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Die Entzauberung des Facebook-Gründers

Es dürften die schwersten Tage des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg sein: Kaum ist die Aufregung um die immer neuen Änderungen der Privatsphäre-Einstellungen leicht abgeklungen, blamierte sich der 26-Jährige in der vergangenen Woche bei der Technologie-Konferenz D8. Zuckerbergs buchstäblicher Schweißaufbruch war der jüngste Fehltritt in einer Reihe unglücklicher PR-Auftritte. Aber: Die immer lauteren Rücktrittsforderungen von Promi-Bloggern gehen zu weit.

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Es dürften die schwersten Tage des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg sein: Kaum ist die Aufregung um die immer neuen Änderungen der Privatsphäre-Einstellungen leicht abgeklungen, blamierte sich der 26-Jährige in der vergangenen Woche bei der Technologie-Konferenz D8 mit seinem Auftritt bis auf die Knochen. Zuckerbergs buchstäblicher Schweißaufbruch war der jüngste Fehltritt in einer Reihe unglücklicher PR-Auftritte. Aber: Die immer lauteren Rücktrittsforderungen von Promi-Bloggern gehen zu weit.

Es ist wohl keine Frage des Alters: Man kann gerade mal 19 Jahre alt sein und die Welt im Sturm erobern – Lena hat es vorvergangene Woche vorgemacht. Nun ist Mark Zuckerberg immerhin mehr als sieben Jahre älter und der eigentliche Popstar jener Generation, der Lena angehört – der Generation Facebook.  Davon jedoch merkt man bei seinen öffentlichen Auftritten wenig.

Keine Frage: Facebook ist der größte Gamechanger seit Google, der wichtigste Paradigmenwechsel zum sogenannten Web 2.0, dem Zeitalter des Online-Teilens. Dafür, dass Zuckerberg die Menschen dazu gebracht, offener mit ihrem Privatleben im Social Web umzugehen, gebührt dem 26-Jährigen größter Respekt.

Bei öffentlichen Auftritten konnte Zuckerberg bisher nicht überzeugen

Der Havard-Abbrecher hat nur ein Problem: So richtig ‚social’ ist Zuck nicht. Das konnte bei seinen etwas gestelzten Video-Botschaften zu Facebooks Expansion noch ganz gut kaschiert werden, während Adiletten und Sweatshirt auch bei Presse-Events jugendlichen Esprit unterstrichen. Aber wie gut würde Zuckerberg, der CEO sein, wenn es darum ginge, das im zweistelligen Milliardenbereich bewertete Dot.com-Unternehmen in Richtung Börsengang zu führen?

Die Frage hält sich seit Jahren, denn bei seinen wenigen wirklich wichtigen öffentlichen Auftritten konnte Zuckerberg nicht überzeugen – wie etwa bei seinem „60 Minutes Interview“ mit CBS oder der jüngsten Pressekonferenz im Mai zur x-ten Überarbeitung der Privatsphäre-Einstellungen.

D8-Meltdown: Kara Swisher führt Zuckerberg vor

Zuckerberg fehlt all das, was etwa schon der junge Steve Jobs hatte – nämlich vor allem: Charisma. Er ist kein Medien-Profi und erlebte vergangene Woche schließlich auf der Technologie-Konferenz „D8“  sein ganz persönliches Waterloo – oder, wie die Amerikaner sagen, seinen „Meltdown“.

Denn dahingeschmolzen ist Zuckerberg tatsächlich, weil er den harten Fragen der Technologiereporter Walt Mossberg und Kara Swisher vom „Wall Street Journal“ nicht gewachsen war. Peinlicher Höhepunkt: Der sichtlich aus dem Konzept geratene Zuckerberg wischt sich wie ein Erstklässler mit einem Sweatshirtärmel Schweißperlen von der Stirn. „Den kannst Du auch ausziehen, die Mädels im Publikum freuen sich bestimmt“, neckte Swisher, die einen Coup wähne, den angeknockten Zuckerberg, der dann auch noch darauf einging – eine Vorführung erster Klasse.

Shel Israel an Mark Zuckberg: „Jetzt wäre genau die Zeit zu gehen“

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All das, was danach kam, war Häme pur und der klassische Reflex der Medien- und Internetbranche, die wohl seit Jahren darauf gewartet hat, dem jungen Emporkömmling eins auszuwischen. „Er ist bei Interviews und Keynots einfach furchtbar“, kanzelt etwa das Technologie-Blog „Alley Insider“ Zuckerberg ab.

Unrühmlicher Höhepunkt jedoch: Promi-Blogger und Social Media-Gurus legen dem mit Abstand größten Facebook-Anteilseigner schon den Rücktritt nahe. „Das Leben ist zu kurz, um Dinge zu tun, die man nicht mag“, holt etwa der Alpha-Blogger Robert Scoble aus. „Und es ist klar, dass es Mark nicht gefällt, das öffentliche Gesicht von Facebook sein zu müssen –  andernfalls sähe er auf der Bühne glücklicher aus und würde nicht schwitzen.“

Der Journalist und Blogger Shel Israel schlägt noch härter in dieselbe Kerbe: „Kara Swisher und Walt Mossberg sind erstklassige Interviewer, aber sie haben die Fragen auf nette Art und Weise gestellt. Du hättest  darauf vorbereitet sein müssen. Du hast Dir und Deinem Unternehmen kein Gefallen getan. Ich würde sogar sagen: Du hast Dich selbst beschädigt. (…) Manche Gründer sind zurückgetreten und haben die Aufgaben in tüchtigere Hände gelegt. Jetzt wäre genau die Zeit, das zu tun.“

Der D8-Aussetzter dürfte Facebook nicht schaden

Das geht, natürlich, viel zu weit. Zuckerberg und die Millionen von Zuschauern mögen final erkannt haben, dass der Facebook-Gründer kein geborener Entertainer und Verkäufer ist – und sich auf einer Bühne sehr unwohl fühlt. So weit, so lehrreich. Trotzdem braucht das Unternehmen seinen Gründer mehr denn je. Zuckerberg ist mit Facebook ein Meilenstein in der Internet-Ära gelungen, den er bis heute gegen alle Avancen und Herausforderungen verteidigt hat.

Schaden dürfte Facebook der Blackout ihres Gründers ohnehin am wenigsten – das letzte, was eine 21-jährige Studentin aus Barcelona an ihren sieben Jahre älteren Freund in Mailand posten dürfte, ist das D8-Video von Mark Zuckberg.

Eines aber ist sicher: Je näher ein Börsengang rückt, desto häufiger wird hinterfragt werden, ob nicht auch bei Facebook eine Eric-Schmidt-Lösung – also die Verpflichtung eines Tech-Veteranen als CEO – für Anteilseigner die bessere Variante wäre. Eine höchst unangenehme Situation für einen jungen Mann, dessen Leben gerade erst verfilmt wurde und im Herbst als „Social Network“ in die Kinos kommt.

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