Die Bunte-Chefin und das Fettnapf-Problem

Gerade endete das Presseratsverfahren in Sachen Spitzel-Affäre für Patricia Riekel glimpflich, schon droht der Bunte-Chefredakteurin neuer Ärger. Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet am Montag von einem "Fall von journalistisch fragwürdiger Nähe" bei der Münchner People-Zeitschrift. Es geht um eine medizinische Fett-weg-Behandlung, die in der Bunten in höchsten Tönen gelobt wird. Problem: die Verfasserin ist Co-Autorin einer "Art Biographie" (Spiegel) des behandelnden Arztes.

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Margit Rüdiger, so der Name der Journalistin, ist Anfang 2010 Beauty-Verantwortliche von Instyle, einem Burda-Magazin, das ebenfalls von Patricia Riekel geführt wird. Der Spiegel verweist auf einen Vergleichstest, den die Bunte in der vorvergangenen Woche sogar auf dem Cover ankündigte: "Neueste Technik gegen Fett und Falten." Im Innenteil schildert Rüdiger aus eigener Sicht eine Behandlungsmethode von Dr. Gerhard Sattler, Mediziner in einer Darmstädter Klinik: "Pölsterchen wegfrieren mit Kryo-Lipolyse." Die Journalistin schwärmt: "Tasächlich, nach sechs weiteren Wochen kann ich fast zusehen, wie das Fett schmilzt. Nach weiteren drei Wochen sind meine Hüftrundungen endlich so, wie ich es mir immer erträumt habe."
Gegenüber dem Spiegel erklärte Patricia Riekel, ihr sei bekannt, dass die Verfasserin mit dem Schönheitschirurgen zusammengearbeitet habe. Und – Achtung Fettnäpfchen! – weiter: "Das stört mich gar nicht. Sonst hätten wir vielleicht nie von dieser Methode erfahren." Nach einem klaren Dementi zum Thema Schleichwerbung klingt das nicht gerade. Und man erinnert sich: Schon beim Krisen-Management der Beschattungs-Affäre Müntefering & Co. machte Patricia Riekel einen wenig souveränen Eindruck.
Man fragt sich, ob nicht zur Wahrung der journalistischen Hygiene zumindest ein Hinweis auf die Nähe der Autorin zu dem Arzt erforderlich gewesen wäre. Dies gilt schon aus dem Grund, dass es schwierig ist, zu Schönheitsbehandlungen und Fett-weg-Chirurgie unabhängige Informationen zu finden. So sind die Absender der meisten Texte, die z.B. per Google-Suche zu ermittelt werden, diejenigen, die mit der jeweiligen Methode ein Geschäft machen.
Verbraucherzentralen beurteilen das boomende Business mit Körperkorrekturen generell skeptisch. Vielen seien die Nebenwirkungen und Risiken – wie schlaffe Haut – nicht bewusst, bei anderen habe die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen psychologische Ursachen, die mit einer Shönheitsoperation nicht ausgeräumt werden. Vor diesem Hintergrund stimmt auch ein Blick auf die Homepage der Autorin Margit Rüdiger bedenklich, die u.a. "Gestaltung von PR- und Anzeigentexten für Agenturen, Industrie und Verlage" anbietet wie interessanter Weise auch "Medien-Coaching für Ärzte aus dem Bereich Ästhetik".
Im Blog BooCompany wird zudem darauf verwiesen, dass die acht verschiedenen in der Bunten im Selbstversuch getesteten "Schönheitstechniken" allesamt "bejubelt werden, darunter eine "fragwürdige Fettpolster-Entfernung mittels Ultraschall" sowie eine Fett-weg-Spritze und damit ein "äußerst umstrittenes Pharmaprodukt". Fazit des Blogs: "Die Berichte lassen jegliche journalistische Distanz vermissen."

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