Das Magazin mit der Kraft der zwei Herzen

Ab heute zieht in die übervollen Presseregale der Kioske und Supermärkte eine neue Zeitschrift ein, und die Kolleginnen links und rechts im Frauen-Segment könnten kopfschüttelnd die Nasen rümpfen, für wen sie noch dichter zusammenrücken müssen. Happinez aus dem Hause Bauer kommt leicht weggetreten lächelnd daher, ornamentgeschmückt und mit einer Botschaft, die nichts weniger verheißt als "Liebe". Ein Magazin für "Mindstyle" und angetreten, den deutschen Markt zu erobern.

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Ab heute zieht in die übervollen Presseregale der Kioske und Supermärkte eine neue Zeitschrift ein, und die Kolleginnen links und rechts im Frauen-Segment könnten kopfschüttelnd die Nasen rümpfen, für wen sie noch dichter zusammenrücken müssen. Happinez aus dem Hause Bauer kommt leicht weggetreten lächelnd daher, ornamentgeschmückt und mit einer Botschaft, die nichts weniger verheißt als "Liebe". Ein Magazin für "Mindstyle" und angetreten, den deutschen Markt zu erobern.
Happinez ist ein Zeitschriftenableger des im Buchgewerbe boomenden Esoterik-Trends und in den Niederlanden bereits ein Riesenerfolg. Wer Tantra für ein Automodell hält, Schamanen für eine seltene Tierart und Nahtod-Erfahrungsberichte für spinnertes Geschwafel, versteht nichts von der Parallelwelt, die sich beim Blättern der 146 Seiten starken Erstausgabe auftut. So verstrahlt manchem Happinez erscheinen mag, einen luschigen Auftritt kann man der entrückten Dame nicht vorwerfen. An der Heft-Ausstattung wurde nicht gespart: Großformat, Hochglanztitel und edles Magazinpapier – da braucht Happinez am Kiosk keinen Vergleich zu scheuen.
Laute Themen sucht man vergebens, dem Magazin scheint alles Plakative fremd zu sein, es säuselt geradezu seinen geheimnisvollen Kanon daher, als kenne man sich schon lange. Mit einem bemerkenswerten Selbstbewusstsein verzichtet die Redaktion auf dem Cover auf den üblichen "Neu"-Button und platziert dort eine Rufnummer für Abo-Besteller.
Wer Happinez beurteilen will, kann dies eigentlich nur aus der Sicht der Zielgruppe. Leser von Geo oder P.M. würden sich mit Grausen abwenden, wenn sie den wissenschaftlich verbrämten Nonsens lesen, aus dem sich die Weltanschauung des Heftes speist. Gurus des "Neuen Bewusstseins" sind hier die Helden, Leiter eines "Instituts für Herz-Mathematik", besagte Schamanen und natürlich der unvermeidliche Paulo Coelho. Also: vor der Rezension am besten einen Yogi-Tee aufgießen, Räucherkerzen anzünden und andächtig der inneren Stimme lauschen. Für Chefredakteur Uwe Bokelmann, der sonst für Bauers Erfolgs-Titel tv14 und Welt der Wunder verantwortlich ist, dürfte die Arbeit am neuen Magazin in vielerlei Hinsicht eine ganz neue Erfahrung sein. Nach dem Motto: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
In Holland begründete die Zeitschrift das Segment der Mindstyle-Magazine, um dann gleich noch den Markt der Frauenhefte aufzurollen. Aktuell liegt die verkaufte Auflage dort bei knapp 200.000 Exemplaren. Damit ist die Zeitschrift Marktführer der monatlichen niederländischen Frauenmagazine. Dass sich die Hamburger  kräftig beim niederländischen Mutter-Blatt bedienen, wird schon beim Blick auf die Autorenzeilen klar. So sprach Tun Touber mit dem US-Autor Gregg Barden, Vietnam wurde von Dagmar van der Neut besucht, und Christine Pannebakker berichtet über das keltische Ritual des Handfasting.

Das Erfolgsrezept beschrieb Bauer-Geschäftsführer Jörg Hausendorf gegenüber MEEDIA so: "Happinez ist ein Magazin für Menschen, die daran interessiert sind, neue Einblicke und Erkenntnisse zu gewinnen und zu vertiefen, kombiniert mit einem modern-geschmackvollen Lebensstil." Dem holländischen Original gelingt seit Jahren das Kunststück, jeden Monat ein neue Ausgabe vorzulegen, die anders aussieht, aber doch immer dem strengen Heft-Look and Feel entspricht. Happinez gelingt dieser Effekt durch zwei einfache grafische Kniffe: Jede Ausgabe ist stets in nur einer Grundfarbe gehalten, und alle Fotos sind zusätzlich mit arabisch- und indisch-anmutenden Ornamenten versehen.
Deshalb fällt es nicht störend ins Gewicht, dass sich die Heftstruktur des Magazins in rekordverdächtige 19 Rubriken gliedert. Eine davon heißt "Das Herz", und definitiv geht es hier um mehr als einen Muskel: Happinez ist quasi das Heft der zwei Herzen. Das Editorial macht klar, wo das Magazin den Hebel ansetzen will: "In den vergangenen Jahren haben wir eine Zeit von Erfolg, Wohlstand und Luxus erlebt. Eine Zeit, die unsere Welt zugleich aber immer schneller und imm verwirrender werden ließ. Eine ermüdende Welt, ein immer ermüdenderes Leben." Happinez wolle versuchen, dem geplagten Erdbewohner bei der Entdeckung seiner "Innerlichkeit" zu helfen. Ein Magazin, das nicht weniger verspricht, als den "Graben zwischen Geist und Herzen zu überbrücken".
Die Sprache von Happinez ist durchdrungen von suggestiven Vokabeln, bei denen sich alles um Liebe, Erfüllung, Träume, Geheimnisse, Magie dreht. Im Spiritualitäts-Teil heißt es unter Punkt eins "Wir erschaffen unsere Realität", was eigentlich für das ganze Magazin gilt. Auch für jene Leserinnen, die bei der gepredigten Wendung nach innen enttäuscht auf Hohlräume stoßen, hat das Magazin Hilfe parat: die "Bring-mehr-Liebe-in-Dein-Leben"-Karten zum Heraustrennen und Aufbewahren in der Handtasche. "Flüstern Sie sich heute mehrmals zu: Mir fehlt nichts", heißt es etwa. Und: "Ich habe schon alles. Ich bin in Sicherheit!"
Das ist speziell, darauf muss man sich einlassen können. Genau so wie an anderer Stelle auf die Behauptung eines "Wissenschaftlers", ein Versuch habe nachgewiesen, dass sich die Kriminalitäts- und Unfallrate in einer Großstadt durch massenhafte Meditation von Erleuchteten um 23 Prozent senken lasse. Das klingt gaga, aber bevor man zu laut lacht, sollte man die Verkaufszahlen abwarten. Denn Happinez ist so anders als alles, was bislang in den Verkaufsregalen ausliegt, dass es durchaus das Zeug zu einem Bestseller hat: eine Art Esoriklust für eine bislang im Stillen Bücher verschlingende Zielgruppe, die Bauer mit dem neuen Titel als treue Magazinleser gewinnen will.
Dass dieses Segment Millionen Menschen umfassen könnte, zeigen die Verkaufszahlen der Happinez-Helden, von den es etliche in die Bestseller-Charts geschafft haben. Hier ist eine von den traditionellen Medien nur gestreifte Themenwelt, die offenbar gerade in Krisenzeiten mit der Aufforderung zur inneren Einkehr immer mehr in den Bann zieht. 
Auch wenn im Heft einige Anzeigen (Kosmetik, Katzenfutter, Telco, Reise) zu finden sind, ist Happinez Bauer-typisch als Vertriebstitel konzipiert. Die Rechnung könnte durchaus aufgehen, und mit der Home Shopping-Rubrik "House of Happinez" bringt die Zeitschrift eine weitere Erlösquelle mit, in der Chakra-Ketten mit magischen Steinen zu 75 Euro, metallene Lebensbäume (49 €) oder der kosmische Wandbehang "Weihrauch" (85 €) feilgeboten werden.
Happinez erscheint zweimonatlich zum Einzelverkaufspreis von 4,95 Euro. Die Druckauflage liegt bei 150.000 Exemplaren. Eine redaktionell gespeiste Website zum Magazin gibt es übrigens (noch) nicht, unter happinez.de sind vorerst nur Produktbestellungen möglich.

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