Michael Arringtons Ex-Crunchpad: Pannenserie ums Riesen-Tablet JooJoo

Es sollte der große Wurf des Michael Arrington werden: das Crunchpad. Doch Ende letzten Jahres verwarf sich der Blogger mit seinen Partnern, die das Tablet fortan unter dem Namen JooJoo vorantrieben. Nach endlosen Schuldzuweisen, Verspätungen und Lieferschwierigkeiten ist das Riesen-Tablet auch in Deutschland erhältlich. Doch die Pechsträhne reißt nicht ab: Die Tests enttäuschen und durch eine PR-Panne soll herausgekommen sein, dass weltweit bisher nur 64 Personen das Gerät gekauft haben.

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Es sollte "der" große Wurf des Michael Arrington werden: das Crunchpad. Sein Blog Techcrunch gehört zu den meistgelesenen weltweit, gilt als seriöse Quelle. Doch das Tablet sollte ihn unsterblich machen. Im vergangenen Herbst schien noch alles nach Plan zu laufen, doch im November letzten Jahres stieg der Kooperationspartner Fusion Garage urplötzlich aus dem Projekt aus – mit der Ansage, das Tablet auf eigenem Wege auf den Markt zu bringen. Die Begründung von CEO Chandra Rathakrishnan: Die Teilhaber seien der Meinung, dass es das Beste sei, das Projekt ohne Arrington zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Das Problem: Keine der beiden Parteien hatte sich zuvor die Idee am Tabletrechtlich gesichert. Beide Seiten schoben sich nun gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe. Arrington hat daraufhin rechtliche Schritte eingeleitet.

Kindername und Kinderkrankheiten
Nun ist das in JooJoo umgetaufte Tablet –  nach wochenlangen Verzögerungen – in den USA erhältlich. Nicht beim Elektronikhändler, sondern direkt beim Hersteller Fusion Garage. Ursprünglich war eine Marge von 1000 Geräten mit Verkaufsstart im Dezember geplant. Damit hätte man weit vor dem iPad ein Tablet auf den Markt gebracht. Immerhin ist das JooJooseit gestern auch in Deutschland erhältlich. Für 359 Euro.

Dafür bekomt der User einen 12-Zoll (!) großen Multitouch-Screen mit 1.366 x 768 Pixeln, einen Intel Atom-Chip mit 1,6 GHz, 1 GB Arbeitsspeicher, eine integrierte Webcam und Flash-Unterstützung. Das System basiert auf der Open Source Plattform Linux. Eigentlich also ein vielversprechendes Gerät. Wenn da nicht die Kinderkrankheiten wären. Der ausführliche Test vom US-Blog Engadget fiel in der Tat nicht gut aus für das Riesen-Tablet.

Die Akkuleistung lässt mit maximal 2,5 Stunden zu wünschen übrig, Internetadressen ließen sich nicht von Hand eintippen, sondern lediglich über Shortcuts in einem Browser starten, die Sensoren für die Displaybeleuchtung seien dummerweise in der Nähe der Hand untergebracht. Zumindest verspricht der Hersteller schnelle Updates.

Das Tablet, das keiner will
Mit seinen 1,1 Kilo Lebendgewicht dürfte das JooJoo allerdings auch nicht in direkter Konkurrenz zum iPad stehen, sondern sich ausschließlich für die heimische Couch eignen. Designtechnisch steht das Tablet seinen Konkurrenten tatsächlich in nichts nach. Vorder- und Rückseite wirken wie aus einem Guss –  reduziert und trotzdem auffallend elegant.

Auf eine Installation anderer Programme oder ein Dateisystem für den Nutzer wurde schlicht verzichtet. Gesurft wird über UMTS, GPRS und WLAN. Allerdings findet man weitere Anschlüsse wie einen Kopfhöreranschluss und einen USB-Port. Zum Speichern von Daten steht eine interne 4GB SSD Festplatte bereit.

Ein Drama in vier Akten
Allerdings scheint sich mittlerweile kaum jemand für den ehemals großen Wurf zu interessieren. Die Vorbestellungen lagen laut Branchendienst ZDnet in den USA bei 90 Geräten. Und angeblich verfüge, so der US-Blog Gizmodo, das JooJoo über einen noch kleineren Käuferkreis. Der Hersteller hatte eine Rundmail an alle Kunden zwecks Feedback geschrieben. Allerdings verschickte man sie nicht anonym, sondern setzte alle User in CC. In dieser Mailing-Liste standen nur 64 Empfänger.

Ob diese 64 wirklich die versammelte Käuferschaft repräsentieren, ist fraglich. Falls dem so ist, kann Arrington allerdings froh sein, dass das Tragödien-Tablet nicht mehr namentlich mit ihm verwandt ist. Denn mit dem jähen Zerwürfnis der Entwickler, dem dadurch entstandenen Zeitvorteil für Apples iPad, der allenfalls mittelmäßigen Perfomance und einer peinlichen PR-Panne ist das JooJoo schon jetzt ein wirtschaftliches Drama in vier Akten.

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