Warum Gottschalk in Rente gehen sollte

Am heutigen Dienstag wird der ewige Sunnyboy Thomas Gottschalk 60 Jahre alt. Der Berufsjugendliche und Lieblings-Schwiegersohn der Nation gilt manchen als letzter Showmaster von klassischem Format. Dabei hat sich Thomas Gottschalk seit den 80ern Jahren nie weiter entwickelt. Stillstand und Mittelmaß sind sein Erfolgsrezept. Nun wird es Zeit, dass er in TV-Rente geht. MEEDIA liefert sechs Gründe zum 60., warum es besser für "den Thommy" wäre, sich endlich in den Ruhestand zu verabschieden.

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Seine Kleidung

"Huch, was hat der denn wieder an..?" Der gespielt erschreckte Ausruf der Schwiegermutter beim samstagabendlichen "Wetten dass..?" gucken hat Tradition. Thomas Gottschalk hat sich im Laufe seiner Karriere schon immer durch gelebte Oberflächlichkeit ausgezeichnet. Seit er die Moderation von "Wetten dass..?" vom Chef-Buchhalter des deutschen TV-Entertainments, Frank Elstner, übernommen hat, zelebriert er diese Ader mit pompös aufgesetzten Zirkusdirektoren-Outfits. Egal ob Frack mit Glanzstoff, silbrige Jacketts oder aufgeplusterte Hosen – Gottschalks überkandidelte Garderobe ist genauso ein Markenzeichen geworden wie seine blonden Locken und der gefürchtete Herrenwitz. Am Anfang war die exaltierte Kleiderwahl noch so etwas wie ein bewusster Kontrapunkt zu Elstners immer graubraunen Beamten-Anzügen. Mittlerweile ist daraus ein schales Ritual geworden. Provozieren kann er mit seinem Papageien-Stil schon lange nicht mehr.

Sein Musikgeschmack

Wer erinnert sich noch an die Dinosaurier-Parade "50 Jahre Rock" im ZDF? Thomas Gottschalk präsentierte Musik-Fossile, mit denen er gemeinsam gealtert war in einer endlosen ZDF-Sendung. Die Scorpions traten auf (natürlich mit dem unvermeidlichen "Gorbi"), Status Quo mit ihrem einen Lied und Leslie Mandoki mit seiner Combo. Selten wurde kreativer Stillstand eindrucksvoller dokumentiert als in dieser Show. Gottschalk selbst griff mit der eigens zusammengestellten Kapelle "Die besorgten Väter" auch selbst schon zum Mikrofon und sang in "What happened to Rock’n’Roll", er habe "die Schnauze voll", dass aus dem Kinderzimmer Hip Hop, Rap und Techno hämmern. Dabei war Gottschalk 1980 selbst Mitglied eines Radiomoderatoren-Trios (zusammen mit Frank Laufenberg und Manfred Sexauer), das den Song "Rappers Delight auf das gruseligste ins Deutsche übertrug. Wenn man beide Gottschalk-Songs direkt hintereinander hört, wird einem klar: Der Thommy war schon damals in den 80ern ein Spießer, es fiel bloß keinem auf. Sein Musikgeschmack hat sich genausowenig gewandelt wie sein Moderationsstil. Ein bisschen Disco, ein bisschen Rock und ganz viel 80er-Jahre-New-Wave. Aber alles Kuschelrock-kompatibel. Der einzige Unterschied zwischen damals und heute: bei dem Auftritt 1980 schien Gottschalk sich für sein Gerappe selbst ein wenig zu schämen. Heute müssen das die Zuschauer für ihn übernehmen.

Seine Witze

Thomas Gottschalk ist der personifizierte Herrenwitz im deutschen TV. Sein Humor wirkt oft seltsam aus der Zeit gefallen. In den 80er Jahren, dem Jahrzehnt, das Gottschalk definiert hat, feierte er Erfolge mit Filmen wie "Piratensender Powerplay", "Die Supernasen" oder "Zärtliche Chaoten". In den 80ern haben viele über die einfältigen Späße in diesen Filmen gelacht. Man hat damals auch gelacht, wenn Bud Spencer Jemandem schallernd auf die Backe haute. Das war okay in den 80ern. Gottschalks Problem ist, dass er die gleichen Klamotten, die gleiche Musik und die gleichen Witze in den 90ern weiter pflegte und dies im neuen Jahrtausend immer noch tut. Das Komik-Verständnis hat sich, zum Glück, genauso weiter entwickelt wie das Verständnis von guter Kleidung. Gottschalk ist stehen geblieben.

Seine Selbstherrlichkeit

In den zahllosen Geburtstagsartikeln zu Gottschalks 60. Geburtstag darf eine Szene nicht fehlen: Als er als Außen-Moderator bei "Wetten dass..?" den Spruch brachte "Ich höre ein Flugzeug, das ist Placido Domingo auf der Flucht." Hintergrund war, dass Maria Schell wegen einer verlorenen Wette ein Duett mit dem Star-Tenor anstimmen wollte. Der Spruch war gut, das Timing exzellent, Gottschalk spontan. Genauso spontan war er, als er den zornigen Marcel Reich-Ranicki besänftigte, der die Annahme des Deutschen Fernsehpreises verweigerte. Gottschalk hatte seine Sternstunden. Aber in der Gesamtsumme seine jahrzehntelangen Fernsehschaffens rechtfertigen ein paar gute Sprüche und spontane Einfälle nicht das Maß an Selbstherrlichkeit, das er wie einen Schutzwall um sich herum errichtet hat. Wann immer sich der späte Gottschalk über Gottschalk äußerte, gerät dies stets zu einem lamentierenden Rechtfertigungs-Marathon. Schuld sind immer die anderen. Seine Quote sinkt wahlweise, weil es jetzt zu viele Sender gibt, weil die Dschungel-Show oder "DSDS" bei RTL so niveaulos sind, weil Jugendliche nur noch vorm Handy oder dem Internet hängen oder, wie er jetzt in der FAZ mitteilte, Mütter nutzloses Zeug am Computer bestellen. Bei sich selbst sucht ein Gottschalk keine Schuld.

Seine Nicht-Gesprächsführung

Gottschalk-Gespräche sind eine eigene Stilform im TV. Ihm zu Gute halten muss man freilich, dass er sich selbst nie als brillanten Interviewer gesehen hat. Er ist da mehr so reingerutscht. Unvergessen ist sein unbeholfenes Interview mit dem notorischen Gesprächsverweigerer Klaus Kinski bei "Na sowas!". Während Gottschalk gewohnt sinnfrei drauflos laberte wiederholte Kinski ständig "Ich verstehe die Frage nicht…" Da hatten zwei zueinander gefunden: Einer, den die Antworten seiner Gäste nicht interessieren und einer, den die Fragen des Gastgebers nicht interessieren. Dabei heraus kam ein Stück sehenswerter TV-Dadaismus. Normalerweise tun die Gäste so, als würden sie auf die Fragen antworten, von denen Gottschalk so tut als würden sie ihn interessieren. Leider war er noch nie ein guter Schauspieler (siehe "Supernasen"). Wegen der meist miserablen Simultan-Übersetzungen bei "Wetten dass..?" fällt das dann zum Glück nicht weiter auf.

Seine Pseudo-Verrücktheit

Die Rolle von Thomas Gottschalk war in den 80er Jahren die des modernen und im positiven Sinne verrückten jungen Mannes. Der Thommy kannte sich aus mit diesem modernen Computer-Zeug ("Telespiele"), er war beschlagen in dieser modernen Musik (siehe oben), er trug "flippige Klamotten" und er hatte ein freches Mundwerk. Ja mei, die Jugend! Aber er überschritt nie eine Grenze. Er war oberflächlich "frech" ohne verletzend oder verstörend zu sein, er kam aus einem katholisch, provinziellen Milieu (Kulmbach in Franken), war Messdiener gewesen. Und hier und da ließ er durchblicken, dass er durchaus ein gewisses Maß an klassischer Bildung mitbekommen hatte. Seine Kleidung, seine Witze, sein Moderationsstil waren stets maskiertes Mittelmaß. Mehr wollte er nie. Mehr hat er nie versucht. Auch wenn er vielleicht mehr gekonnt hätte.

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