Mutiert Apple zum neuen Microsoft?

Wächst ein Unternehmen, wächst auch die Zahl derer, die eine Company am Wachstum hindern wollen. Dringt ein Konzern in immer mehr Märkte ein und fährt gleichzeitig eine restriktive Geschäftspolitik, stehen schnell die Wettbewerbsbehörden vor der Tür. Bill Gates, aber auch Google, können davon ein Lied singen. Vier Jahre prozessierte man damals gegen Microsoft. Auch die Suchmaschine hat immer mehr Behörden-Ärger. Nun stehen Apple Untersuchungen ins Haus. Der Konzern ist zu schnell zu mächtig geworden.

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Steve Jobs hasst Flash. So viel steht fest. Seit der Vorstellung des iPads in Januar dieses Jahres machte der Apple-Boss mehr als einmal deutlich, dass die Software niemals auf einem iPhone, iPod oder iPad laufen wird. "Zu buggy, zu unsicher" sei Flash, der neue Standard HTML5 sei weiterhin auf dem Vormarsch. Einem Veteranen des Silicon Valley mag man so viel Exzentrik gönnen und die medial ausgetragene Fehde mit Adobe, der Firma hinter der Flash-Technologie, als gelungenes Entertainment abtun.

Apple-Aktie fiel um drei Prozent
Doch spätestens jetzt hat sich der Zwist zwischen zwei IT-Größen auf juristische Felder erweitert. Nach Beschwerden von konkurrierenden Unternehmen prüfen die US-Wettbewerbsbehörden offenbar Ermittlungen gegen den Computer- und Handyhersteller. Vertreter des Justizministeriums in Washington und der Telekomaufsicht FTC hätten Gespräche darüber geführt, ob und wenn ja welche der beiden mit der Marktaufsicht betrauten Behörden eine Prüfung einleiten könne, berichteten die "New York Post" und der Wirtschaftsdienst Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf informierte Kreise. Weder das Unternehmen noch die Behörden wollten demnach eine Stellungnahme abgeben.

Noch ist nichts entschieden, die Ermittlungen müssen nicht in einer Klage münden. Immerhin muss erst einmal festgestellt werden, inwiefern Apple eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. An der Computerbörse Nasdaq stürzte die Apple-Aktie nach den schlechten News um rund drei Prozent ab. Auslöser der behördenübergreifenden Gespräche war angeblich eine Anzeige durch den Software-Konzern Adobe.

Parallelen zu Microsoft
Der Grund für das energische Vorgehen der Flash-Entwickler: In seinen Lizenzbedingungen für das kommende Betriebssystem iPhone OS 4 verbietet Apple ausdrücklich die Entwicklung von Apps durch Drittanbieter-Software. Das klingt nun erst einmal trivial. Doch die Folgen sind unter anderem für die Enwicklerszene und das Unternehmen Adobe immens. Da Programmierer enorm viel Zeit benötigen würden, um Ihre App für jede Handyplattform in jeder nur erdenkliche Programmiersprache zu schreiben, griff die Branche vor allem auf Adobes "Packager for iPhone" zurück – ein Tool, dass die Portierung unterschiedlicher Programmiersprachen in die Apple-native übersetzt. Dem schob Apple mit seinen geänderten Lizenzbedingungen einen Riemen vor. Nur verständlich, dass sich vermutlich sehr viel weniger Entwickler für das gerade erschienene und extrem hochpreisige Softwarepaket "Creative Suite 5" von Adobe entscheiden werden.

Das weckt Erinnerungen an Microsoft. Je größer ein Unternehmen wird und je schneller es wächst und in unterschiedlichste Märkte eindringt, desto größer scheinen die Bemühungen, das Unternehmen im Wachstum zu bremsen. Das Kartellrechtsverfahren gegen Microsoft um die Monopolstellung durch seinen Browser Internet Explorer dauerte rund vier Jahre an. Erst 2002 kam es zu einem außergerichtlichen Vergleich. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein iPod, kein iPhone und kein iPad. Apple war nicht der große Player am Markt, der in Rekordzeit eine Million Geräte verkauft. Mittlerweile ist Apple ein Big Player, die Aktie auf einem Allzeithoch und die Kassen mit ordentliche Kapital gefüllt. Zeiten ändern sich. Und so auch die Spielregeln. Dieses Mal scheint Apple mit seiner sehr restriktiven Geschäftspolitik das Aufsehen der Behörden erregt zu haben.

Die aus den Beschwerden resultierenden Kartellklagen haben Microsoft inzwischen unter anderem dazu gezwungen, Käufern seines Betriebssystems Windows die Möglichkeit anzubieten, einen anderen als den konzerneigenen Browser Internet Explorer bei der Erstinstallation einzurichten. Bleibt die Frage, ob sich ein Steve Jobs auch nur von irgendjemand vorschreiben lässt, was mit seiner iFamilie passiert. Der US-Technikblog Gizmodo kommentierte das folgendermaßen:

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