„Flattr ist sympathischer als Paid Content“

Die tageszeitung hat mitunter als erstes Medium den Micropayment-Dienst Flattr in ihren Online-Auftritt integriert. Mit Beginn des neuen Monats ist die erste Abrechnung da: Die taz hat in den ersten zwölf Tagen 143,55 Euro erwirtschaftet. Chefredakteurin Ines Pohl zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Wir wollen damit ja keinen Gewinn erzielen, sondern guten Journalismus ermöglichen", sagt sie im MEEDIA Interview. Privat flattrt sie seit einer Woche. "Am liebsten bei Spreeblick."

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Was hat taz.de dazu bewegt, bei der Payment Plattform Flattr mitzumachen?
Wir haben das Konzept bei einem Kongress entdeckt. Gründer Peter Sunde scheint uns sehr vertrauenswürdig. Flattr gibt unsern Lesern die Möglichkeit, unsere Artikel monetär zu unterstützen, wenn sie denn wollen. Wir können damit eine Pay Wall umgehen. 2006 haben wir das im Grunde auch schon ausprobiert als wir neben den Online-Artikeln unsere Kontodaten angegeben haben.

Was erhoffen Sie sich durch Flattr?
Nur Positives. Uns ist es ein Anliegen, dass die Menschen unsere Artikel kostenlos lesen können. Mit Flattr wollen wir nur denjenigen, die dafür auch zahlen wollen und können, auch die Gelegenheit dazu geben. Wir wollen damit ja keinen Gewinn erzielen, sondern guten Journalismus ermöglichen.

Der erste Gewinn ist da. taz.de hat 143,55 Euro eingenommen. Was machen Sie mit dem Geld?
Unser Online-Auftritt wird noch quersubventioniert. Das Geld geht erstmal noch in einen großen Pott und wird unter allen taz-Aktivitäten aufgeteilt. Es gibt aber Bestrebungen in der Redaktion, dass wir die Einnahmen in Zukunft nur für Online verwenden.

Was sagt es für Sie aus, wenn ein Artikel – in diesem Fall ein kritischer Kommentar über Apples App-Store – am häufigsten geflattrt wurde?
Internetthemen werden besonders häufig geklickt, das liegt in der Natur des Webs. Im Internet spielen sie eine größere Rolle als im Print. Wir werden aber nun nicht verstärkt auf solche Themen setzen, nur weil sie auch häufiger geflattrt werden.

Die taz flattert auch selbst. 8,58 Euro haben Sie dafür ausgegeben. Flattrn sie auch privat?
Ja, auch ich flattre seit einer Woche. Heute bin ich aber noch nicht dazu gekommen. Beispielsweise flattre ich gerne bei Spreeblick.

Wie ist Ihre Prognose für den kommenden Monat?
Ich bin gespannt, welches Potenzial noch in dem System steckt und wie die Medien weiter damit umgehen. Es gibt immer mehr Medien, die Flattr nutzen. Ich kann nur sagen, dass es bei uns technisch ganz elegant abläuft und es sehr verlässlich ist.

Wenn Sie Geld für Ihre Online-Artikel haben wollen, warum führen Sie nicht Paid Content ein?
Uns ist es ein besonderes Anliegen, dass die Menschen unsere Artikel kostenlos lesen können, aber auch wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickeln wird. Gleichwohl ist uns Flattr sympathischer als Paid Content. Es passt einfach zu unserer Philosophie, dass möglichst viele Menschen unsere Beiträge ohne Hürde lesen können und nur die zahlen müssen, die das wollen und können.

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