Bild sucht jetzt die Hobby-Gerichtsreporter

Erst Leser-Reporter, dann Video-Reporter und jetzt die Hobby-Gerichtsreporter: Bild zündet im User generated Content-Experiment eine neue Stufe. Per Anzeige sucht das Boulevardblatt für die Hauptstadt willige Protokollanten des Prozessgeschehens. Flinke Finger sind dabei gefragter als einschlägige Kenntnisse. Motto: Juristisches Fachwissen sei "hilfreich, aber nicht zwingend notwendig". Wer den Bild-Job auf der Zuhörerbank ergattern will, muss sich bei der Redaktion schriftlich bewerben.

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Auf dreispaltigen Anzeigen in der Berliner Ausgabe sowie in Springers Abo-Zeitung Berliner Morgenpost heißt es am Mittwoch: "Interessieren Sie sich für das Presserecht? Fasziniert Sie das Geschehen im Gerichtssaal? Sind Sie zeitlich flexibel? Dann sind Sie bei uns richtig." Urteilsvermögen wird ausdrücklich nicht erwartet, lediglich eine unerlässliche Qualifikation sollen Aspiranten mitbringen: "Stenografie oder das Beherrschen anderer Protokolltechniken ist ein Muss."
Das Wort "Hobby" im Zusammenhang mit der Tätigkeit deutet an, dass mit der Job niemanden reich machen wird, zumindest nicht die Leser-Reporter. Wie zu hören ist, sollen die Freiwilligen eine Art Aufwandsentschädigung erhalten. Ob dabei generell angelieferte Texte bezahlt werden oder ob eine Honorierung nur im Fall des Abdrucks erfolgt, ist ebenfalls nicht bekannt. Diesen für viele nicht ganz unerheblichen Punkt spart der aufmunternde Anzeigentext ("Haben Sie Lust, der Justiz auf die Finger zu schauen? Dann melden Sie sich!") komplett aus.

Bild knüpft damit an die sehr erfolgreiche Leser-Reporter-Aktion an und hofft offenbar auf eine Vielzahl von Anregungen für Gerichtsreportagen und -meldungen, die aufgrund der Fülle der Verfahren von einer Profi-Redaktion bei weitem nicht abgedeckt werden können.

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