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Hubert Burdas Lunchtermin bei Horst Köhler

Aus ist der Traum vom neuen, multimedialen modernen Wochenmagazin. Die beiden als sicher gesetzten möglichen Gesellschafter Axel Springer und WAZ haben den Stecker gezogen. Das ist schade. ARD und ZDF dürfen nach dem neuen Gutachten von Paul Kirchhof auf eine Art allgemeine Rundfunksteuer hoffen. Vermeintliche Medienpatienten erweisen sich in ihren Bilanzen als erstaunlich gesund und Ober-Netzwerker Hubert Burda wurde samt Tross von Bundespräsident Horst Köhler zum Mittagessen eingeladen.

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Bei Stefan Austs Magazin-Projekt wich eine anfängliche Skepsis mit der Zeit einer gewissen Vorfreude, dass deutsche Verlage endlich mal wieder einen großen Wurf versuchen. Dass Aust nun selbst Investoren findet, die das Projekt noch durchzuziehen, erscheint unwahrscheinlich. Wenn sogar der wirtschaftlich kraftstrotzende Springer-Konzern abwinkt. Dass Springer die Print-Party abgesagt hat, ist überraschender als der Rückzug der WAZ. Die Essener sind bekannt dafür, ihr Geld im Zweifel lieber zu behalten. Insofern ist es der eigentlich erstaunlichste Umstand bei der ganzen Geschichte, dass ausgerechnet die WAZ den ursprünglichen Auftrag zur Entwicklung des Magazins erteilt hatte und auch noch viel Geld in die Entwicklung steckte. Der ehemalige Spiegel-Chef Aust hatte nach Meinung vieler, die seine Dummys gesehen haben, ein journalistisch viel versprechendes Magazin entwickelt. Was hätte denn bei der Entwicklung herauskommen können, damit die WAZ einen Launch durchzieht? Eine "journalistisch attraktive Idee" (O-Ton aus der gemeinsamen Mitteilung von WAZ und Springer) ist in diesen Tagen offenbar nicht mehr geschäftsfähig. Leider.

Der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof hat ein viel beachtetes Gutachten zur Reform der Rundfunkgebühren vorgelegt. Das Ergebnis des Gutachtens war so erwartet worden und ganz im Sinne der Auftraggeber ARD und ZDF. Kirchhof plädiert für eine so genannte Haushaltsabgabe. Will heißen: Jeder Haushalt müsste künftig das gleiche an die GEZ zahlen, egal wie viele Fernseher, Radios oder Internet-PCs im Einsatz sind. ARD und ZDF drängen auf diese Lösung, weil sie so die Erosion des Gebührenaufkommens eindämmen wollen. Immer mehr Hartz-IV-Empfänger sind von der Gebühr befreit und schauen umsonst. Laut Kirchhofs Vorschlag würde die Befreiung ad acta gelegt. Stattdessen sollen die Gebühren der sozial Schwachen aus Steuergeldern quersubventioniert werden. Damit wäre die Rundfunkgebühr auf dem besten Weg zu einer allgemeinen Fernseh- und Radiosteuer. Die Gefahr: Politische Begehrlichkeiten, auf ARD und ZDF Einfluss zu nehmen könnten noch größer werden.

ARD und ZDF schielen auf ihre Gebühren, die Politik schielt auf ihren Einfluss. Nun ist es aber nicht so, dass private Medienhäuser ganz frei wären von dem Wunsch, ein bisschen was vom Staat zu bekommen. Die Lobbyarbeit der Verlage in Sachen Leistungsschutz ist ein Beispiel. Auch RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler hatte vor einiger Zeit in einer Grundsatzrede eine Art "Gema" für Privatsender gefordert. Die Wunschkataloge von Sendern und Verlagen werden meist mit dem Hinweis auf die desolate wirtschaftliche Lage in der Medienwirtschaft vorgetragen. Die Zahlen sprechen häufig eine andere Sprache. Axel Springer legte jüngste ein ausgezeichnetes Ergebnis vor und in dieser Woche präsentierten die RTL Group und ProSiebenSat.1 ebenfalls tiefschwarze Zahlen. RTL konnte die Quoten und den Umsatz steigern, der operative Gewinn wurde mehr als verdoppelt. Sogar die notorisch klamme ProSiebenSat.1 Media AG meldete einen operativen Gewinnsprung von 37 Prozent.

Wohl kein anderer deutscher Verleger knüpft politische Netzwerke so geschmeidig und erfolgreich wie Hubert Burda. Zu seinem 70. Geburtstag, machte Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich ihre Aufwartung. Diese Woche lud Bundespräsident Horst Köhler den Verleger samt Tross am Montag zu einem Mittagessen ins Schloss Bellevue. Burda diskutierte mit dem Bundespräsidenten über, wie es hieß, "fundamentalen Veränderungen der Gesellschaft und der Medien durch die neuen, digitalen Technologien". Klar, drunter geht’s nicht. Mit am Tisch saßen u.a. Burdas Ehefrau Maria Furtwängler, der Designprofessor Bazon Brock und der Philosoph Peter Sloterdjik. Aus Burdas eigenem Reich waren einige aus dem Inner Circle anwesend. Ex-Frau Christa Maar, die die Felix-Burda-Stiftung zur Darmkrebsvorsorge leitet, DLD-Oberfrau Stephanie Czerny, der immer noch Erste Journalist des Hauses Helmut Markwort und, siehe da, der neue Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer. Ob Weimer und Markwort nebeneinander platziert waren, ist nicht überliefert.

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