Facebook: mehr Kontrolle für Mitglieder

Die Ankündigungen klingen wie ein reumütiger Richtungswechsel: Endlich mehr Kontrolle gewinnen über die Fülle an geteilten Daten und Informationen – das erklärte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gestern in einer Pressekonferenz. Vor allem einfacher soll die Verwaltung der viel kritisierten Privatsphäre-Einstellungen werden, verkündete das Social Network. Der Schritt war nach den zuletzt immer größeren Protesten überfällig. Es bleibt die Frage, warum er erst jetzt kommt. Facebook hat weltweit mehr als 400 Mio. Mitglieder.

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"Heute werden wir nach und nach Änderungen in Kraft treten lassen, die unsere Kontrollmöglichkeiten übersichtlicher und einfacher machen werden", erklärte Gründer Mark Zuckerberg gestern in einer Pressekonferenz in San Francisco.
Der Gegenwind war zuvor immer schärfer geworden: Facebook-Gruppen, in denen sich Nutzer zum Massenaustritt am 31. Mai verabredeten. Chats von Facebook-Nutzern, die für andere Mitglieder sichtbar wurden. Freundschaftsvorschläge unter falschem Namen. Verbraucherschutzorganisationen und Politiker, die das weltgrößte Social Network immer massiver für seinen Datenschutz kritisierten. Und eine Presseberichterstattung, die zu kippen drohte – genug Gründe für eine Generalüberholung der längst viel zitierten Privatsphäre-Einstellungen gibt es alle mal.

Facebooks Dilemma: Schon zu oft Besserung gelobt

Hier fängt das Problem an. Zu oft hat der erst 26-Jährige Facebook-Gründer erklärt, es werde einfacher, Daten zu teilen und zu schützen – und das Gegenteil trat ein. Zuletzt geschehen Ende vergangenen Jahres, als plötzlich Fanpages eines Profils öffentlich, die eigenen Freunde für andere Freunde sichtbar wurden und immer mehr Aktivitäten in der Timeline einflossen, die nicht geschützt werden konnten – Bilder, die einem gefielen oder Foto-Kommentare etwa.

Dann waren da die Grauzone der an Dritte weitergegebenen Daten: Wer eine der unzähligen Applikationen installierte, gewährte dem Anbieter Zugriff auf sein Facebook-Profil und die dort veröffentlichten Inhalte – eine Riesen-Sache in einem auf Datenschutz fixierten Land wie etwa der Bundesrepublik.    

Neue Unterteilungen: Inhalte für Freunde, Freunde der Freunde oder jedermann

Nun also soll alles besser werden, wieder einmal. Bei Mark Zuckerberg klingt das so: "Mit ein paar Klicks lässt sich der Inhalt für jedermann, Freunde der Freunde oder nur für die Freunde veröffentlichen."  Das ist die wohl wichtigste Änderung:  Die Erlaubnis, wem welche Inhalte zur Verfügung gestellt werden, soll künftig in diesen drei Nutzergruppen vereinfacht werden – auch rückwirkend. Eine verfeinerte nutzerspezifische Selektion gibt es weiterhin.  

Weiter erklärte Zuckerberg: "Jetzt werden wir dem Nutzer die Kontrollmöglichkeit geben, wer die eigenen Freunde und Seiten sehen kann. Diese Felder müssen nicht länger öffentlich sein." Jetzt? Ein halbes Jahr nach der Umstellung macht Facebook damit eine lupenreine Rolle rückwärts – und nimmt zurück, was stillschweigend Ende 2009 eingeführt worden: Die Anzeige der Freunde und "Gefällt"-Seiten.

Das ist ein ziemliches Eingeständnis, dass das Social Network bei seinen letzten Änderungen über das Ziel hinausgeschossen ist. Bei der Profilsuche auf Facebook sollen künftig zudem nur noch Name, Profil und – sofern – vorhanden, das Profilfoto angezeigt werden.    

Datenweitergabe an Drittanbieter beschnitten

Auch die Datenweiterangabe an Dritte wird nun unterbunden. "Viele Nutzer mögen Applikationen und Spiele, aber für diejenigen, die sie nicht nutzen, haben wir einen einfachen Weg geschaffen, mit dem diese Möglichkeit komplett ausgeschaltet werden kann", erklärte Zuckerberg. In anderen Worte: Drittanbieter müssen zusätzliche Erlaubnis für Informationen einfordern, die nicht "für alle" zugänglich sein sollen.

Auch das beliebte "Gefällt mir"-Feature soll künftig weniger öffentlich sein. Dass einem eine bestimmte Seite gefällt, muss nicht mehr automatisch für andere Nutzer bekannt werden. Wie effektiv die Änderung in der Praxis greifen, wird mit Spannung zu beobachten sein. Die neuen Privatsphäre-Einstellungen sollen ab heute Schritt für Schritt eingeführt werden.

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