Beef! – der zweite Gang schmeckt richtig gut

Gruner + Jahr hat die erste reguläre Ausgabe seines Fleischfresser-Magazins Beef! herausgebracht. Das Magazin für kochende Männer erscheint vom 6. Mai an viermal pro Jahr. Eine gesunde Skepsis war nach einigen geschmacklichen Entgleisungen der Erstausgabe angebracht, in der u.a. ein Kaninchen showgeschlachtet wurde. Aber, siehe da: Die zweite Ausgabe von Beef! macht die Sache deutlich besser. So wie sich das Heft jetzt präsentiert, ist es ein echter Image-Gewinn für die Print-Landschaft und den Verlag.

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Beef! wirkt in seiner zweiten Nummer wie eine Leistungsschau für das Medium Print. Es gibt ein Cover mit Goldprägung, eine ultra-aufwändige Rezeptstrecke zum Ausklappen, das Grill-Special wurde auf spezielles Hochglanzpapier gedruckt, die Food-Fotos sind in brillanter Qualität und beinahe schon über-originell inszeniert. Mit jeder Seite scheint Beef! herausschreien zu wollen: Seht her, was Print kann! Und das Internet nicht.

Es ist aber auch pfundig was dran am neuen Beef!. Manchmal allerdings vergaloppiert sich die Redaktion ein wenig mit überkandideltem Zeug. Wer wirklich versucht, das Ausklapp-Rezept mit vier Gängen nachzukochen (u.a. grüne Gazpacho mit Cevice von der Dorade, großer Braten von der Lotte mit Essig-Kirschen und Beurre Blanc), der wird wahrscheinlich entweder wahnsinnig oder hat selbst schon einen Michelin-Stern auf der Mütze. Die Form mit dem Ausklapper ist nichtsdestotrotz toll. Ebenso wie die Idee, die kompletten Zutaten für das Essen über die Website bei einem Feinkostladen direkt bestellen zu können. Wenn man diese Idee mit nachvollziehbaren Gerichten durchziehen würde, dann wär’s perfekt auf den Punkt.

Das ist aber Mäkelei auf hohem Niveau. Generell lässt sich gegen die zweite Beef!-Ausgabe fast gar nichts Negatives sagen. Die Themenauswahl ist viel bunter und geschmackssicherer als beim ersten Anlauf. Die Reportage über dry aged Steaks in New York ist prima geschrieben und toll aufgemacht. Allein er erste Satz zergeht auf der Zunge: "Mitten in New York, fünf Meter unter der Erde, liegt Rindfleisch im Wert von einer halben Million Dollar und verwest." Das zieht rein in die Story und ins Heft. Fast ebenso gelungen der Report über die vielfältigen Sorten von Sake in Japan.

Auch das Grill-Special ist originell, lesens- und vor allem anschauenswert. Die Idee mit dem Rezept "Huhn auf Bierdose" ist gaga aber klasse. Dazu gibt es XXL-Grillgeräte und eine Abhandlung über Grillers Gretchen-Frage "Holzkohle oder Gas". Sowas will man lesen. Optik, Layout und Haptik des Heftes sind durchweg herausragend. Umso schöner, dass diesmal auch der Inhalt nicht vernachlässigt wurde. Schön auch einige der kleineren Rubriken wie "So kochen Frauen. So Männer" ganz am Ende oder die Grusel-Gastro-Rubrik "So schmeckt die Welt" mit gegrillten Schafsköpfen in Afrika ("Nächste Folge: Spinne").

Die Anzeigenwirtschaft mag das Heft auch und hat fleißig geschaltet. Vom VW Touareg, mit dem man gleich sein ganzes Grillschwein transportieren kann, über Edel-Messer, Fleischversender und Weinanbieter sind 18 bezahlte Seiten im Heft. Seinen martialischen Preis von 9,80 Euro ist Beef! auf jeden Fall wert. G+J testet mit Beef! nun auch alternative Vertriebswege. "Möchten Sie Beef! in ihrem Sortiment?" Wird ganz am Ende gefragt. Eine gute Idee. Das Magazin macht sich auf der Theke beim Feinkostladen, oder Edel-Küchenausstatter sicher gut.

53.000 Hefte hat der Verlag von der ersten Ausgabe nach eigenen Angaben verkauft. Das ist ein schöner Erfolg, zumal bei dem Preis. Aber hier wird auch das eine Problem von Beef! deutlich. Das Heft ist gewiss sehr teuer in der Produktion. Trotz des hohen Preises und der Anzeigen dürften die Renditen bei einem solchen Liebhaber-Objekt nicht in den Himmel wachsen. Beef! ist mit seiner zweiten Ausgabe ein tolles Heft geworden und ein prima Image-Träger. Das ersehnte Umsatz-Wunder für Gruner + Jahr wird es aber sicher nie.

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