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Führte Tippfehler zu Crash der Tech-Aktien?

Ist die Krise zurück? Rund ein Jahr nach dem Tiefpunkt der Finanzmarktkrise droht ein neuer Flächenbrand. Diesmal jedoch lodert er direkt vor der Haustür: Das neue Lehman heißt Griechenland. Auch wenn die Technologie-Branche ihrer eigenen Zyklik folgt, ist klar: Die Auswirkungen der nächsten großen Krise spürt jeder – vor allem wegen des taumelnden Euros. In der Nacht sackte das US-Börsenbarometer im Rekordtempo, womöglich ausgelöst durch einen simplen Eingabefehler. Die Branche ist hypernervös.

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Ist die Krise zurück? Rund ein Jahr nach dem Tiefpunkt der Finanzmarktkrise droht ein neuer Flächenbrand. Diesmal jedoch lodert er direkt vor der Haustür: Das neue Lehman heißt Griechenland. Auch wenn die Technologie-Branche ihrer eigenen Zyklik folgt, ist klar: Die Auswirkungen der nächsten großen Krise spürt jeder – vor allem wegen des taumelnden Euros. In der Nacht sackte das US-Börsenbarometer im Rekordtempo, womöglich ausgelöst durch einen simplen Eingabefehler. Die Branche ist hypernervös.

„It’s been fun while it lasted“, sagen die Amerikaner so gerne zu einer Sache, die gut ging, bis sie schief geht. Ist es jetzt schon wieder so weit, nach einer 15 Monate dauernden Erholung? Zumindest die Aktienmärkte benehmen sich seit Wochenbeginn, als würde die Apokalypse zurückkehren.

Die Apokalypse:
Das war der völlig überraschende Fall der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, die die Finanzwelt  im folgenden Halbjahr in einen dramatischen Abwärtsstrudel riss, das moderne Wirtschaftssystem infrage stellte und den Internet-, Technologie- und Mediensektor hart traf, zumindest zunächst.

Nach der Krise ist vor der Krise

Ein Jahr später hat sich die Wirtschaftswelt wieder beruhigt, so scheint es. Nicht nur die üblichen Verdächtigen des Silicon Valley, Apple und Google, haben in der abgelaufenen Quartalssaison fast schon routinemäßig Rekordzahlen vorgelegt, auch die Dickschiffe der (US)-Medienwirtschaft, Time Warner und News Corp, Quartalsbilanzen, die untermauern, dass die Krise vorbei zu sein scheint.

Wäre da nur nicht schon die nächste am Brodeln. Seit Jahresbeginn beherrscht die 11-Millionen-Einwohner-Republik Griechenland die Schlagzeilen der Finanzlandschaft. Pleitegerüchte wurden erst zu Aufmachern, dann zu Titelgeschichten – und schließlich zur Gewissheit. Die EU, allen voran die Bundesrepublik, wollte zunächst nicht zahlen, muss es aber nun. Und zwar in größerem Stil als bisher angenommen: Bis zu 140 Milliarden Euro kommen aus den Kassen der EU-Staaten – zunächst war man von  30 Milliarden ausgegangen.

Die globale Wirtschaft und das Euro-Problem

Dass eine Griechenland-Pleite singulär verkraftbar, aber ein fatales Signal für den Bestand der EU ist, ist allen Marktteilnehmern klar, weswegen heiße Wetten gegen den nächsten möglichen Pleitekandidaten Portugal gefahren werden – und damit am Ende vor allem gegen die europäische Gemeinschaftswährung.

Hier beginnt das Problem für die Medien-, Technologie- und sogar wachstumsstarke Internetbranche: Der sich im Sturzflug befindende Euro besitzt das Potenzial, die Bilanzen der vor allem global agierenden Multikonzerne kräftig durcheinander zu wirbeln. Bis auf 1,26 Dollar wurde der Euro von Spekulanten im gestrigen Handel heruntergetrieben – das ist der tiefste Stand seit März 2009.

Die Panik an den Aktienmärkten kehrt zurück

Aktien aller Branchen werden seit Mitte vergangener Woche gnadenlos abverkauft – diese Woche geriet dann auch wenig überraschend zur schwächsten Börsenwoche seit dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise im März 2009.
Gestern wurden in einem hemmungslosen Ausverkauf vor allem die Favoriten der vergangenen Monate panikartig durchgereicht: Der US-Leitindex Dow Jones verlor in der Spitze 1000 Punkte, was bei CNBC zu einem der aufregendsten Momente der jüngeren TV-Geschichte führte – „James Cramer rettet den Markt“, kommentierte Henry Blodget („Alley Insider“) die couragierte Kauf-Empfehlung des früheren Hedgefondsmanagers Cramer („Jetzt Procter & Gamble kaufen“), während sich der Markt im freien Fall befand.

Ob der crashartige Kursrutsch durch einen Computerfehler ausgelöst wurde, ist noch offen – Fakt ist vielmehr, dass automatische Verkaufsprogramme auch die großen Player der Technologie- und Internetbranche dramatisch abstürzen ließen. In der Spitze verloren  gestern:

• Apple: 59 Dollar oder 23 %
• Hewlett-Packard: 10 Dollar oder 19 %
• Google: 57 Dollar oder 11%
• Baidu: 70 Dollar oder 10 %

Seit den Höchstkursen in diesem Jahr haben die großen Player bis heute in der Spitze entsprechend noch mehr verloren. Keine Frage: Die Kurse sind Minuten später weitgehend zurückgekommen – bisher ist es nur eine Korrektur, doch das Sentiment hat sich quasi über Nacht dramatisch verändert. Die Panik ist zurück, die Phase der schier sorglosen Erholung damit seit gestern vorbei.
Die US-Börsenaufsicht war nach Handelsende um Schadensbegrenzung bemüht. Angeblich sei ein Tippfehler Auslöser der Panikverkäufe gewesen. Spiegel Online berichtet am Morgen folgende Version: „Ein Händler verkauft Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar statt 16 Millionen Dollar. Denn im Englischen macht nur ein Buchstabe den Unterschied: Billion (Milliarden) statt Million (Millionen). Das löste dann die automatischen Verkäufe aus, die zum Kurssturz führten.“
Dennoch war die Stimmung schon während der vergangenen Handelstage gereizt. Die Unsicherheit und der Vertrauensverlust in der Folge der Griechenland-Krise sind unverändert. Ein Crash liegt weiter in der Luft.

Was sich für Technologie-, Internet und Medien-Unternehmen ändert

Medien-, Technologie- und Internet-Unternehmen dürften die Folgen zu spüren bekommen, wenn sie eine der beiden Bedingungen erfüllen: kreditfinanziert sind (Start-ups) oder über ein überproportional großes Europa-Geschäft verfügen.
• Das Euro-Problem:

In der Ära der großen Finanzmarktkrise war ein möglichst großes Europa-Geschäft für US-Konzerne eine tolle Sache. Der alte Kontinent schien weniger von der Krise betroffen, Währungseffekte waren hilfreich. Bis heute bepreist Apple etwa seine Produkte in Europa eher kreativ als nach dem tatsächlichen Wechselkurs: Das MacBook Pro 13″ etwa kostet in den USA 1199 Dollar, während bei uns 1149 Euro bezahlt werden müssen. Mit einem fallenden Euro sinken also auch die Profite.

Mancher Währungsexperte hält inzwischen gar eine Parität zwischen Euro und Dollar für denkbar. US-Importe werden in Europa teurer, Margen sinken. Für multinationale Konzerne wie Apple, Google oder IBM ist das natürlich verkraftbar, der Börse wird der Trend aber trotzdem nicht besonders gefallen – vor allem, wenn der Euro weiter so dramatisch einbricht wie zuletzt.

• Das Kreditproblem:

Weitaus dramatischer ist jedoch das Finanzierungsproblem, das vor allem junge Technologie- und Internet-Unternehmen betrifft. Am Ende des Tages ist schließlich jedes Start-up eine Wette auf die Zukunft. Und die wird, wie bei fast allen Menschen, aus dem Bauch entschieden. Sind die Zukunftsperspektiven rosig, ist man weitaus mehr gewillt, Wagnisse einzugehen. Das ist zwar prozyklisch und damit nicht immer logisch gedacht, aber so funktionieren Menschen.

Der gestrige Tag könnte eine empfindliche Veränderung im Investitionsklima mit sich bringen. „Kreisen Sie sich diesen Tag ein, denn Sie werden noch Ihren Kindern von dem 1000-Punkte-Kursrutsch im Dow Jones erzählen, der niemals stattgefunden hat“, bringt der US-Vermögensverwalter  Scott Rothbort die Stimmung des apokalyptischen Tages auf den Punkt. Noch mal davongekommen, denken sich die meisten: Die Stimmung ist besser als die Lage. Anders herum wäre es allerdings besser.

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