Facebook misst das Glück der Deutschen

Das weltweit größte Soziale Netzwerk Facebook hat sein Statistik-Spielzeug "Bruttonationalglück" auf weitere Länder ausgeweitet, darunter Deutschland. Bei dem Glücks-Index misst Facebook anonymisiert, wie häufig positive oder negative Begriffe in den Status-Updates der Mitglieder in den jeweiligen Ländern fallen. Daraus wird dann ein "Bruttonationalglück" errechnet. Gut für die Deutschen Facebook-Nutzer: Der Glücksindex hierzulande steigt laut Facebook an. Aber nur leicht.

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"Diese Updates sind kleine Fenster zum Leben anderer Leute", schreibt Facebook bei der Beschreibung des Index. Sie seien kurz, pointiert und beschrieben, was gerade wichtig ist. Kombiniert sollen die Status-Updates zeigen, wie sich ein Land kollektiv fühlt. Jedenfalls der Teil des Landes, der bei Facebook aktiv ist. Für Deutschland ist die Glücks-Bilanz laut Facebook leicht positiv.

Andere Länder wie die USA, Kanada, Indien und Großbritannien haben einen deutlich höheren Anstieg bei ihrer "Gross National Happiness", wie das "Bruttonationalglück" auf Englisch genannt wird. Gar nicht froh sind demnach vor allem südamerikanische Facebook-Nutzer, z.B. in Kolumbien und Venezuela. Das Statistik-Tool von Facebook errechnet für bestimmte Tage Höhe- oder Tiefpunkte des Nationalglücks.

So erreichen, wenig überraschend, Feiertage wie Weihnachten oder Neujahr, in den meisten Ländern Spitzenwerte. Katastrophen oder nationale Tragödien sorgen dagegen für Tiefstwerte. So ist der Glücks-Index für Indien beispielsweise am 27. November 2008 dramatisch gefallen, dem Tag der Terroranschläge von Mumbai (Bombay). In Chile gab es einen Einbruch am Tag des Erdbebens am 27. Februar 2010. In Deutschland gab es einen signifikanten Einbruch des Index am 10. November 2009, dem Tag des Selbstmordes von Fußball-Nationaltürhüter Robert Enke, der viele Menschen bewegte. Einen noch deutlich größeren Ausschlag nach unten zeigt die deutsche Happy-Kurve am 26. Juni 2009. Das war der Tag, an dem der Tod des "King of Pop", Michael Jackson bekannt wurde.

Der Index zum "Bruttonationalglück" ist ein nettes Statistik-Spielzeug, das aber, wie die Beispiele zeigen, zu funktionieren scheint. Für Facebook dürfte der Glücks-Index in erster Linie eine Demonstration der eigenen Marketing-Macht sein. Mit seinen knapp 450 Mio. weltweiten Nutzern hat das Netzwerk mittlerweile offenbar eine Größe erreicht, die das Erheben von validen demografischen Daten erlaubt. Für Marktforschung oder auch Soziologie ergeben sich hier sicher interessante Ansätze. Offenbar hat Facebook mittlerweile genügend Daten beisammen, um das "Bruttonationalglück" für 22 Länder messen zu können. Neben einer signifikanten Menge an Status-Updates und Mitgliedern seien dafür vor allem auch geprüfte Wörterbücher notwendige, um Positiv- und Negativ-Begriffe zu identifizieren.

Facebook betont in seinem Unternehmens-Blog, dass die Daten für das "Bruttonationalglück" anonym von Computern ausgewertet würden. Der Schutz der Privatsphäre sei also gewährleistet. Das kann man in diesem Fall sogar glauben. Für das kollektive Glücksgefühl sind Freude oder Pech einer einzelnen Person nur ein Tropfen im großen Social-Media-Teich.

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