Erste Initiative für Facebook-Boykott

Zwei Kanadier mobilisieren die Web-Community gegen den Social Network-Riesen. 450 Millionen Mitglieder verzeichnet Facebook derzeit. 4295 von ihnen kündigten nun an, zum 31. Mai ihren Account zu löschen. Angesichts der ständig steigenden Mitgliederzahl ist dies wenig – aber auch ein Signal. Viele Facebook-Mitglieder sind unzufrieden. Mittlerweile ist "delete facebook Account" unter den Top Ten der am meisten gesuchten Google-Begriffe vertreten. Doch die Löschung eines Profils ist gar nicht so einfach.

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"We’re Quitting Facebook" prangt es über der Seite. Matthew Milan und Joseph Dee aus Toronto haben die Aktion ins Leben gerufen, weil "Facebook dem Nutzer keine faire Chance gibt, seine Daten zu sichern." Des Weiteren seien für den Durchschnitts-Nutzer die Privatsphäre-Einstellungen nicht zu durchblicken. "Wir glauben nicht, dass Facebook Respekt vor unseren privaten Daten hat. Besonders nicht in Zukunft." Mehr als 2400 Facebook-Nutzer sind bereits Fans der Facebook-Seite "Quit Facebook Day". Auch bei Twitter ist der Boykott mit einem Account vertreten. Aktuell folgen ihm 1301 Twitter-Nutzer.

Die Bedenken der Kritiker sind nicht ganz unberechtigt. Die jüngsten Veränderungen der Facebook Privacy Policy zogen scharfe Kritik nach sich, weil die Einstellungen der Privaten Settings bei Facebook unnötig verkompliziert wurden. Unter Datenschützern und Mitgliedern machte sich Unmut breit. Dennoch sind offenbar derzeit nur wenige Nutzer bereit, sich völlig von Facebook zu trennen.

"Mit Facebook aufzuhören ist nicht leicht. Es ist, wie mit dem Rauchen aufzuhören", heißt es auf der Boykott-Seite. Und das zu Recht, denn es ist komplizierter als man erwarten würde, sein digitales Ich aus dem Sozialen Netzwerk zu entfernen. Wer denkt, dass er aus dem Facebook Datenpool verschwindet, wenn er seinen Account nur deaktiviert, der täuscht sich. Dies bedeutet nämlich nur, dass man vorübergehend nicht sichtbar ist, und dieser Prozess ist vergleichsweise simpel. Alle Bilder und Informationen bleiben in diesem Fall (auch für Facebook) erhalten. Der Nutzer ist sprichwörtlich unsichtbar aber noch immer da.

Die permanente und endgültige Löschung des Facebook-Accounts ist demgegenüber sehr kompliziert. Der Nutzer muss zunächst das Hilfezentrum im Menü aufrufen und dann auf Privatsphäre und Sicherheit klicken, dann Privatsphäre auswählen. Im letzten Absatz versteckt sich dann der Link "Ich möchte mein Konto dauerhaft löschen". Es öffnet sich ein Text, dort muss der Nutzer wieder im letzten Satz auf den Link mit dem Namen "This Form" klicken.
An diesem Punkt angelangt, muss der Facebook-Nutzer noch seine Email-Adresse eintragen, in den Betreff "delete Account" einfügen, beim Thema den Punkt "profil" auswählen und eine Nachricht verfassen, aus der hervorgeht, dass man seinen Account löschen und nicht deaktivieren möchte.
Ob die Protest-Aktion sich zu einer Boykott-Welle ausweitet, darf zum jetzigen Zeitpunkt bezweifelt werden. Ein Image-Problem hat Facebook allerdings dennoch.

Nachtrag: Eine weitere Initiative ruft für den 1. Juni zum 24-Stunden-Boykott auf.

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