Von Kofler bis Aust: die Geschichte von N24

Mit dem Verkauf des Infosenders N24 an Torsten Rossmann, Stefan Aust und andere endet für den Kanal auch eine Ära. Noch vom damaligen ProSieben-Chef Georg Kofler 1999 im Kirch-Konzern durchgeboxt und bis zum Start im Januar 2000 aufgebaut, erreichte der Sender seine ambitionierten Ziele nicht und wurde mit Konzeptänderungen immer mehr vom Live-Sender zum Doku-Sender umgebaut. MEEDIA blickt auf die bisherige zehneinhalb Jahre lange Geschichte des Senders zurück.

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Die Historie des Senders N24 begann am 2. Februar 1999 mit einer Ad-hoc-Meldung der damaligen PRO7 Media AG: "Die ProSieben-Gruppe gründet einen neuen bundesweiten Nachrichtensender. Ein entsprechender Lizenzantrag wird heute bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) eingereicht. Unter dem Arbeitstitel N24 soll spätestens im Januar 2000 ein 24-Stunden-Programm mit ständig aktualisierten Nachrichten auf Sendung gehen. Besonderer Schwerpunkt im Programm wird die Wirtschaftsberichterstattung sein. N24 wird   die bereits vorhandene Infrastruktur der ProSieben-Gruppe für die Herstellung von Nachrichten nutzen. Der jährliche Mehraufwand des Medienhauses für den Betrieb des neuen Senders beträgt rund 50 Mio DM. Die Gewinnzone soll N24 im vierten Betriebsjahr erreichen. Die "N24 Gesellschaft für Nachrichten und Zeitgeschehen mbH i.Gr." mit Sitz in Unterföhring bei München ist ein 100prozentiges Tochterunternehmen der ProSieben Media AG."

Der damalige ProSieben-Boss Georg Kofler hatte die Kirch-Gruppe vom Senderkonzept überzeugt und wollte dem bereits existierenden n-tv Konkurrenz machen. N24 solle wie n-tv einen Marktanteil von 0,6% erreichen und 2004 die Gewinnschwelle erreichen, so Kofler 1999. Doch schon zum Start im Januar 2000 hatten Gründungs-Geschäftsführer Ulrich Ende und der schon damals als Chefredakteur arbeitende Peter Limbourg mit Problemen zu kämpfen. So war der Sender nur in Bayern auch per Kabel und Antenne zu empfangen, im restlichen Bundesgebiet nur per Satellit. Dennoch war das N24-Konzept zu Beginn recht ambitioniert: 15 Stunden Live-Sendungen pro Tag, Schalten zu den Börsen in Frankfurt, London, New York und Singapur, ein N24-Newscopter, politische Talks und eine viermal pro Woche ausgestrahlte Abendshow mit Thomas Koschwitz, den man zum deutschen Larry King aufbauen wollte, waren nur einige Eckpunkte des Programms.

Doch schon nach recht kurzer Zeit setzte bei ProSieben, bzw. ProSiebenSat.1, wo Urs Rohner inzwischen Georg Kofler abgelöst hatte, Ernüchterung ein. Der Marktanteil krebste in den Jahren 2000 bis 2002 bei 0,0% bis 0,1% herum und so richtete man den Sender Ende 2002 neu aus. Die Wirtschaftsberichterstattung, auf die man beim Start so stark gesetzt hatte, wurde – auch wegen der Ernüchterung nach dem Platzen der Dotcom-Blase – stark zurückgefahren, stattdessen zeigte man vermehrt Dokumentationen und Reportagen. Aus dem Nachrichtensender wurde nach und nach ein Info- und Dokusender. Ab 2004 sparte man sich die eigene Wirtschaftsberichterstattung und setzte in Sachen Wirtschaft auf einen Kooperationspartner, CNBC Europe.

Immerhin: Die Marktanteile von N24 stiegen im Laufe der Zeit – von 0,4% 2003 über 0,6% 2005 auf 1,0% im Jahr 2008. 2005 war man zudem erstmals mit dem Erzfeind n-tv gleichgezogen, seit 2006 blieb man in jedem Jahr vor dem Konkurrenten, der in der Zwischenzeit komplett von RTL übernommen wurde. Von den ambitionierten Zielen hatte sich N24 aber immer mehr verabschiedet, heute wird vornehmlich noch im werktäglichen Morgenprogramm live gesendet, der Rest des Programmschemas besteht aus oft wiederholten Dokus, Magazinen und Doku-Soaps. Geld verdienen ließ sich aber auch mit dem billigeren Doku-Programm zu wenig und so kündigte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling Ende 2009 an, den Sender verkaufen zu wollen.

Dazu kommt es nun also. Torsten Rossmann, 1999 übrigens als PRO7-Media-Unternehmenssprecher verantwortlich für die Ad-hoc-Meldung zur N24-Gründung, übernimmt gemeinsam mit Stefan Aust, Frank Meißner, Karsten Wiest, Maria von Borcke und Thorsten Pollfuß den Sender. Ob dieser Schritt eine neue, ruhmreiche Ära für N24 einläutet, erscheint fraglich: Zu schwierig und erfolglos war die Geschichte des deutschen Nachrichtenfernsehens bisher.

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