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WDR-Rundfunkrat verurteilt Salben-Sendung

Die Untersuchung der skandalösen WDR-Dokumentation "Heilung unerwünscht" hat über die Suspendierung von Autor Klaus Martens hinaus noch ein Nachspiel: Aus Erklärungen der Rundfunkratsvorsitzenden Ruth Hieronymi geht hervor, dass die am Mittwoch angenommene Programmbeschwerde gegen die Sendung nur gegen Widerstände überhaupt verfolgt wurde. Hieronymi fordert nun, das Gebot der journalistischen Fairness im WDR-Gesetz zu präzisieren: "Derzeit existiert eine sehr hohe Hürde für Programmbeschwerden", erklärte sie.

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Zur Vorgeschichte: Im Oktober 2009 hatte WDR-Autor Martens in seinem Film eine Neurodermitis-Salbe vorgestellt, die angeblich aus Profitgier von Pharmakonzernen boykottiert werde. Kurz danach erschien ein Buch von Martens zum selben Thema, und es wurde bekannt, dass das Präparat kurz vor der Markteinführung stand. Trotz anschwellender Kritik an der journalistischen Seriosität des Films erhielt Martens zwei Tage später in Talkshow "Hart aber fair" ein weiteres großes Forum.

Schon in der vergangenen Woche stellte der WDR seinen Redakteur vom Dienst frei und leitete arbeitsrechtliche Schritte ein; Intendantin Monika Piel zeigte sich "tief enttäuscht über den Vertrauensbruch". Erst am Mittwoch gab dann der Programmrat des WDR der Programmbeschwerde gegen die Sendung statt; wie die FAZ herausarbeitet, ein höchst seltenes Vorkommnis: Zwischen 2003 und 2009 hatte der Rundfunkrat alle 14 geprüften Beschwerden zurückgewiesen. Auch im Fall Martens hatte der zuerst zuständige Programmausschuss die Abweisung der Beschwerde empfohlen. Nach Darstellung der FAZ ging es erst weiter, nachdem "Hieronymi den Druck auf die Intendanz erhöht" habe.

Eine zweite Programmbeschwerde, nämlich gegen Frank Plasbergs "Hart aber fair", wurde tatsächlich abgewiesen: Hier übte der Rundfunkrat nach einem Bericht der SZ zwar ebenfalls Kritik und sprach von "unzureichender journalistischer Sorgfalt", beließ es aber dabei. Über die Aussage von Intendantin Piel, dass "unsere Prüfmechanismen und die Gremienkontrolle funktionieren", wird nun womöglich noch diskutiert werden.

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