DerWesten fährt jetzt doppelgleisig

Der Werbeslogan für die rennovierte Site DerWesten.de könnte lauten: BILD Dir Deine regionale Meinung. Unter der neuen Regie von Print-Chef Ulrich Reitz, der jetzt auch im Web das Sagen hat, setzt das Nachrichten-Portal vor allem auf regionale Themen und Boulevard. Eine Mischung, die nicht gerade dem Image, dafür aber den Klickzahlen hilft. Anstatt an dem vermeintlichen Zwiespalt zwischen Lokal und Überregional zu scheitern, präsentieren die Essener jedoch eine smarte Problem-Lösung.

Anzeige

Der Werbeslogan für die rennovierte Site DerWesten.de könnte lauten: BILD Dir Deine regionale Meinung. Unter der neuen Regie von Print-Chef Ulrich Reitz, der jetzt auch im Web das Sagen hat, setzt das Nachrichten-Portal vor allem auf regionale Themen und Boulevard. Eine Mischung, die nicht gerade dem Image, dafür aber den Klickzahlen hilft. Anstatt an dem vermeintlichen Zwiespalt zwischen Lokal und Überregional zu scheitern, präsentieren die Essener jedoch eine smarte Problem-Lösung.

So wird unterhalb einer Aufmacher-Box mit den fünf – vermeintlichen – Top-Stories nun die neue Webseite geteilt. Über der linken Hälfte steht "Unsere Region", und die rechte Seite gehört dem "Rest der Welt". Die Aufteilung funktioniert, auch wenn es auf den ersten Blick seltsam erscheint, dass eine international relevante Meldung über die Aschewolke oder die Gewalt in Thailand gleichberechtigt neben einer Story über die Flutung des Phoenix-Sees steht.

Laut Online-Editorial war eines der Ziele des Relaunches, dass sich "der User quasi mit einem Blick auf das obere Drittel der Seite einen schnellen Überblick über das Tagesgeschehen" verschaffen kann. Genau das funktioniert bei der aktuellen Themenauswahl nur bedingt. Denn auch bei den Meldungen gibt es eine klare Zweiteilung: Regional wird umfassend berichtet, Überregional jedoch dominieren die bunten Stories. Nach der WAZ-Logik gehören zu den globalen Top-Meldungen auch "Brüssel lässt Kaninchen leiden", "’Avatar‘ bekommt beste Besuchernote" und "Ronnie James Dio ist tot".

Zweites wichtiges neues Element ist die Aufmacherbox. Mit ihr "ist es möglich, vier bis fünf Themen gleich im oberen Bereich auszuspielen", heißt es im Editorial. "Vorteil: Der User braucht nicht mehr zu scrollen, um sich einen Überblick über die Eckpunkte der Nachrichtenlage zu verschaffen." Auch bei der Top-Story-Box, die nicht nur optisch stark an Bild.de erinnert, stehen gleichberechtigt neben den großen politischen Themen, wie Euro-Krise und Steuerdiskussion. Es gibt aber auch Meldungen wie "Europas Bauern suchen Frauen" und "Godoj singt bei Klitschko-Kampf auf Schalke".

Spätestens mit dem Umbau verabschiedet sich die WAZ von der ambitionierten Grundidee unter der DerWesten.de mit seiner Chefredakteurin Katharina Borchert mal gestartet war. Die Webseite (7,1 Millionen Visits) hat es nie geschafft, vielleicht weil sie durch Blogs, zuviel Bewegtbild und einer komplizierten Technik zu leiden hatte, in die Traffic-Regionen von regionalen Konkurrenz-Angeboten wie RP-Online (10 Millionen Visits) heranzukommen.

Beim Selbstverständnis der WAZ ist es jedoch eine kaum hinzunehmende Schlappe, wenn man so weit hinter den Düsseldorfer Rivalen bleibt. Ein gutes Beispiel für die Eigenwahrnehmung der Essener ist der Satz mit dem sie ihr Webportal in einer Pressemitteilung umschreiben. Dort ist von dem "bundesweit größten regionalen Nachrichtenportal" die Rede. Damit meint die Mitteilung allerdings nicht die Visits, sondern das räumliche Verbreitungsgebiet von rund 140 Städten, die die Seite abdeckt.

Mit dem Relaunch haben sich Reitz und sein Team offenbar ernsthaft entschieden, den Kampf um die Traffic-Marktführerschaft bei den Regional-Portalen aufzunehmen. Einziger Weg dies zu schaffen ist eine Seiten-Ausrichtung, die konsequent auf den zwei Säulen Lokal und Boulevard basiert. Für genau diesen Mix scheint das renovierte Portal DerWesten.de zu stehen. Die Reichweiten-Aufholjagd könnte so gelingen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige