Mohammed-Karikaturist: „Zensur beim ZDF“

Der Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard wettert in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" heftig gegen das ZDF. Am gestrigen Tag der Pressefreiheit beschuldigte er den öffentlich-rechtlichen Sender, sich einer "Selbstzensur" zu unterziehen. Grund für seine Äußerungen ist die plötzliche Absage eines Interviews in der ZDF Talkshow von Markus Lanz. Das ZDF bezeichnete die Zensur-Vorwürfe gegenüber MEEDIA als "Schmarrn". Ein Thema wie die Mohammed-Karikaturen gehöre nicht in ein Unterhaltungsformat.

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"Die Absage war eine redaktionelle Entscheidung des ZDF", sagt Sender-Sprecher Jörg Berendsmeier auf MEEDIA-Anfrage. Die Produktionsfirma der Lanz-Talkshow, hatte offenbar Westergaard eingeladen und dann die ZDF-Redaktion informiert. Der Sender lehnte den Vorschlag allerdings mit der Begründung ab, "dass eine Unterhaltungs-Talkshow keine geeignete Plattform für eine Auseinandersetzung mit dem Thema ist". Die Entscheidung, Westergaard auszuladen, wurde demnach nicht von der Produktionsfirma getroffen, sondern in Mainz. Berendsmeier verweist darauf, dass man bereits vielfach in anderen Formaten über die Thematik des Karikaturenstreits berichtete, "und das werden wir auch weiterhin tun".
Aus Dänemark wird allerdings ein gänzlich anderer Grund für die Absage vermeldet. So berichtete die dänische Tageszeitung Jyllands Posten, dass das ZDF ein für Dienstagabend geplantes Interview mit Westergaard aus Sicherheitsgründen abgesagt hatte. Der Galerist Eric Guldager, der Westergaard begleiten sollte, sagte der dänischen Zeitung, dass der Sender aus Angst um die Sicherheit aller Beteiligten abgesagt habe. Der 74-jährige Westergaard äußert sich laut einem Artikel von Welt Online entrüstet über das geplatzte TV-Interview: "Ich hätte nicht gedacht, dass ein so großer Sender einknickt und Selbstzensur übt."
Im Forum von Markus Lanz Talkshow stößt der Umgang mit dem sensiblen Thema auf wenig Verständnis. Zahlreiche Zuschauer und Leser sehen die Absage an Westergaard als Kniefall des ZDF.

Die Karikaturen Westergaards erregten im September 2005 großes Aufsehen. Unter dem Titel "Das Gesicht Mohammeds" druckte Jyllands Posten zwölf umstrittene Zeichnungen Westergaards ab. Darunter eine, die den Propheten mit einer Bombe im Turban dargestellt. Daraufhin brachen in islamischen Ländern Unruhen los, die zum Teil in gewalttätige Proteste umschlugen. Wenig später stand Westergaard unter Polizeischutz. In der Neujahrsnacht 2010 entkam der Däne nur knapp einem Anschlag.

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