Darf dieser Mann für Deutschland schreiben?

Für die einen ist er der hippe Gossen-Goethe, der die Bild-Leser täglich mit seiner Sprachgewalt emotional packt und aufrüttelt. Andere sehen in ihm eine latent verkrachte Existenz, die sich den Frust von der Seele pöbelt und dabei die Grenzen nicht nur der guten Sprachsitten öfter mal durchbricht. Neutral betrachtet könnte man formulieren: Der Mann polarisiert. Und zumindest das, was Franz-Josef Wagner am Dienstag in seiner Post schreibt, lässt für die Fußball-WM Böses schwanen.

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Dass der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft beim Turnier in Südafrika verletzt fehlen wird, kommentiert Wagner so: "Meine erste Reaktion: Scheiße schreien…" Und weiter: "Ich glaube, ganz Deutschland dachte ‚Scheiße’…" Natürlich weiß FJW auch, was Michael Ballack dachte, als er mit bandagiertem Knöchel "aus der Arztpraxis humpelte", nämlich: "Was für ein Scheiß-Leben."
Schon da ahnt man, dass der Autor die Niveau-Latte an diesem Tag nicht allzu hoch hängt, aber er ist noch nicht fertig. Denn zu FJWs Schwarz-Scheiß-Denken gehört das Verursacher-Prinzip. Schließlich hatte mit Kevin-Prince Boateng ein ehemaliger Bundesliga-Profi das Foul begangen. Wagner sieht das so: "Ein Arschloch hat ihm seinen Traum kaputt gemacht… Immer sind es Arschlöcher, die alles zerstören."

Bei Wagner geht die Post ab: Vier Miniabsätze, dreimal Scheiße, zweimal Arschloch, und die WM hat ja noch nicht einmal begonnen. Weitere Pöbel-Attacken sind zu befürchten. Vielleicht sollte Wagner am 23. Juni einen Tag frei nehmen: Da spielt Deutschland in der Vorrunde gegen Ghana und auch gegen Kevin-Prince Boateng.
Analog zur legendären Bild-Schlagzeile 1998 über Guildo Horns Grand Prix-Auftritt ("Darf dieser Mann für Deutschland singen?") könnte man bei Wagner fragen: Darf dieser Mann für Deuschland schreiben? Bei Bild scheint FJW, der – wohl auf vielfachen Wunsch hin – laut Chefredakteur Kai Diekmann meist "von zuhause aus arbeitet", Narrenfreiheit zu genießen. Und ihm selbst ist das, was andere über ihn denken, vermutlich egal. Scheißegal.
Übrigens: Hier ist der Link zu einem lustigen Video, das Franz-Josef Wagner bei der Arbeit zeigt.

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