KaufDa.de – der neue Alptraum der Verlage

Das Startup KaufDa.de kooperiert ab sofort stärker mit der Telekom und präsentiert Prospekte nun auf einer eigenen Seite namens angebote.t-online.de. Die Verbrüderung mit dem reichweitenstarken T-Online Portal wird Bedeutung und Reichweite von KaufDa.de weiter steigern. Zwar geben sich die Gründer leutselig und sagen, sie wollen nur eine Ergänzung zu gedruckten Prospekt-Beilagen sein - aber die Gefahr für Verlage durch Firmen wie KaufDa.de oder MeinProspekt.de ist nicht von der Hand zu weisen.

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"Wir betrachten uns nicht als Substitut zu den klassischen Postwurfsendungen, sondern als ergänzendes Medium", sagte KaufDa.de-Gründer Christian Gaiser als das Angebot von Gründerszene zum Startup des Jahres 2009 gekürt wurde. Wer aber einmal die Anwendungen von KaufDa.de oder dem Konkurrenzunternehmen MeinProspekt.de auf dem iPhone oder, noch besser, dem iPad gesehen hat, will die fantastische Nutzerführung dieser Anwendungen nicht mehr missen. Es wird angezeigt, welche Geschäfte sich in der Umgebung befinden, man kann sich von Google Maps den Weg dazu zeigen lassen, man kann Prospekte der verschiedenste Geschäfte vergleichen, Favoriten speichern und vieles mehr.

Das Geschäftsmodell: KaufDa.de bekommt von den Prospekt-Anbietern direkt die PDFs. Klickt ein Nutzer auf ein Prospekt, erhält KaufDa.de 30 Cent. Für Aldi und Co ist das günstiger als Druck und Vertrieb von Print-Prospekten. Außerdem ist der Anbieter der Prospekte so sicher, dass der potenzielle Kunde sich wirklich für sein Prospekt interessiert. Bei der Print-Ware weiß man nie, wie groß der Anteil ist, der sofort im Papiermüll entsorgt wird.

Das virtuelle Blättern in den Prospekten macht einen Heidenspaß und der Briefkasten müsste theoretisch auch nicht mehr damit zugestopft werden. Was für Ladenketten wie Tchibo oder Discounter wie Aldi und Lidl ein Segen der Technik ist, muss für Verlage ein Alptraum sein. Die Beilagen und Anzeigen von Discountern galten lange als letzte Bastion im Print-Anzeigengeschäft gerade regionaler Zeitungen. Bereits jetzt testet Aldi in Baden-Württemberg in verschiedenen Szenarien, wie sich ein Verzicht auf die Print-Anzeigen auf Umsätze auswirkt. Aldi könnte seine Prospekte auch mit Post-Dienstleistern oder mit Anzeigenblättchen in die Haushalte bringen. Letzteres geschieht ohnehin bereits.

Die Tageszeitungsverlage machen dabei dann häufig sogar selbst Konkurrenz. Nicht selten werden die wöchentlichen, kostenlosen Anzeigenblättchen von den selben Verlagen herausgebracht wie die lokalen und regionalen Tageszeitungen. Nur: Die Anzeigenblättchen sind viel billiger in der Produktion und die Discounter brauchen keine tägliche Frequenz für ihre Anzeigen, einmal pro Woche reicht völlig aus.

Ein möglicher Gewinner einer Verlagerung der Discounter-Anzeigen weg von den Tageszeitungen könnte auch "Einkauf Aktuell" sein, das eingeschweißte Werbe-Heftchen von der Deutschen Post, das Verlage schon lange bekämpfen. Die Gefahr, die von neuartigen, web-basierten und mobilen Einkaufs- und Prospekt-Anwendungen wie KaufDa.de und MeinProspekt.de ausgeht, ist aber womöglich noch viel größer – vor allem langfristig. KaufDa.de und Co bieten im Gegensatz zu den Anzeigenblättchen und "Einkauf Aktuell" nämlich einen echten Mehrwert für die Verbraucher und sie operieren wegen des Online-Vertriebs mit überschaubaren Kosten. Das Prinzip ist einfach zu gut und zu verbraucherfreundlich als das es sich nicht durchsetzen würde.

Die vertiefte Kooperation zwischen KaufDa.de und T-Online wird dem Berliner Prospekt-Portal einen weiteren, gewaltigen Reichweiten-Schub bringen. "Unser Angebot richtet sich an die Konsumenten, die man mit gedruckten Prospekten nicht mehr erreicht", sagte Gaiser. Um nicht auf Konfrontationskurs mit den Verlagen zu gehen, bietet KaufDa.de Zeitungshäusern an, die Prospekte-Applikation auf den Zeitungs-Websites einzubinden. Die Verlage werden dann mit 50 Prozent an den Erlösen über diese Website beteiligt. Als einer der ersten Zeitungsverlage ist beispielsweise die WAZ mit dabei. Das ganze wirkt aber mehr wie eine Beruhigungspille für Verleger. Denn: Für das Geschäftsmodell von KaufDa.de braucht es die Zeitungen und ihre mehr oder weniger qualitativ hochwertigen Inhalte nicht mehr. Bei KaufDa.de ist das Prospekt selbst der Inhalt, für den sich Nutzer interessieren.

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