Die Rivalität zwischen Springer und Gruner

Es knirscht vernehmlich zwischen Gruner + Jahr und der Axel Springer AG. Die Rivalität wird zwar nicht offen ausgetragen, hinter den Kulissen brodelt es dafür gewaltig. Thomas Gottschalk holt sich die Konkurrenz lieber gleich ins Haus und begrüßt die "DSDS"-Bande um Dieter Bohlen bei "Wetten dass..?" Google verzettelt sich zunehmend bei seiner Suche nach einem zweiten Geschäftsmodell. Und neue Print-Projekte zeigen, dass die Zukunft der Zeitschrift wohl tatsächlich in der viel beschworenen Nische liegt.

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Springer-Chef Mathias Döpfner scheint Deutschlands glücklichster Medienmanager zu sein. Die Zahlen sind trotz Krise bombig, neue Projekte für sein Lieblingsspielzeug iPad rollen an ("The Iconist"), gerade hat er angekündigt, eine Mio. Euro zusätzlich für investigative Recherchen locker zu machen. Aber es gilt auch: viel Ehr, viel Feind. Der Konkurrenz treibt das offensiv zur Schau getragene Selbstbewusstsein der Berliner bisweilen das Weiße ins Auge. Klaus Boldt formulierte es mit Blick auf die Springer-Bilanz im manager magazin so: "Die Prognosen wurden angehoben wie Geschützrohre." Vor allem bei G+J fühlt man sich von den nicht abreißenden Erfolgsmeldungen aus dem Hause Springer zunehmend drangsaliert. Der Artikel im manager magazin setzte sich auch kritisch mit dem Zahlenwerk Springers auseinander. Rechnerisch 147 Jahre würde es dauern, bis sich Springers Investitionen ins Digitale auszahlen, rechnete Boldt süffisant vor. Sowas liest man am Baumwall bei G+J dann wieder gerne. Der Artikel ist Ausdruck der zunehmenden Rivalität zwischen den beiden Großverlagen Gruner + Jahr und Axel Springer. Während die Verlagsvertreter vordergründig stets bestes Einvernehmen signalisieren, brodelt es hinter den Kulissen gewaltig.

Der Internet-Weltkonzern Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz nun offiziell die Pläne für Google TV vorgestellt. Jetzt will Google also auch noch in den Fernseher. Nach Internet und  Handy das nächste Spielfeld für die Suchfirma. So langsam stellt sich eine gewisse Google-Überdrüssigkeit ein. Die Suche der Kalifornier nach einem weiteren Geschäftsmodell neben ihren Textanzeigen nimmt langsam manische Züge an. Dabei greift Google auch immer öfter daneben. Der Eigen-Vertrieb des Nexus-One-Handys war ein veritabler Flop. Das jetzt aus der Testphase entlassende Kommunikationstool Google Wave ist schlicht zu kompliziert. Und die Datenschutz-Pannen rund um Google Streetview sind peinlich. Als Weltkonzern hat man es auch nicht immer leicht.

Am Sonntag bittet der in dieser Woche 60 Jahre alt gewordene Thomas Gottschalk wieder zu seiner traditionellen Mallorca-Sause. Einmal pro Saison gastiert "Wetten dass..?" auf der liebsten Ferieninsel der Deutschen. Dabei könnte es auf dem Fernsehsofa zu einem Treffen der Generationen kommen. Gottschalk empfängt nämlich die "DSDS"-Bande Dieter Bohlen, Mark Medlock sowie den aktuellen Sieger Mehrzad Marashi. Das ist insofern bemerkenswert, als RTL seinen Quotenrenner "DSDS" seit einiger Zeit konsequent gegen "Wetten dass..?" programmiert und dem letzten Show-Saurier so das Leben schwer macht. Dass Gottschalk den Sprücheklopfer Bohlen und seine Superstar-Darsteller nun in seine eigene Show bittet, soll wohl ein bisschen Souveränität signalisieren. Aber es steckt wohl auch die Hoffnung dahinter, das "DSDS"-Stammpublikum wenigstens einmal im Jahr zum Einschalten zu bringen. Das wäre dann schon wieder weniger souverän sondern eher verzweifelt.

Der Patient Print zeigt sich in den vergangenen Tagen so lebendig wie lange nicht. Burda ist nun auch endlich aus seinem Dornröschen-Schlaf erwacht und präsentiert mit Freundin Donna und Alley Cat gleich zwei neue Zeitschriften-Testballons. Bei Gruner + Jahr war das Neon-Team mal wieder tätig und bringt mit Yuno einen Ableger für Kinder auf den Markt. Das wirkt jetzt nicht immer alles bis ins letzte Detail stimmig und erfolgversprechend aber immerhin tut sich was. Und ein Trend scheint sich dabei ganz klar zu verfestigen: Print geht bei neuen Projekten fast immer den Weg über Testausgaben in die Nische. Die Absage von WAZ und Springer an Stefan Austs Mainstream-Magazin weist auch in diese Richtung.

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