei "hart aber fair".

Heiner Geißler
Das "soziale Gewissen" der Union. Heiner Geißler ist als pfälzischer Hobby-Philosoph auf Dauer-Walz durch Gesprächssendungen. Dass er mittlerweile Mitglied bei den globalisierungskritischen Krawallbrüdern von Attac ist, macht ihn zusätzlich interessant. Gerne genommen bei Themen zum Arbeitsmarkt und der sozialen Kälte. Auch fit in Sachen erodierender Mittelschicht und Raubtierkapitalismus (Vorsicht: er ist dagegen).  Nachteil: Man kann ihm nicht immer folgen. Er zitiert oft und lang Leute, die kein Mensch kennt.

Gregor Gysi
Die Talk-Granate von der Linken berlinert sich frisch und frei durch viele Sendungen. Naturgemäß immer als Anwalt des "kleinen Mannes" unterwegs und nie um einen flotten Spruch verlegen. Gysi bügelt mit lustigen Bonmots Argumente einfach nieder und kommt damit vor allem bei älteren Frauen prima an. Auch bei solchen, die sich lieber die linke Hand abhacken würden als Die Linke zu wählen. Themen-sicher in allen Belangen. Nachteil: Mittlerweile fast zu altersmild. Lässt sich von Profi-Talkern wie Jörges gerne mal das Wort abschneiden.

Michel Friedman
Der Mann ist immer noch ein Highlight in jeder Show. Eine Art Poster-Boy des gepflegten Krawalls. Keiner brüllt mit soviel Verve jeden anderen Gast nieder wie Michel Friedman. Keiner hat so gut sitzende Anzüge und so viel Gel im Haar. Friedman schmeißt zur Not eine Sendung auch komplett alleine. Solange er nur ein armes Würstchen hat, das er niederreden kann. Man sollte ihn aber nie, nie zusammen mit einem anderen Hardcore-Talker (Jörges) einladen. Das hätte die Sprengkraft einer Talk-Atombombe und wäre selbst von Zuchtmeister Frank Plasberg nicht mehr in den Griff zu bekommen. Nachteil: reißt die Moderation gerne an sich. Sehr schwer zu handhaben für zahme Moderatoren.

Norbert Blüm
Wenn Heiner Geißler schon gebucht ist, kann man als Ersatzmann jederzeit den "Nobbi" verpflichten. Auch er schlägt sich sofort auf die Seite der "kleinen Männer" und schimpft mit ganz viel Emotion auf die Auswüchse der Wirtschaft. Außerdem sehr gut zu gebrauchen, wenn es um den Nahost-Konflikt geht. Da kann er sich richtig aufregen. Um den "Nobbi" auf Touren zu bringen, kombiniert man ihn am besten mit einer notorischen Krawall-Nudel wie Friedman oder Jörges.

Werner Schneyder
Die Geheimwaffe unter den Talk-Gästen. Als Österreicher hat er den gerne genommenen "Blick von außen", als Kabarettist besitzt er einen gewissen Wortwitz. Ist außerdem dankbar, wenn er mal wieder eingeladen wird. Schneyder kann zu allem reden. Am besten ist er aber, wenn es um Doping geht, weil er da so schön radikal wird ("Freigeben!"). Nachteil: Seine Witze verstehen viele nicht. Viele Zuschauer wissen nicht einmal, wer er eigentlich ist.

Michael Spreng
Der frühere Bild-am-Sonntag-Chefredakteur und Berater von Edmund Stoiber betreibt das lesenswerte Polit-Blog Sprengsatz. Ansonsten nimmt er auch gerne Einladungen zu Talkrunden an, wobei er aufs Politische festgelegt ist. Ihn kann man buchen, wenn es um Politik geht und Jörges gerade nicht kann. In Sachen Politik hat Spreng auch zu allem und jedem eine dezidierte Meinung parat. Lieblingsthema: Was die Regierung jetzt schon wieder alles falsch macht. Das kann er Lieschen Müller erklären wie kein Zweiter. Wenn man ihm zehn Minuten zuhört wundert man sich, warum nicht er schon längst selbst im Kanzleramt sitzt.

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