Linke: Ex-HR-Chefin soll Präsidentin werden

Die Linke setzt in ihrer Präsidentschafts-Nominierung nach dem für die Wahl 2009 vorgeschlagenen Schauspieler Peter Sodann wieder auf einen aufmerksamkeitsstarken Kandidaten: Die Partei nominierte die Journalistin Lukrezia "Luc" Jochimsen. Die 74-Jährige war von 1994 bis 2001 Fernseh-Chefin beim Hessischen Rundfunk. Weitere Stationen absolvierte sie unter anderem beim Hamburger Polit-Magazin "Panorama" sowie im Londoner ARD-Büro, das sie ebenfalls leitete. 2005 wurde sie in den Bundestag gewählt.

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Jochimsen wurde mehrfach für ihre publizistische Arbeit ausgezeichnet. Sie erhielt unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Alexander-Zinn-Preis, die Prix Italia, die Hedwig-Dohm-Urkunde sowie den Hessischen Verdienstorden. Seit ihrem Weggang beim HR befand sich die gebürtige Nürnbergerin im journalistischen Ruhestand, lehrte aber als Dozentin an der Universität Wien am Institut  für Medienwissenschaft und Journalismus. 2005 wurde sie über die Landesliste Thüringen in den Bundestag gewählt und zur kulturpolitischen Sprecherin der Linksfraktion ernannt.
Die Journalistin setzte sie sich in ihrem politischen Amt unter anderem für den 8. Mai als Nationalfeiertag und eine Verschiebung des Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses ein. Zudem engagierte sie sich gegen eine Verlängerung der Stasi-Überprüfung von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst. Im September 2009 sorgte sie für einen medienwirksamen Auftritt, als sie mit einem Schal mit der Aufschrift "Nun erst recht. Raus aus dem Krieg" zum Festakt der Einweihung des Ehrenmals der Bundeswehr erschien. Weil sie der Aufforderung, den Schal abzulegen, nicht folgte, wurde sie von der Polizei in Empfang genommen.
Fraktionsvorsitzender Gregor Gysi sagte, dass Jochimsen in jeder Hinsicht eine "höchst geeignete Frau" für das Amt einer Bundespräsidentin sei. "Aus ihrer Biografie ergibt sich ihr leidenschaftlicher Kampf gegen Krieg und für Freiheit und zwar auf der einen Seite für politische Freiheit, auf der anderen Seite aber auch für soziale Freiheit." Als ehemalige Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks habe sie vor allem gelernt, "dass man seinen eigenen Geschmack" zurückstellen müsse. "Sie musste lernen, Sendungen für alle Zuschauerinnen und Zuschauer zu machen und das heißt, sie ist geeignet, an alle Bürgerinnen und Bürger zu denken, während andere nur eine bestimmte Klientel-Politik kennen." So, wie sie den HR aufgebaut habe, werde sie auch das Amt ausüben, kündigte Gysi an.

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