Alley Cat: Schmusekatze ohne Krallen

Kein Höhepunkt beim ersten Mal: Am Donnerstag erschien Alley Cat erstmals unter der Regie von Burda. Das Cover lässt so einiges vermuten, aber sicher kein Erotik-Heft für Frauen. Unter der schwarz maskierten Cat-Woman prangt die Titelzeile "Schamlos!". Dabei scheint es ein bisschen, als sei Alley Cat ein Männermagazin, das flüchtig ins Weibliche übersetzt wurde. Die Redaktion will die Leserinnen animieren, "lustvoll durchs Leben zu gehen", spielt dabei aber nicht den Sexual-Therapeuten.

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Die 100 Schritte zum perfekten Orgasmus sucht die Leserin – sympathischerweise – vergeblich. Was die Zeitschrift will, erklärt die Gründerin. Perfekt ausgeleuchtet, auf einem transparenten Kunststoffstuhl platziert, erstrahlt Ina Küper, Chefredakteurin von Alley Cat, im Editorial. Pünktlich zum Kino-Start nimmt die 26-Jährige das Thema "Sex and the City" als Aufhänger, um zu erklären, dass die Frau von heute eigentlich schon alles über Erotik weiß. Fast scheint es, als hätte sie selbst Zweifel, dass sie die Generation, die mit "Youporn" und "Feuchtgebiete" sozialisiert wurde, für ihr Heft begeistern könne. "So viel Sex kann verwirrend sein", sagt Küper und dennoch bringt sie ein Magazin heraus "für Frauen die mehr wollen". Alley Cat will kein typische Frauenmagazin sein. Das ehrt, aber leider bleibt es häufig beim Versuch.

Vom "Vorspiel" ins "Schlafzimmer", dann weiter in die "VIP-Lounge", ab in die "Umkleide", am "Spiegel" vorbei auf "das Sofa" – auch wenn die Rubriken im Inhaltsverzeichnis ein wenig anmuten, wie die Abfolge einer Wohnungsbesichtigung, versprüht das Magazin zugleich einen individuellen Charme, der es durchaus von anderen Frauentiteln unterscheidet. Das Vorspiel macht jedoch wenig Lust auf mehr. Als wäre der Nippelhütchen-Trend nicht genug, darf zu allem Überfluss Megan Fox zu Wort kommen, die über die Macht der Vagina philosophiert. Es folgt eine Hommage an den Wellness-Dildo aus Porzellan-Erde und Tropfsteinkristallen. Und schon im Vorspiel stellt sich die Frage: Braucht man Küchenutensilien, die sich zu Sado-Maso-Spielzeug umfunktionieren lassen bzw. braucht man ein weiteres Magazin, das einem vermittelt, dass frau so was wirklich braucht?

"Im Schlafzimmer" warten dann, wohl unvermeidlich,  die obligatorisch muskelbepackten Toy-Boys in verschwitzten Fußball-Trikots. Falls die Lohas und Ökos unter den Leserinnen nach dem ernüchternden Vorspiel noch in Stimmung  sein sollten, finden sie auf Seite 49 umweltschonende Sex-Spielzeuge, "die nicht wie der Innenraum eines Neuwagens riechen". Auch wenn der solarbetriebene Vibrator zunächst befremdlich wirkt, mit dem Thema "Green Sex" greift Alley Cat einen Trend auf, der in der Kernzielgruppe durchaus Anklang finden könnte.

"Die VIP-Lounge" unterscheidet sich nicht wesentlich von jedem herkömmlichen Celebrity-Magazin. Ein Liebesbrief an Lady Gaga, von dem man nicht so richtig weiß, ob er ernst oder einfach nur ironisch gemeint ist. Die VIP-Lounge hinterlässt einen ähnlich schwachen Eindruck wie das Vorspiel.

"Die Umkleide" hingegen kann sich der Konkurrenz mit bewährten Hochglanz-Modemagazinen durchaus stellen. In bester Brigitte-Manier setzt auch Alley Cat auf Models mit Durchschnittsmaßen. In einer wirklich gelungenen Fotostrecke präsentieren kurvige Frauen Dessous. Was für ein Frauen-Erotik-Magazin etwas verwundert: Schon in der Mitte des Heftes lassen sich erstaunlich viele Busenblitzer zählen. Die Beauty-Rubrik "Vor dem Spiegel" unterscheidet sich im Wesentlichen auch nicht wirklich von anderen Lifestyle-Heften. Positiv überrascht Daniela Jambrek mit ihrer Kolumne "Ich weiß, was du letzte Nacht getan hast". Nach einer sechsseitigen Fotostrecke, prall gefüllt mit Schmuck, bringt diese Kolumne das versprochene Bisschen Natürlichkeit zurück ins Heft.

Alley Cat hat an sich selbst den Anspruch gestellt, ein Magazin zu sein, "für Frauen, die mehr wollen". Einen wirklichen Mehrwert sucht die Leserin jedoch vergeblich. Entstanden als "Print-Startup" von Düsseldorfer Studentinnen, weckte das Projekt das Interesse des Burda-Konzerns, der die jungen Magazin-Macherinnen mit Geld und eigenem Zeitschriften–Know-How ausstattete. Vergleicht man das aktuelle von Burda verlegte Heft mit der letzten Ausgabe von 2009, fällt vor allem eins auf: Das Magazin ist noch dabei, sich selbst und sein Themenspektrum zu definieren.

Alley Cat bewegt sich langsam weg von plumper Werbung für neonfarbene Sex-Toys, und das ist gut so. Es wirkt zwar aufgeräumter, büßt durch den visuellen Angleich an die gängigen Lifestyle-Magazine aber einen erheblichen Teil seines individuellen Charmes ein. Die einstmals "streunende Katze" erscheint nach dem  Relaunch etwas zu stubenrein.

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