Mit Science Illustrated froh in die Zukunft

Endlich Schluss mit dem übellaunigen und furchtsamen Wissenschafts-Journalismus: Heute bringt der Verlag Family Media aus Freiburg unter dem Titel Science Illustrated ein Zweimonats-Heft an den Kiosk, das "stets positiv" auf die Forschung blickt. Eine Testausgabe im September 2009 soll bei der überwiegend männlichen Zielgruppe gut angekommen sein, jetzt lockt die Titelzeile "Countdown zum Urlaub im Weltraum" zur regelmäßigen Lektüre.

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Der Freiburger Verlag gehört zur OZ Verlags GmbH, die einst den Springer-Titel Familie&Co. übernahm und sich im Bereich der Kinder- und Familientitel ausgebreitet hat.

Die Aufmacherseite der Titelgeschichte

Science Illustrated  (Claim: "Die Welt besser verstehen") ist ein Lizenztitel des schwedischen Verlagshauses Bonnier. Deutschland ist dabei nicht das einzige Land, in das die Skandinavier bereits Lizenzen ihres Wissenschaftstitels verkauften. Ableger gibt es bereits in zwölf Ländern, unter anderem in Australien, Griechenland oder den USA.

Der "zuversichtliche Blick in die Zukunft" ist für Gernot Körner, den geschäftsführenden Verleger, ein "spannender und noch relativ ungesättigter Markt im Publikumszeitschriftensegment". Die Süddeutsche Zeitung ist nach einem ersten Blick von der Zukunft des Hefts nicht so überzeugt: Zwar gefalle der Nutzwert bei Fragen wie "Wie gefährlich ist der Biss des Komodowarans?", andere Themen "könnten allerdings von einem ins Archiv entsandten Korrespondenten stammen".
Fragen scheinen generell ein Steckenpferd der Redaktion um Chefredakteur Jens E. Matthiesen zu sein. So werden im Heft die "Fragen vor dem Abflug" ins Weltall beantwortet, genauso wie "Wer erfand das Wort Yahoo?", "Wer besiedelte Amerika" oder "Sind Gefühle vernünftig?".

Das gesamte Heft scheint in weiten Teilen direkt aus der schwedischen Originalausgabe übernommen. Im Impressum werden als Redaktionsmitglieder überwiegend schwedische Namen genannt. Der weitgehende Verzicht auf eine eigene Redaktion bedeutet offensichtlich auch, dass aktuelle Themen ausgeblendet werden. So wird im ganzen Heft mit keinem Wort der Eyjafjallajökull-Ausbruch und dessen Folgen erwähnt.

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