Rhein-Zeitung holt Lobo als Blattmacher

Sascha Lobo, der Redaktionsbefreier: Am Dienstag übernimmt der Web-Tausendsassa für einen Tag die Leitung der Rhein-Zeitung. Ziel des Experimentes: Die Redaktion soll aus ihrer Routine befreit und die Leser mit einer völlig anderen Zeitung konfrontiert werden: "Herr Lobo hat sich viel vorgenommen", kündigt Chefredakteur Christian Lindner gegenüber MEEDIA an. "Er plant in der Redaktion die Weisheit der Vielen anzuzapfen, indem an diesem Tag jeder Redakteur das schreiben darf, worauf er wirklich Lust hat."

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Nach Lobo-Logik müsste sich so trotzdem ein – wenn auch ein ungewöhnlich beleuchtetes – recht umfassendes Bild der Nachrichtenlage zeichnen lassen. Weil alle Redakteure zusammengenommen, doch wieder über viele wichtige Ereignisse und interessanten Beobachtungen berichten würden. "Wenn im Nachrichtengeschehen allerdings etwas ganz dramatisches Passiert, dann würden wir da Konzept natürlich jederzeit anpassen", schränkt Lindner ein.
Die erste – und wohl auch einzige – Ausgabe unter dem Chefredakteur Lobo steht unter dem Oberthema: Die vergessenen Kriege. Deshalb will der Werber- und Buch-Autor auch selbst einen Text über Konflikte schreiben, über die in den einheimischen Medien kaum mehr gesprochen wird. "Zudem wird er 20 wichtige und hilfreiche, jedoch kaum bekannte Web-Portale vorstellen", verrät der eigentliche Chefredakteur.
Ein weiterer Zeitungsinhalt, der bereits feststeht, ist eine große Fotoreportage "zwischen zwölf und zwei im RZ-Land". Die Fotografen der Rhein-Zeitung sollen zusammen mit den Lesern auf Bildern festhalten, was in um Koblenz in diesen zwei Stunden passierte.  
 
Vorab-Interview: Sascha Lobo im Gespräch
mit RZ-Chefredakteur Christian Lindner

Lobo ist nicht der erste Chefredakteur, der den Job am Rhein für einen Tag übernimmt. Im März versuchte sich bereits Stephan Ackermann, Bischof von Trier, als Blattmacher. Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche gestaltete zwar aktiv die Titelseite und andere Inhalte mit, so grundlegend wie es der Berliner Medienprofi plant, waren die Veränderungen des Geistlichen jedoch nicht.
Die beiden sollen nicht die einzigen externen Zeitungsmacher der RZ bleiben. Lindner und sein Chefredakteurs-Partner Joachim Türk planen in diesem Jahr vier oder fünf solcher Aktionen. So wollen sie ihre Mannschaft aus dem festgefahrenen und oftmals sehr schematischen Redaktionsalltag befreien und für neue, kreative Impulse sorgen. Zudem ist Aktion auch gut für Image der Regionalzeitung.
Durch die prominenten Chefredakteure wird auch für eine gewisse Bundesweite gesorgt. Passend dazu werden die Koblenzer am Mittwoch auch das E-Paper der Lobo-Ausgabe kostenlos anbieten. Ansonsten wäre es auch kaum Möglich, außerhalb des RZ-Stammlandes das Blatt zu lesen.
"Im Gegensatz zu unseren sonstigen Prinzipien werden auch alle für die Lobo-Zeitung geschriebenen Texte auf unserem Web-Portal veröffentlicht", erklärt Lindner. "Zusätzlich zu jedem Artikel wird jeder Autor in einem kleinem ‚Making of‘ erklären, warum er diese Geschichte für erzählenswert hält."
Dass die Abonnenten den Blattmachern die dosierten Aktionen mit externen Blattmachern krumm nehmen könnten, glaubt Lindner nicht: "Unsere Leser sind belastbar."

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