dpa entwickelt iPad-Angebote für Verlage

Drei Pilotkunden, ein Dutzend Mitarbeiter, mehrere Prototypen: Unter Hochdruck entwickelt die dpa iPad-Angebote für ihre Verlagskunden. Zum deutschen Marktstart des Tablet wird noch keine Agentur-Lösung zu haben sein. Der Chef der dpa-infocom, Meinolf Ellers, kündigte im MEEDIA-Gespräch jedoch an, Anfang Juni zusammen mit einem Partner eine erste App aus der dpa-Schmiede vorzustellen. Neben der Apple-Technologie liebäugelt er auch mit der Plattform WeMagazine von den WeTab-Machern.

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Ellers sagte MEEDIA: "Wir sind mit der Entwicklung unserer iPad-Lösungen relativ weit und werden voraussichtlich Anfang Juni auf der Konferenz ‚Zeitung online‘ in Düsseldorf ein erstes Modell gemeinsam mit einem Partner-Verlag präsentieren." Die dpa verstehe sich bei der Entwicklung als "korporative Agentur", als Dienstleister der Verlagsszene. Die dpa-infocom, die sonst vor allem Webseiten mit automatisiert ausgespielten dpa-Inhalten versorgt, habe auf die Tablet-Projekte aktuell ein zwölfköpfiges Team angesetzt, sowohl aus festen wie auch aus freien Mitarbeitern.
"Ich bin fest davon überzeugt, dass das ePublishing für Zeitungen eine große Option sein wird. Sie wird endlich die breite Lücke zwischen Print und Web schließen, mit dem viele Verlage nie richtig warm geworden sind", so Ellers. "Unbundle the bundle könnte auf dem iPad zu einer Notwendigkeit werden: Zeitungen müssen das, was sie bisher für ein gedrucktes Produkt zusammengetragen haben, wieder auseinandernehmen und auf viele verschiedene Produkte verteilen." Das sei "eine riesige Chance", denn das Tablet führe für Tageszeitungen ein, was es im Netz schon lange gibt: den long tail, sprich langfristige Erlöse statt das einmalige und kurzweilige Verwerten von Recherchen.
Ellers denkt nach eigenen Angaben etwa an Karneval-Magazine: Legten Regionalzeitungen aus Köln, Düsseldorf oder Mainz ("Fastnacht") diese bisher ihren Zeitungen als Beilagen bei und seien die Texte damit verbraucht, könnten sie auf dem iPad aus diesem Content "immer und immer wieder schöpfen – und es vor allem auch außerhalb ihres bisherigen Verbreitungsgebietes vertreiben". So würden auch all diejenigen zu Lesern und Käufern, die sich in Berlin oder Hamburg in die Bahn setzten, um das Karneval-Wochenende im Rheinland zu verbringen. Ellers: "Das Tablet bietet jedem Regionalverlag die Chance, sich mit einem Thema national zu positionieren."
Der Geschäftsführer der dpa-infocom rät Verlagen zudem, nicht eine sondern gleich mehrere Apps für Tablet-Computer zu starten, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten sollten. So müssten Tablet-Lösungen für ältere Leser vielleicht keine Videos bieten, könnten dafür aber als eine Art "edles Retroprodukt" daherkommen und ein deutlich größeres Schriftbild bieten als es in den gedruckten Zeitungen der Fall sei, deren Typologien sich bei moderner Gestaltung ja meist verkleinert hätten. "Und bei den Lösungen für jüngere Menschen werden sich die Leser dafür vielleicht stärker beteiligen und eigenen Content beisteuern können", erklärte Ellers.
Sehr überzeugt gab er sich von einer dpa-Entwicklung die er "Fanzine" taufte: interaktive Magazine etwa für lokale Sportvereine. Ellers erklärte das im MEEDIA-Gespräch so: "Sie werden einerseits die Interaktivität des iPads und des Internets bedienen, also etwa Live-Ticker, Videos und Bilderstrecken. Das Fanzine wird aber auch mit dem langen Erklärstück aufwarten, dem opulenten Interview und dem aufwändigen Vorbericht und Reportagen." Wie bei allen Lösungen, die seine dpa-infocom derzeit zusammen mit Verlagen entwickle, die er noch nicht benennen wollte, gelte das Prinzip: "Mit unseren Lösungen wollen wir den digitalen Blattmacher unterstützen. Im Idealfall laufen am Ende 90 Prozent der Inhalte automatisch ein, damit viel Zeit in die letzten zehn Prozent investiert werden kann, in denen das Produkt einzigartig gemacht wird."
Das Tablet-Team der dpa beschränkt sich laut Ellers indes nicht nur auf das Apple-Produkt. Zum deutschen Konkurrenten, dem WeTab, sagte er: "Wir halten vor allem die Plattform WeMagazine für vielversprechend und tauschen uns mit den Kollegen von Neofonie aus. Grundsätzlich glauben wir, dass in den kommenden Monaten neben dem iPad auch andere für die Verlage relevante Tablet-PCs mit anderen Standards wie Android, Windows oder Adobe Air in den Handel kommen." Um so wichtiger werde es sein, über "intelligente Produktionsprozesse" gleichzeitig auch solche Plattformen bedienen zu können. Auch daran arbeite die dpa bereits.

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