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Blogger sah die Eurokrise voraus

Es ist eine Geschichte, wie sie nur im Internet geschehen kann. Der 61-jährige englische Teilzeit-Lehrer Edward Hugh lebt in Barcelona und pflegt seit Jahren diverse Blogs zum Thema Wirtschaft. In denen schreibt er lange makroökonomische Analysen und sagte schon lange eine fundamentale Krise des Euro voraus. Keiner hat ihm Beachtung geschenkt. Bis jetzt. Nun ist er ein gefragter Gesprächspartner beim Internationalen Währungsfond und hat eine treue Anhängerschaft unter Finanzexperten.

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Edward Hugh hat zwar an der London School of Economics studiert, aber nicht abgeschlossen. Seine Interessen waren, so scheint es, zu vielfältig, er war zu wenig konzentriert. "Im Mittelalter war exzessive Neugierde eine Sünde. Aber mit dem Internet kann ich jetzt tun, was ich will", sagte er der New York Times. Die Zeitung beschreibt ihn in einem großen Porträt als einen Mann, der von einer Teilzeitstelle als Englischlehrer lebt und sich das Geld für einen Anzug, den er bei einem Vortrag vor Finanzexperten hält, leihen muss.

Als ihm der Anlage-Betrüger Michael Milken 3.000 Dollar für einen Kurz-Report über die Wirtschaftslage in Osteuropa zahlen wollte, da hat er das Geld angenommen – aber nur um es einem Freund weiterzugeben, der damit Schulden begleichen konnte, sagte Hughes der New York Times. Eine Geschichte wie aus einem Hollywood-Film.

Hugh schreibt für eine ganze Reihe von Wirtschaftsblogs, u.a. "A Fistful of Euros", "Demography Matters" oder "Euro Watch". Sein eigenes Blog hat er "Bonobo Land" genannt, nach den Bonobo-Affen, den nächsten Verwandten des Menschen aus dem Tierreich. Hughs Haupt-These ist, dass die Demografie der Grund ist, warum der Euro nicht funktionieren kann. Kurz gesagt: Länder mit einer alternden Gesellschaft, die aufs Sparen fixiert sind (Deutschland) und Länder mit einer jungen Gesellschaft, die eher konsumiert und auf Kredit lebt (Irland, Griechenland), passen nicht unter einen Währungs-Hut.

Zwar nennt die New York Times auch einige Schwachpunkte seiner These – so hat er u.a. auch vorhergesagt, dass Deutschland die Euro-Zone verlassen wird, was zu einem drastischen Verfall des Euro führen würde. Kein realistisches Szenario. Die generelle Vorhersage der Krise ist in Hughs Artikeln aber offenbar sehr stichhaltig hergeleitet. Das Problem mit Vorhersagen: Leute wie Edward Hugh gelten als Spinner. So lange bis ihre unwahrscheinlich klingenden Voraussagen zutreffen. Danach werden die Spinner zu Propheten.

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