Aust-Projekt für Hombach ein Bumerang?

Jetzt wird die Rechnung präsentiert: Wegen der Magazin-Entwicklung des ehemaligen Spiegel-Chefs Stefan Aust gerät der WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach angeblich unter Druck. Nach einem FTD-Bericht kostete das Projekt rund fünf Millionen Euro. Offenbar zuviel für einige Gesellschafter. Dass in Essen bereits geprüft wird, ob der Manager seine Kompetenzen überschritten hat und ob die Gesellschafter auf Schadenersatz und Untreue klagen können, wird allerdings dementiert.

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Als erster Hombach-Kritiker wagt sich der mächtige Altverleger Günther Grotkamp aus der Deckung. In der FTD deutete er an – "Ich habe mich sehr gewundert, dass diese Sache überhaupt angegangen wurde" – , dass er das Aust-Projekt von Anfang an für einen Fehler hielt. Pikant: Die Frau von Grotkamp gehört zum den Miteignern des Zeitungs-Konzerns. Gegenüber der Financial Times Deutschland sagte der 82-Jährige allerdings, dass er nicht gegen Hombach vorgehen will. 
Ähnlich äusserten sich auch andere Gesellschafter. Die Mehrheitsgeschäftsführerin der Brost Holding, Anneliese Brost, sagt, dass diese Unterstellung Unsinn ist, und möchte sie nicht weiter kommentieren. Für die Funke-Familien nimmt Stephan Holthoff-Pförtner Stellung: "Angebliche Überlegungen, auf Schadensersatz oder Untreue zu klagen, sind mir vollkommen fremd. Von einem etwaigen Prüfantrag ist mir nichts bekannt."
Grotkamp gilt als einer der wichtigsten Baumeister des mächtigen WAZ-Mediengruppe. Von 1975 bis 2000 war er Geschäftsführer des Essener Unternehmens. Unter seiner Regie wandelte sich der regionale Verlag zu einem bundesweit bedeutenden Konzern. Die Frau des gelernten Juristen ist eine der drei Töchter des WAZ-Gründers Jakob Funke. Gemeinsam mit ihren Schwestern Renate Schubries und Gisela Holthoff verfügt sie über 50 Prozent der Gesellschafteranteile. Diese sind in der Funke Familiengesellschaft (FFG) gebündelt.

Gleichwohl kreidet der Altverleger Hombach an, dass man sich das ganze ehrgeizige Vorhaben hätte sparen können. Denn, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingen nicht gut sind für eine teure Neueinführung, hätte man bereits vor einem Jahr gewusst.

Der letzte Punkt, über den sich Grotkamp wenig erfreut zeigt, ist der Umstand, dass die WAZ die gesamte Magazin-Entwicklung finanziert hätte, auf deren "Arbeitsergebnisse" aber nun "keinen Zugriff" mehr habe. Mit dem Ende der Zusammenarbeit mit den Essenern fallen alle Rechte an Stefan Aust. Dies hatte sich der ehemalige Spiegel-Chef vertraglich zusichern lassen, als er die Auftrags-Entwicklung startete.

Unter dem Arbeitstitel "Woche" war von einem 20-köpfigen Team ein ambitioniertes Nachrichten-Magazin konzeptioniert und etliche gedruckte Dummys produziert worden. Die WAZ hatte dabei frühzeitig signalisiert, dass man ein solches Projekt nicht alleine auf den Markt bringen wolle. Als der Springer-Konzern nach anfänglicher Sympathie allerdings wegen "fehlender wirtschaftlicher Perspektive" den Stecker zog und absagte, stand die WAZ allein da und beerdigte ebenfalls die hochfliegenden Pläne.

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