Viva Comet – der Fast-Food-Preis

Der Comet-Preis des Musiksenders Viva ist eine besonders grelle Erscheinung. Der rote Teppich ist hier pink und statt echter Stars gibt sich Trash-TV-Personal die Klinke in die Hand. Dokusoap-Darsteller wie Daniela Katzenberger und Giovanni Zarella waren bei der Ausgabe 2010 ebenso vertreten wie die Kreisch-Routiniers von Tokio Hotel, die aktuelle Teenie-Sternschnuppe Justin Bieber und massig Casting-Personal zum Auffüllen. Von Monrose über Queensberry bis hin zu Mark Medlock und Daniel Schuhmacher.

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Der Comet-Preis des Musiksenders Viva ist eine besonders grelle Erscheinung. Der rote Teppich ist hier pink und statt echter Stars gibt sich Trash-TV-Personal die Klinke in die Hand. Dokusoap-Darsteller wie Daniela Katzenberger und Giovanni Zarella waren bei der Ausgabe 2010 ebenso vertreten wie die Kreisch-Routiniers von Tokio Hotel, die aktuelle Teenie-Sternschnuppe Justin Bieber und massig Casting-Personal zum Auffüllen. Von Monrose über Queensberry bis hin zu Mark Medlock und Daniel Schuhmacher.

Natürlich erwartet man nicht, dass in der Wirklichkeit alles so ist wie im Fernsehen. Wenn man aber ausnahmsweise bei einer dieser Preisverleihungen, die man sonst aus sicherer Distanz vom heimischen Sofa aus beäugt, vor Ort ist, dann kann man kaum glauben, dass es sich um ein und dasselbe Event handelt. Es ist wahrscheinlich normal, dass die echte Veranstaltung wirkt wie Falschgeld und das, was man im Fernsehen sieht, ausschaut wie das echte Ding. So war es jedenfalls bei der Verleihung des Viva Comet am vergangenen Freitag.

Vor 15 Jahren wurde der Comet gegründet als deutscher Abklatsch der MTV Awards. Damals, als Musikfernsehen noch nicht von YouTube platt gemacht war und Heike Makatsch noch moderierte. Mit den Jahren sanken nicht nur Quoten und Erträge beim Musik-TV, sondern auch Niveau und Bedeutung. Nimmt man das Personal bei der aktuellen Comet-Verleihung zum Maßstab, dann ist Musikfernsehen mittlerweile zum Begleitrauschen für die endlosen Casting- und Dokusoap-Formate, mit denen Privatsender große Teile ihrer Programmstrecken füllen, verkommen.

Die dargebotenen Auftritte von Gruppen wie Ich + Ich, Die Atzen ("Hey, was geht ab?"), Mehrzad Marashi oder dem vor hochfrequentem Kreischen nicht zu verstehenden Justin Bieber gerieten so lau wie die Häppchen im VIP-Bereich der Köpi-Arena in Oberhausen. Ausgerechnet die Techno-Opis von Scooter sorgten mit ihrem Uralt-Hit "Hyper Hyper" unter Einsatz von reichlich Pyrotechnik für den einzigen Knalleffekt des Abends. Die kalte Atmosphäre im Rund des Betonklotzes Köpi-Arena übertrug sich dabei erstaunlicherweise nicht auf die Fernsehschirme. Vom Sofa aus betrachtet, wirkte alles wie immer. Es glitzerte und blitzte. Der Ton war besser und Moderatorin Collien Fernandes hatte auch nicht dieses Helium-Stimmchen wie in der Halle.

Natürlich gewannen in jeder Kategorie zufällig immer nur jene "Künstler", die auch anwesend waren. Sogar bei der Publikumswahl zum besten "Durchstarter" durfte der Vorjahressieger von "DSDS", Daniel Schuhmacher, sich einen Preis abholen, obwohl keiner der Nominierten weniger zur Kategorie "Durchstarter" passte. Aber er war halt nun mal da. Daniel Schuhmacher wirkte dabei so gequält, als sei ihm diese mutmaßlich vertraglich auferlegte Pflicht der Preis-Entgegennahme eine echte Seelen-Last. Wer nicht da war, war Lena Meyer-Landrut, die sich dafür von Oliver Pocher in Lena-Kostümierung veräppeln lassen durfte. Danach ging es für die so genannten "VIPs" in voll gerammelten ÖPNV-Bussen ab zur Aftershow-Party in eine Oberhausener Disco. Das Catering dort kam stilecht von McDonald’s. Fast-Food-Verpflegung für ein Fast-Food-Event.
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