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Hasselhoff: die konservierte Beach-Ikone

David Hasselhoff ist zurück in Deutschland und Österreich, dort, wo man ihn immer noch am meisten lieb hat. Und diesmal meint er es ernst: mit der Veröffentlichung seiner Autobiografie "Wellengang meines Lebens" und der Ankündigung eines neuen Albums will er die negativen Schlagzeilen der vergangenen Jahre beenden und an seine großen Erfolge mit "Knight Rider" und dem Song "Looking for Freedom" erinnern. Die Medien standen Spalier. Beobachtungen während der Woche der "Hasselhoff-Festspiele".

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Es ist kurz vor Mitternacht. Vor einer halben Stunde stand David Hasselhoff im "Musikantenstadl" in Salzburg auf der Bühne. Er wirkt immer noch taufrisch an diesem Abend, obwohl er gerade eben noch mit seinem Alter kokettiert hat, schnaufend und schwitzend, 57 Jahre alt. Es war die Generalprobe, und die Fans sind so ausgeflippt, dass sie von den Sicherheitskräften von der Bühne gedrängt werden mussten.
Seit 20 Jahren hätte man hier nicht mehr so einen Abend erlebt, sagt ein Verantwortlicher auf der Aftershow-Party. David Hasselhoff sitzt hinter einer Trennwand in kleiner Sofa-Runde. Er ist eine wandelnde Erinnerung, beeindruckend, selbst im Sitzen. Journalisten verkumpeln sich mit ihm, einer vom Radio hat tatsächlich einen Ordner mit einer Postersammlung dabei, aus der guten alten Bravo-Zeit. "So, Leute, ich rufe jetzt meine Töchter an – that’s it", sagt Hasselhoff unvermittelt. Zum Abschied klopft er Schultern, er erkennt einen Journalisten vom Vortag. Selbst das abrupte Ende bringt er sympathisch rüber, er ist angenehm und entspannt.
"Wellengang meines Lebens" heißt seine Autobiografie, die nun auf Deutsch erschienen ist, und das Fernsehen gibt sich nostalgisch. Ob "Lanz", "TV Total" oder der "Musikantenstadl" aus Salzburg, alle empfangen Hasselhoff als hätte ihn eine Zeitmaschine direkt von seinen größten Erfolgen aus den achtziger und neunziger Jahren in die Jetztzeit katapultiert. Er selbst redet gar nicht so sehr von damals, obwohl er sich selbst durchaus auch nostalgisch findet. Das "Knight Rider"-Auto K.I.T.T., das sie ihm überall hinstellen, scheint er jeweils nicht besonders zu beachten.
Dass man ihn als Beach-Ikone des 20. Jahrhunderts konserviert hat und als Mensch der Gegenwart eigentlich nicht so richtig einschätzen kann, dafür ist Hasselhoff selbst verantwortlich. Jahrelang hat er es seinen Fans schwer gemacht: Alkoholprobleme, Ehekrise und kaum nennenswerte Erfolge. Das längst legendäre Hamburger-Video im Internet war, muss man sagen, sein weltweit bekanntester Auftritt seit der Jahrtausendwende. Es war nicht mehr schick, Hasselhoff-Fan zu sein, höchstens heimlich, die Berichterstattung bewegte sich zwischen "peinlich" und "abgehalftert". Wer ihn mochte, galt als ebenso peinlich.
"Für mich ist das alles Schnee von gestern", sagt Hasselhoff. "Egal, was ich mache, es ist einfach groß" – er meint die Medien, und seine Fehler seien dann eben auch groß. "Big!", er betont es mit seiner präsenten Stimme und lacht, es klingt kalifornisch, wie bei Schwarzenegger. Zurück sei er nun, "back!", und warum, davon erzählt er in seinem Buch.
"Es ist ein positives Buch, ich will mich über niemanden lustig machen", sagt Hasselhoff. Respekt sei ein großes Wort für ihn, und die Welt in dieser Hinsicht "ziemlich verloren". Er ist nachdenklich, wägt seine Antworten ab. Das Schlimmste sei für ihn gewesen, als seine Ehe vor fünf Jahren gescheitert ist. Ein Journalist einer Kölner Boulevardzeitung legt ihm Fotos von blonden Frauen vor, von Barbara Schöneberger, Cordula Stratmann und einem Funkenmariechen. Hasselhoff soll kommentieren, wie er die findet. Es irritiert ihn sichtlich. Der Kollege packt schnell zusammen. Andere Journalisten hätten ihm aktuelle Titel aus den deutschen Charts vorgespielt, um seine Meinung zu hören, "ich habe nicht einen einzigen Song erkannt."
Es mache ihm viel Spaß wieder hier zu sein, aber manchmal müsse er nur lachen, sagt Hasselhoff. Die Medien hätten sich verändert. Er trägt immer einen Stapel Autogrammkarten bei sich. Aus so einer Zeit kommt er. Er erinnert sich an die Anfänge in Europa, Ende der achtziger Jahre, als er in Wien in einem Zelt aufgetreten ist. In Amerika kann man seinen Erfolg als Sänger hierzulande bis heute nicht verstehen. "Wenn ich ‚Looking for Freedom‘ singe, dann ist das hier immer noch grandios", sagt Hasselhoff, "in Amerika ist es ein Witz."
Noch in diesem Jahr soll eine Realityshow gedreht werden. Sie soll „den wahren Menschen David Hasselhoff“ zeigen und wie er seinen beiden mittlerweile erwachsenen Töchtern ins Showbusiness hilft. Natürlich. 2011 ist ein neues Album geplant. "Warum sollte ich in Rente gehen?" Er lacht die Frage weg.
Das Video, das ihn alkoholisiert am Boden zeigt, beim Versuch, einen Burger zu essen, habe vielen Menschen geholfen, sagt er. "Die Leute haben ihre Eltern darin gesehen, ihre Onkel, sich selbst." Ihm selbst habe vor allem Gott durch die letzten Jahre geholfen. Er hält diesen Aspekt dezent, vermeidet ansonsten die üblichen Selbstfindungs- und Wiedergeburtphrasen ins Rampenlicht zurück drängender Stars. "Nun will ich die Medien umarmen, all meinen Fans danke sagen, die mich in den letzten 20 Jahren unterstützt haben." Es klingt wie ein Abschied und soll doch alles andere sein als das.

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