Ringier muss Borer 70.000 Euro zahlen

Der Verlag Ringier muss an den ehemaligen Schweizer Botschafter Thomas Borer-Fielding einen hohen Schadenersatz zahlen. Wieder einmal wegen der Berichterstattung des Boulevardblatts Blick. Acht Jahre nach der "Botschafter-Luder-Affäre" ging es nun um einen angeblichen Polizeieinsatz im Hause Borer-Fielding. Ringier bestätigte die außergerichtliche Einigung zwischen Borer und dem Verlag, nannte aber keine Summe. Umstritten ist die Rolle des Chefredakteurs, der schon beim ersten Fall involviert war.

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Wie die Wochenzeitung die Zeit vorab meldet, wächst der Unmut über den aktuellen Blick-Chefredakteur Ralph Große-Bley. Grund dafür sei ein am 13. März erschienener Artikel über Thomas Borer, den Große-Bley laut Recherchen der Zeit weder mit Ringier-Chef Marc Walder besprochen hat noch mit dem Hausjuristen. Dieser Artikel thematisierte Polizeieinsatz in der Villa von Borer und seiner Frau Shawne Fielding. Blick will gewusst haben, "dass der frühere Botschafter Thomas Borer-Fielding die Beamten rief". Nach Aussage eines Informanten kam es zu einem heftigen Streit zwischen dem Noch-Ehepaar. Die Frau Borers sei "ausgeflippt", hieß es in dem Blick-Artikel. Des Weiteren behauptete die Autorin, dass die Polizei nicht zum ersten Mal im Hause Borer-Fielding aufschlagen musste. Schon 2002 soll Shawne Fielding die Polizei zur Hilfe wegen "nächtlicher Geräusche" zur Potsdamer Villa gerufen haben. Dort habe die Polizei zufällig eine Waffe Borers gefunden, für die er keinen Waffenschein besaß.
Im Jahr 2002 hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, dass Blick nicht weiter über das "Thema Borer" berichtet. Damals wurde dem Diplomaten von der Boulevard-Zeitung nachgesagt, er habe eine Affäre mit der Visagistin Djamila Rowe, die fortan als "Botschafts-Luder" für Schlagzeilen herhielt. Borer-Fielding musste daraufhin seinen Posten als Schweizer Botschafter in Berlin aufgeben. Die Geschichte erwies sich als nicht haltbar. Eine eidesstattliche Erklärung, die das vermeintliche Luder selbst abgegeben hatte, widerrief Djamila Rowe später. Sie bestritt jeden sexuellen Kontakt mit Borer.
Ringier reagierte und schasste damals die verantwortlichen Redakteure, darunter auch den heutigen Blick-Chefredakteur Ralph Große-Bley. Dieser arbeitete damals als stellvertretender Chefredakteur beim Sonntagsblick. Seine Frau hatte in dem Blatt über die angebliche Affäre Borers berichtet. Aufgrund der "fehlenden Vertrauensbasis" sei er damals nicht mehr haltbar gewesen, hieß es seinerzeit zur Begründung. Auch der damalige Sonntagsblick-Chefredakteur Mathias Nolte musste im Zuge der Borer-Rowe-Affäre das Feld räumen. Ringier entschuldigte sich für die fehlerhafte Berichterstattung und zahlte Schadenersatz.

Acht Jahre später kehrt Ralph Große-Bley zum Blick nach Zürich zurück, jetzt als "hervorragender Boulevard-Blattmacher", wie das Blatt in einer Mitteilung befand. Die Zeit findet es "bemerkenswert, dass Blick sich im Fall Borer nochmals auf dieses Minenfeld wagt." Mit 100.000 Schweizer Franken (ca 70.000 Euro, die Red.) seien dies "die teuersten fünfzig Textzeilen der Schweizer Pressegeschichte."
Große-Bley selbst rechtfertigte sein Handeln im Interview mit Persoehnlich.ch folgendermaßen: "Es ist immer eine Frage, ob man für einzelne Personen bestimmte Sonderregeln einführt. Grundsätzlich behandeln wir niemanden als Sonderfall. Hätten wir anders gehandelt, wenn Ähnliches bei einem Bundesratsmitglied oder einem bekannten Sportler passiert wäre? Wohl kaum. So war es für uns ein normaler Vorgang."

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