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Jauch-Wechsel: „der Coup des Jahrzehnts“

Holger Kreitling von der Welt sagt es treffend: "Auf die zitronensaure Nachricht folgt das Zuckerstück." Zeitgleich zur Umstellung der GEZ-Gebühren verkündet die ARD den Neuzugang Günther Jauch. Für Michael Hanfeld (FAZ) ist der Wechsel "der Coup des Jahrzehnts". Auch Spiegel Online lobt: "Endlich beweisen die öffentlich-rechtlichen Sender, dass ihre Strukturen nicht komplett verkrustet sind." Daniel Bax von der taz sieht dagegen einem Rückschritt und eine drohende "Re-Christiansenisierung".

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Süddeutsche Zeitung, Hans-Jürgen Jakobs und Christopher Keil:
"So einer entwickelt sich in der ARD leicht zum Magneten, das wissen auch die Intendanten dieses Systems. Der 53-Jährige passt zur Zielgruppe, er verbindet Seriosität mit Spontanwitz, er wirkt unterhaltend, ohne platt zu sein. Jauch kann unfallfrei Fragen stellen, was viel heißt im deutschen Fernsehen. (…)
In dem Sender des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns hat Jauch allem Anschein nach auch journalistische Kultur vermisst. Immer nur Zahlen, Deckungsbeiträge, Quoten, das kann nerven. Wo es ihm doch auch um Inhalte geht, um Debatten, um Scoops – oder das, was man bei Stern-TV dafür hält."

Cover-Boy Jauch: In der SZ schaffte es der
Moderator sogar auf die Titelseite


 FAZ, Michael Hanfeld:
"Das ist – im deutschen Fernsehen – der Coup des Jahrzehnts. (…)
Jauch ist nicht nur der populärste Fernsehinterpret von allen. Er ist nicht nur Moderator und erfolgreicher Produzent und als solcher auf mehreren Kanälen zu Hause. Günther Jauch ist eine Macht, er ist eine Marke und er ist – zur Zeit noch – RTL."
Welt, Holger Kreitling:
"Als Signal ist der Wechsel von enormer Bedeutung. Nach Stefan Raab ist Jauch schon der zweite große Fernsehmann, der für private und öffentlich-rechtliche Sender arbeitet. Das könnte ein Trend werden. Jauch selbst hat mehrfach angedeutet, dass er im gesetzten Alter gerne wieder beim Urgestein ARD arbeiten wolle, das Erste hat zweifellos etwas Präsidiales. Jauch ist wertkonservativ, durchdrungen von bürgerlichem Engagement und sozialem Ausgleich."
Spiegel Online, Hannah Pilarczyk:
"Wie die ARD damit zurecht kommt, dass sie neben Stefan Raab nun einen weiteren Moderator hat, der zweigleisig fährt, wird sich erst im Laufe des kommenden Jahres zeigen. Wenn sich ARD und ZDF weiterhin als so wandlungsfähig erweisen, wie sie es in den vergangen Monaten getan haben, dürfte das aber nicht die einzige Überraschung sein, die wir Fernsehzuschauer noch erwarten können."

Auch die Bild macht mit dem ARD-Neuzugang auf

taz
, Daniel Bax:
"Für eine kritische und pluralistische Öffentlichkeit ist diese Berufung allerdings ein Rückschritt. Nicht nur, weil man sich am omnipräsenten Dackelblick des populären TV-Moderators längst sattgesehen hat. Sondern auch, weil mit seiner Verpflichtung eine ‚Re-Christiansenisierung‘ des sonntäglichen Polittalks droht. Hatte Anne Will das Profil ihrer Sendung deutlich nach links verschoben, so steht der mehrfache Millionär und Villenbesitzer aus Potsdam, der sich auch ein wenig karitatives Engagement leistet, nun wieder für bürgerlich-konservative Werte."
stern.de, Katharina Miklis:
"Wie auch immer die Entscheidung fallen wird, klar ist, dass der Jauch-Deal bis zum Herbst kommenden Jahres hohe Wellen schlagen wird. RTL braucht einen Ersatz, der praktisch nicht zu finden ist, das Abendprogramm im Ersten wird neu gemischt und vor allem an eine Tatsache wird man sich erst gewöhnen müssen. Günther Jauch ist nicht mehr RTL. Und umgekehrt.
Handelsblatt.com, Sven Prange:
"Der 53-Jährige ist damit nicht mehr nur der beliebteste, sondern auch einer der mächtigsten deutschen Medienmänner. Kaum ein anderes TV-Gesicht hat es dabei so konsequent geschafft, seine Popularität in bares Geld umzumünzen. Jauch ist längst ein florierendes mittelständisches Unternehmen. (…)
Da waren die sonst gern mal starrköpfigen ARD-Hierarchen auch bereit, zu machen, was sie sonst eher nicht können: verzeihen. Schließlich hatte Jauch ihnen via "Spiegel" nach dem Scheitern der ersten Verhandlungen 2007 Deftiges mit auf den Weg gegeben: ‚Die ARD war der teuerste Flirt meines Lebens. Die Dame ist noch immer attraktiv – aber bei näherem Hinsehen doch sehr kapriziös und zudem von Hunderten von Gremien-Grummlern umstellt.‘ Ab 2011 wird er sich jetzt häufiger mit ihnen herumschlagen."
FR-Online.de,  Daniel Bouhs und Peer Schader:
"Jauchs halber Wechsel zur ARD ist ein Beleg dafür, wie groß die Sorge bei RTL ist, mit einem Polittalk tatsächlich eine Schneise in das fest gezurrte Programmschema zu schlagen und dadurch womöglich Einbußen beim Marktanteil hinzunehmen: Nicht einmal um den Moderator auch zukünftig exklusiv bei RTL zu halten, hat man sich vorstellen können, ein Risiko einzugehen."
DWDL.de, Thomas Lückerath:
"Und doch beginnen bereits die Spekulationen, wer das schwere Erbe antreten könnte. Die Herausforderung für RTL besteht besonders darin, nicht nur einen fachlich geeigneten Gastgeber zu finden. Er muss auch den fehlenden Jauch-Faktor ersetzen. Und das erschwert die Nachfolger-Suche. In der Mediengruppe RTL Deutschland finden sich genügend TV-Gesichter mit dem nötigen journalistischen Background, etwa beim "RTL Nachtjournal". Doch fraglich wäre, ob sie genügend Strahlkraft haben, wie es ein Günther Jauch hatte. Sicher: Als er vor 20 Jahren anfing, wuchs Jauch auch erst mit den Aufgaben. Ein solcher Neustart jedoch wäre für ein inzwischen fest etabliertes Magazin ein hohes Risiko, wenn auch nicht ohne Reiz."

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