Print-Party: SZ-Magazin feiert sich selbst

Herzlichen Glückwunsch: Das SZ-Magazin feiert den 20. Geburtstag. Zum Jubiläum pickte sich Chefredakteur Dominik Wichmann die besten Geschichten der letzten zwei Jahrzehnte raus und übertrug sie auf die heutige Zeit. Wie geht es den krebserkrankten Menschen heute, die sich 2008 für das Cover fotografieren ließen? Was ist aus der Prophezeiung der Redaktion über New York geworden? Unterhaltsam dokumentiert die Beilage den Zeitverlauf der einzelnen Stories und vergisst auch nicht ihren größten "Kummer".

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"Arbeit ist das eigentlich alles nicht. Eher ein Spiel", so beschreibt Chefredakteur Wichmann im Editorial die Arbeitsweise seiner Redaktion, die zwar auch "anstrengend", aber "fast immer traumhaft schön" sei. Der 39-Jährige lädt  die Leser auf den "Spielplatz" der Neunziger und Nullerjahre ein, der auf den folgenden 78 Seiten abwechslungsreich und ohne chronologische Abfolge illustriert ist. Insgesamt sind in den vergangenen zwanzig Jahren 1046 Ausgaben des SZ-Magazins entstanden. Die Beilage sei "herrlich unvollständig", würde Texte vernachlässigen, ignorieren und auch in ihrer Form übertreiben, gibt Wichmann den Lesern mit auf dem Weg.

Den ersten Blick wirft das Heft auf die Familien Sikovas und Porwols. 1991 waren die beiden Sippen gemeinsam in den Urlaub gefahren. Das SZ-Magazin passte die achtköpfige Reisegesellschaft damals am Flughafen nach ihrer Ankunft ab und fragte, wie Ihnen ihre Ferien gefallen hatten. Ein Foto dokumentierte das Treffen. Jetzt fragten die Magazinmacher wieder nach, wie oft die Familien seit 1991 gemeinsam in den Urlaub gefahren sind. "Mindestens sieben Mal", ist die Antwort von Mutter Porwol. Zum Vergleich gibt es ein aktuelles Foto der beiden Familien.
Beeindruckend ist die Geschichte hinter dem Titelfoto einer Ausgabe aus dem Jahr 2008. Damals wurden 57 Menschen abgelichtet, die eins gemeinsam hatten: Krebs. Für die Jubiläumsausgabe fragte das SZ-Magazin nach, wie es den Modellen von damals heute geht. 42 Menschen haben sie erreicht, den meisten geht es gut, nur bei wenigen dominiert die Krankheit auch heute noch den Alltag. Zwei der Protagonisten wurden jedoch von der Krankheit besiegt. Ihnen widmet die Redaktion das Andenken.
Auf Seite 20 zeigt einen Vergleich zweier Redakteure. Rainer Stephan kaufte 1993 ein paar Schuhe für 199 DM, Pflegemittel 13,60 DM und hölzerne Schuhspanner für 17,95 DM. Stephan schreib damals, dass seiner Familie 8507 Mark brutto nicht reichen und er damals ausgelacht worden sei. Siebzehn Jahre später kostet das gleiche paar Schuhe 229,90 Euro, die Pflegemittel 12,50 Euro und die Schuhspanner 35 Euro. Christoph Schmidt stellt in seinem Artikel fest: "Die Gehälter sind kaum gestiegen, im Gegensatz zu den Kosten".
 
Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat das Magazin Prominente um die Aufstellung ihrer Traum-Elf in schwarz-rot-gold gebeten und die Skizzen abgedruckt. 1996 bat das Magazin schon einmal Walter Jens und Johannes Rau um ihre Tipps für die Top-Mannschaft – damals aber noch zur EM in England. Das Besondere: Für 2010 wünschen sich Ulrike Folkerts, Olli Dittrich und Ulla Hahn Kevin Kuranyi im Sturm, der aber von Bundestrainer Jogi Löw nicht nominiert wurde.
Das Magazin vergisst in seiner Retrospektive auch nicht seinen größten "Kummer". 1996 erfand der Journalist Tom Kummer Interviews mit Prominenten und brachte sie in dem Heft unter. Für die Jubiläumsausgabe nahm sich die Redaktion die fiktiven Gespräche nochmals vor und fügte die erfundenen Antworten zu einem neuen Interview mit dem Skandal-Journalisten zusammen. Eine späte Rache, die aber für viele Lacher sorgt.
 
Persönlich wird es ab Seite 78. Die Redaktion erinnert an die Krankheit von Textchefin Susanne Schneider. 2006 fiel sie für drei Wochen ins Koma und lag daraufhin sieben Monate auf der Intensivstation. Die Geschichte "über eine lange und schwere Krankheit" erschien vor vier Jahren in der Dezember-Ausgabe – inklusive großer Porträtfotos. Schneider erholte sich von der Operation – das dokumentiert ein aktuelles Porträtfoto. In der Bildunterschrift steht: "Meistens fröhlich, nicht mehr so dünn, dafür wieder ganz gesund. Auch die Ärzte staunen immer noch."
Insgesamt ist die Jubiläumsausgabe eine gelungene Beilage, in der sich das SZ-Magazin zu recht selbst feiert, ohne überheblich zu werden. Damit ist ein wertvolles Stück Zeitgeschichte entstanden, für das man jedem einzelnen Redakteur gratulieren könnte. 

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