“dpa news”: Agentur startet Dialog-Portal

Publishing Im Wettstreit mit dem ddp hat dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner nun seine Plattform "dpa news" präsentiert. Sie ist noch nicht ganz ausgereift, soll aber bereits an die Kundschaft ausgerollt werden - im Beta-Betrieb. Büchner versprach: "Die Agentur soll für unsere Kunden gefühlt im nächsten Raum sitzen." Warum es jetzt so schnell gehen muss, liegt auf der Hand: Büchners Konkurrent, der ddp, steht ebenfalls kurz vor dem Start eines eigenen Kundenportals.

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"Wir haben einen Nachholbedarf beim Dialog", räumte Büchner am Montag bei einem Presse-Termin in den Hamburger Räumen seiner Agentur ein. Die bisherige Art und Weise, wie Kunden die Arbeit der dpa bewerteten, sei "sehr unbefriedigend". Statt viertel- oder gar halbjährliche Gespräche, in denen über die Qualität und Bandbreite des Meldungsangebots geredet werde, sollen die Redakteure der dpa-Kunden fortan die Meldungs- und Bilderlage ständig kommentieren. Wie angekündigt bietet "dpa news" dafür die Möglichkeit: Kunden können Meldungen, Feature, Texte und Grafiken wie im Web 2.0 üblich mit Anmerkungen versehen – mit positivem Feedback, aber auch mit harscher Kritik.
"dpa news" ist allerdings noch nicht ganz ausgereift: Nur auf der Startseite ordnet die dpa-Redaktion den Tag in Top-Storys ein. In den einzelnen Ressorts läuft bisher nur der Ticker ein. "Wir werden das in ein paar Wochen ändern", versprach Büchner im Gespräch mit Medienjournalisten. Seine Plattform, die er sich schon im Sommer 2009 ausgedacht habe, sei deshalb noch mit dem "Beta"-Label versehen. Trotzdem soll der Roll-Out bereits anlaufen: In den nächsten Wochen erhielten alle Kunden der dpa Zugänge – kostenlos.
Warum Büchner das Tempo anzieht, wird mit Blick auf die Bewegungen am Agenturmarkt klar: Auch sein Chefredakteurs-Rivale Cord Dreyer vom ddp arbeitet an einer Kundenplattform. Sie heißt "ddp/DAPD-Newsplaner" und setzt weniger auf die redaktionelle Gewichtung der Nachrichtenlage, dafür aber umso mehr auf die Vorausplanung, an der sich die Kunden beteiligten sollten.
Dem Medium-Magazin sagte Dreyer: "Das Ranking ist uns extrem wichtig. Damit können wir uns auch erlauben, einen Termin mal wegzulassen, wenn ihn mehrere Kunden nur mit einem von fünf Sternen versehen haben, ihm also keiner Priorität einräumt, und wir unsere Journalisten für andere Themen einsetzen wollen." Er führt dafür die Benotung von Pressekonferenzen und anderen Terminen per Sternchen ein. Doch während Büchners Plattform bereits die Marktreife erreicht hat, ist von einem Testbetrieb bei ddp noch nicht mal die Rede.

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