ARD holt Jauch für Anne Will-Sendeplatz

Es brauchte zwei Anläufe, aber jetzt ist Programmchef Volker Herres am Ziel: Ab Herbst 2011, wird Günther Jauch eine politische Gesprächssendung am Sonntagabend nach dem "Tatort" im Ersten moderieren. NDR und WDR haben den Moderator für einen Drei-Jahres-Vertrag mit der ARD gewinnen können. Damit wechselt Deutschlands populärster Moderator zumindest in Teilzeit den Sender. Verliererin ist Anne Will, deren Talk-Sendung auf einen neuen Sendeplatz abgeschoben wird.

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Schon seit 2006 flirten die ARD-Verantwortlichen mit dem Moderator, der auch selbst öffentlich mit einem späteren Wechsel ins öffentlich-rechtliche Fach geliebäugelt hatte. Mit dem Start von Günther Jauch will Das Erste 2011 auch sein Sendeschema modifizieren. Die "Tagesthemen" sollen dann von Montag bis Donnerstag einen einheitlichen Sendebeginn erhalten. An diesen Wochentagen sollen auf der Spätabendleiste Gesprächssendungen ausgestrahlt werden. Auch die Sendung "Anne Will" soll einen neuen Sendeplatz erhalten. Comedy und Satire werden weiter ihren Platz im Ersten haben.
RTL wird nicht ganz auf sein Zugpferd verzichten müssen. Zwar gibt der 53-Jährige im nächsten Jahr die von ihm moderierte Sendung "Stern TV" ab, ist aber weiter als Gastgeber von "Wer wird Millionär" bei den Kölnern präsent.

Günther Jauch kommentierte den Millionen-Deal so: "Schön, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat. Jetzt freue ich mich auf meine Sendung am Sonntagabend im Ersten." Auch Peter Boudgoust, ARD-Vorsitzender, ist stolz: "Wir bieten dem Großmeister der journalistischen Unterhaltung ein Programmumfeld, das seinen Fähigkeiten entspricht. Und den Gebührenzahler kostet seine Verpflichtung keinen Cent mehr. Dazu die Vereinheitlichung der Tagesthemen-Anfangszeiten: ein perfekter Coup."
Die Harmonie zwischen den Beteiligten lenkt davon ab, dass der erste Anlauf eines Wechsels Anfang 2007 mit einem lauten Knall geplatzt war. Damals hatte Jauch via dpa-Interview abgesagt und gleich mehrere Gründe genannt – unter anderem, dass die ARD darauf gedrungen habe, er solle "journalistisch exklusiv" für "das Erste" tätig sein und eine weitere Sendung übernehmen. Als weiteren Grund nannte Jauch seinerzeit, dass die ARD die Zuständigkeit für seine Show den Chefredakteuren habe unterstellen wollen. "Damit wäre nach meiner Auffassung die Sendung dem ständigen Risiko ausgesetzt, zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden." Dies entspreche nicht seinem Empfinden von "innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit".
In der jetzt geschlossenen Vereinbarung wird eben dieser Streitpunkt wohl zugunsten Jauchs geregelt worden sein; der Moderator dürfte aus einer Position der Stärke heraus agieren. Ob dies senderintern auch Kritik hervorrufen wird, ist noch nicht abzusehen.

Weitere Stimmen:
Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks: "Die Besten ins Erste – Günther Jauch wird dem Ersten neue Impulse geben. Es lohnt sich, Geduld und einen langen Atem zu haben."

Monika Piel, Intendantin des Westdeutschen Rundfunks: "Die journalistischen Wurzeln von Günther Jauch liegen in der ARD. Ich freue mich, dass er dorthin zurückkehrt."

Volker Herres, ARD-Programmdirektor: "Mit Jauch geht’s auch – und zwar noch viel besser. Mit Deutschlands wohl beliebtestem Moderator werden wir das Informationsprofil des Ersten weiter stärken und unser Angebot noch klarer und verlässlicher strukturieren. Wir sind eins – und wollen es auch bleiben."

Die Verabredung mit Günther Jauch steht unter dem Vorbehalt, dass die damit zu befassenden Gremien der ARD dieser Vereinbarung zustimmen.

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