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Trotz WM: Sky-Aktie im Allzeittief

Das scheinbare Paradoxon ist perfekt: Man stelle sich vor, es ist WM und einer der mutmaßlichen Profiteure notiert an den Aktienmärkten so tief wie nie. Diese Erfahrungen machen gerade die Aktionäre des Bezahlsenders Sky. Die Aktie des TV-Senders notiert nur noch für rund einem Euro. Die Namensumfirmierung, der Austausch des CEOs und die immer weiteren Zukäufe von Großaktionär Murdoch verpufften bislang. Immer noch scheint es unklar, wie Sky aus den roten Zahlen kommen will.

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Das scheinbare Paradoxon ist perfekt: Man stelle sich vor, es ist WM und einer der mutmaßlichen Profiteure notiert an den Aktienmärkten so tief wie nie. Diese Erfahrungen machen gerade die Aktionäre des Bezahlsenders Sky. Die Aktie des TV-Senders notiert nur noch für rund einem Euro. Die Namensumfirmierung, der Austausch des CEOs und die immer weiteren Zukäufe von Großaktionär Murdoch verpufften bislang. Immer noch scheint es unklar, wie Sky aus den roten Zahlen kommen will.

Das Aufgebot steht: Der Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer selbst ist dabei – ebenso wie die einstigen Bundesliga-Stars Jens Lehmann und Stefan Effenberg. So umfassend wie kein anderer deutscher Fernsehsender berichtet Sky von der 19. Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, alle 64 Partien werden live gezeigt. Und das sogar mobil – denn gerade noch pünktlich zum Anpfiff in Johannesburg am Freitag launchte der Münchner Bezahlsender seine iPad-App, die für Abonnenten nutzbar ist.

Davon jedoch gibt es jedoch immer noch nicht genug, wie das drastischste Urteil des vielleicht härtesten Richters der Wirtschaftswelt beweist: An der Börse ist die Sky-Aktie ein Rohrkrepierer. Bei ganzen 1,32 Euro ging das Papier am vergangenen Freitag aus dem Handel, nachdem zwei Tage zuvor gar nur 1,22 Euro bewilligt wurden.

Dramatische Wertvernichtung: Aktie verliert 95 Prozent seit Debüt 2005

Es war nicht nur ein Tiefsstand, sondern das ultimative Tief in der wenig ruhmreichen Börsenlaufbahn des Papiers, dass nunmehr seit fünf Jahren sein Dasein an den deutschen Aktienmärkten fristet und in dieser Zeit eigentlich nur eine Richtung kannte – nämlich die nach unten.

Zu einem Ausgabekurs von tatsächlich 28 Euro gingen die Münchner im März 2005 noch an die Börse – seitdem haben Anteilseigner eine Wertvernichtung wie zu schlimmsten Neuen Markt-Zeiten ertragen müssen. Bis zum Allzeittief vergangene Woche kamen mehr als 95 Prozent des Börsenwertes abhanden.

Besonders dramatisch erscheint das neuerliche Absacken vor dem Hintergrund der konjunkturellen Erholung, die seit mehr als einem Jahr läuft und grundsätzlich auch im TV-Markt angekommen ist, wie Free-TV-Konkurrent ProSiebenSat.1 beweist. Der Stadtnachbar notierte im Frühjahr 2009 sogar noch tiefer als Premiere/Sky – nämlich bei unter 1 Euro –, hat seitdem aber die schier mirakulöse Kurserholung von mehr als 1000 Prozent hinter sich. Die Sky AG notiert in diesen Tagen dagegen so schlecht wie nie.

Die operative Zahlen wecken keine Turnaround-Fantasien. Trotz der Umfirmierung vor einem Jahr, des Austausches des CEOs Marks gegen Brian Sullivan und der immer weiteren Aktienzukäufe von Rupert Murdoch, der inzwischen über sein Medienkonglomerat News Corp. über 45 Prozent am immer noch im deutschen Nebenwerte-Index MDax gelisteten Konzern hält.

Doch im operativen Geschäft reißen die Negativmeldungen einfach nicht ab: So wurde der Verlust im ersten Quartal entgegen der eigenen Ziele nochmals ausgeweitet – nach 80 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum verbrannten die Münchner in den ersten drei Monaten des Jahres gar 97 Millionen – mehr als eine Million am Tag also. Die Zahl der Netto-Neuabonnenten stieg um lediglich 1000 an. Viel zu wenig, um an der Börse Turnaround-Fantasien aufkommen zu lassen.

Analysten sehen noch UBS-Potenzial

Entsprechend könnte selbst nach dem jüngsten Absturz noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein, glaubt die Finanzpresse. "Der Aktionär" etwa sieht weiteres Rückschlagpotenzial bis zum Intraday-Allzeittief bei 1,06 Euro vom März 2009 und schätzt ein Investment selbst auf diesem Niveau als "mit hohen Risiken verbunden" ein. Die Charttechniker von Godmode-Trader warnen gar vor einem Kurssturz auf Pennystock-Niveau: "Der Abwärtstrend der letzten Monate könnte sich beschleunigen. Geht es nachhaltig unter 1,22 Euro, müsste man sich auf einen Kursrutsch bis 0,70 – 0,75 auf mittelfristige Sicht und später sogar ca. 0,40 – 0,50 Euro einstellen".  

Einen Silberstreif am Horizont haben unterdessen zumindest Volkswirte ausgemacht. So sieht UBS-Analyst Polo Tang die Chance auf positive Impulse von der Fußball-WM, die der Münchner Pay-TV-Sender in HD-Qualität ausstrahlt. Da das gegenwärtige Kursniveau keine großen Erwartungen signalisiere, bestehe im laufenden zweiten Quartal durchaus positives Überraschungspotenzial. Die UBS nennt als Kursziel 1,80 Euro. Das wären immer noch 93 Prozent weniger als zum Ausgabekurs von 2005 – aber auch 36 Prozent mehr als der letzte Kurs vom Freitag. So haben die Sky-Aktie und die Fußball-WM am Ende doch etwas gemeinsam: Es lebt das Prinzip Hoffnung. 

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