Zeit gibt im Streit mit freien Autoren nach

Protest lohnt sich manchmal doch: Weil die Zeit freien Journalisten per Buy-Out-Vertrag viele Urheber- und Verwertungsrechte abknöpfen wollte, brachte deren Verband Freischreiber mehr als 50 von ihnen dazu, in einer konzertierten Aktion den Aufstand zu proben. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo kündigte jetzt Änderungen zugunsten seiner Dienstleister an. Damit zeichnet sich ein weiterer Erfolg der Freien-Lobby ab: Zuvor hatten sich hunderte Mitarbeiter des NDR gegen den Sender durchgesetzt.

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Ende April mahnten die Freischreiber per Rundschreiben und auf ihrer Webseite: "Es ist ZEIT, zu widersprechen!" Aufgebracht hat sie ein neuer Autorenvertrag, den die Zeitung an ihre freien Mitarbeiter verteilte. Die Freischreiber störten sich an den "weit reichenden Rechteübertragungen“, die der Verlag mit den Kontrakten durchsetzen wollte – und sorgte für einen koordinierten Protest: Betroffene Autoren erklären per Schreiben an die Zeit-Chefredaktion, sie sähen sich "außerstande, zu den geforderten Konditionen weiterhin eine Qualität zu liefern, die Ihren, unseren und den Qualitätsansprüchen der Leser genügt". Sie forderten einen "fairen Rahmenvertrag, der beiden Seiten gerecht wird".

Die Freischreiber-Aktivisten hielten Zeit-Chef di Lorenzo sogar dessen eigene Worte vor. Der hatte kurz zuvor im Interview mit dem „medium magazin“ (04/2010), angesprochen auf die „mickrige“ Honorierung seiner Zuarbeiter, gepredigt: "Ökonomische Grundsicherheit ist auch im Sinne von Qualitätsjournalismus." Dies stehe im Widerspruch mit dem, was sein Verlag nun fordere, meinten die Freischreiber, nämlich "möglichst wenig bezahlen, möglichst alles dafür bekommen".

Eine öffentlichkeitswirksame Kritik, die sich di Lorenzo offensichtlich zu Herzen nahm. Am 18. Mai schrieb er Freischreiber-Vorstand Kai Schächtele unter anderem: "Die Kritik aus Ihren Reihen, aber auch manches Gespräch bei uns im Hause, hat uns veranlasst, die Rahmenbedingungen noch einmal zu überprüfen." Sein Haus werde die Verträge in den nächsten Wochen "überarbeiten und in mehreren Punkten ändern" und zwar so, "dass diese Ihren Bedenken und Ihren Einwänden Rechnung trägt". Die Freischreiber werteten dies als positives Zeichen, wollten aber die Änderungen vor einem Jubelstoß abwarten. Die Freischreiber dokumentierten ihren Briefwechsel mit der Zeit auf freischreiber.de.

Vor nicht einmal zwei Jahren knickte der NDR im Ringen mit seinen freien Mitarbeitern ein. Bis dahin wurden "freie programmgestaltende Mitarbeiter” (ARD-Jargon für Journalisten) laut NDR-Dienstanweisung nach maximal 15, oft aber schon nach acht Jahren "gesperrt": Sie durften bis zu 13 Monate nicht mehr für den Sender arbeiten und anschließend nur für einen einem Taschengeld gleichenden Höchstsatz. Einziges Ziel: Die Freien sollten keine Gelegenheit bekommen, sich eine feste Stelle einklagen zu können. Nach teils heftigem Widerstand seiner freien Mitarbeiter, die unter anderem geschlossen die Arbeit niederlegten und so den Sendebetrieb störten, teilte Intendant Lutz Marmor indes mit: Künftig müsse keiner mehr fürchten, dass sein Sender ein Arbeitsverbot über ihn verhänge, nur weil er zu lange an Bord sei. Erst dieses Frühjahr hat zudem auf juristischen Druck des Deutschen Journalisten-Verbandes hin die "Berliner Zeitung" ihre sogenannten Buy-Out-Verträge für freie Mitarbeiter deutlich entschärft.

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