Lena Meyer-Landrut im Boulevard-Zwielicht

Es hat ein bisschen gedauert aber jetzt ist auch "Unser Star für Oslo", Lena Meyer-Landrut, in die Mühlen der medialen Verwertungsmaschine von RTL und Bild gekommen. Frühere Auftritte als Komparsin bei Trash-TV-Serien wie "K11 Kommissare im Einsatz" und "Richter Alexander Hold" werden genüsslich ausgeschlachtet. Jüngster Höhepunkt: ein Nacktauftritt der jungen Sängerin in der RTL Pseudo-Doku "Helfen Sie mir!". Prompt schaukeln sich Empörungswellen in alle Richtungen hoch.

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Natürlich ist die nach Luft schnappende Erregung, mit der RTL und Bild den kurzen Nackedei-Auftritt von "Oslo-Lena" ausschlachten, verlogen und vielleicht auch ein bisschen böse. Immerhin hat sich die Casting-Show "Unser Star für Oslo", die von Bild-Intimfeind Stefan Raab präsentiert wurde, als eine Art bildungsbürgerliches Anti-"DSDS" in Szene gesetzt. Während bei RTLs "Deutschland sucht den Superstar" auf Krawall, hämische Dieter-Bohlen-Sprüche und verkrachte Kandidaten wie den ehemaligen Strafgefangenen Menowin Fröhlich gesetzt wurde, wirkte "Unser Star für Oslo" wie eine Renaissance des besseren Deutschlands. Angehende Abiturienten und brave Studenten aus gut situierten Elternhäusern machten Musik, die von der Jury um Raab mit wechselnden Promi-Gästen konstruktiv und immer wohlmeinend bewertet wurde.

Am Ende kam Lena Meyer-Landrut dabei heraus. Tatsächlich ein frisches Gesicht und eine sympathische junge Frau mit Talent und Charisma. Dass die Enkeltochter des Diplomaten und ehemaligen Leiters des Bundespräsidialamtes, Andreas Meyer-Landrut, schon vor der Entdeckung durch Raab und Co einen Drang ins Rampenlicht verspürte, kann eigentlich nur überraschen, wenn man die Inszenierung von "unserer Oslo-Lena" (Bild) als neues sauberes Frolleinwunder allzu ernst genommen hat.

Vermittelt von der Komparsendatei der TV-Produktionsfirma Constantin Entertainment kam "Frollein" Lena zu Auftritten in den Trash-Serien "K11 – Kommissare im Einsatz" (Sat.1) und "Richter Alexander Hold". Nicht direkt zwei Aushängeschilder des Qualitätsfernsehens, selbst nach Privat-TV-Maßstäben. Außerdem trat sie in der RTL-Pseudo-Doku "Helfen Sie mir!", eine Art Wiedergänger des RTL-Klassikers "Notruf", auf und sprang in einer Szene, huch Gott, oben ohne in ein Schwimmbecken. Eine Nacktszene der braven Lena – das ist eine Geschichte, die der Boulevard nicht liegen lassen kann.

Und natürlich gibt es sogleich auch die Gegenbewegung. Die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung (Bildungsbürgertum!) outet sich prompt als glühender Lena-Fan und schäumt, dass nun auch noch "die letzte jugendliche Lichtgestalt durch den Dreck gezogen wird". Das Blog Fastvoice mokiert sich, dass die Trash-TV-Auftritte Lena Meyer-Landruts bereits seit dem 12. März bekannt und somit "ein alter Hut" seien, was sogleich vom Bildblog verlinkt wird.

Den Boulevard ficht das nicht an. Auch ein Youtube-Video, in dem Lena Meyer-Landrut als Hip-Hop-Tänzerin posiert, wurde von Bild.de sogleich in einer Bilder-Galerie verwurstet. Was lernt man aus alldem? Dass jemand, der sich für eine Casting-Show bewirbt und auf eine große Bühne will, womöglich schon früher versucht hat, in die Öffentlichkeit zu kommen? Dass auch junge Stars Jugendsünden im Keller liegen haben können? Dass Boulevard-Medien wie RTL und Bild Geschichten rund um populäre neue Gesichter im Showbusiness ausschlachten und dabei nicht die allerhöchsten moralische Standards anlegen? Die Boulevard-Berichterstattung dürfte dabei sogar dafür sorgen, dass sich ihre Fans bei der FAZ und anderswo noch deutlicher zu Lena Meyer-Landrut bekennen. Die junge Frau dürfte die Geschichtchen verkraften und bei der Übertragung des Eurovision Song-Contest für Spitzen-Einschaltquoten und ein anschließendes Medienbuhei sorgen, das sich gewaschen hat. Klar, es gibt bedeutendere Themen. Aber auch bedeutend langweiligere.

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