Aust-Projekt „Woche“ in der heißen Phase

Das Magazin-Projekt des ehemaligen Spiegel-Chefs Stefan Aust tritt offenbar in eine heiße Phase ein. So berichtet Austs ehemaliges Blatt, Der Spiegel, dass die Gesellschafterstruktur mit Axel Springer, WAZ, Aust selbst und dem Münchner Verleger Dirk Ippen mittlerweile komplett sei. Gleichzeitig wird WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach mit eher vorsichtigen Äußerungen zitiert. Die am Projekt selbst Beteiligten schweigen derzeit. Eine Entscheidung wird in Kürze erwartet.

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Die Aufregung in der Branche ist fast mit Händen zu greifen. Das Magazin-Projekt von Stefan Aust mit dem Arbeitstitel "Woche" ist das wahrscheinlich spannendste neue Medienprojekt seit der deutschen Vanity Fair. Wobei dem Magazinprojekt "Woche" zu wünschen ist, das ihm Schicksal der schnell wieder beerdigten deutschen VF erspart bleibt. Aber zunächst muss das Magazin auf den Markt kommen. Der Spiegel berichtet aus einer Beschlussvorlage, dass der Münchner Verleger Dirk Ippen (u.a. Münchner Merkur, tz) mit 20 Prozent an Bord sei. Damit wäre der Gesellschafterkreis perfekt. Springer würde 52 Prozent halten, die WAZ und Ippen je 20 Prozent und Aust selbst acht Prozent. Noch muss man dies alles aber im Konjunktiv formulieren. Wobei Ippen gegenüber dem Mediendienst kressreport eine Beteiligung jüngst noch mit ein wenig gewundenen Worten dementiert hatte.

In den Zeitungen der Ippen-Gruppe solle für das neue Magazin geworben werden, schreibt der Spiegel. Zwischen den Zeilen ist bei dem Hamburger Nachrichtenmagazin freilich eine gewisse Skepsis herauszulesen. Dass man dort die umtriebigen Aktivitäten des ehemaligen Chefredakteurs Aust mit Argwohn verfolgt, würde nicht verwundern. In der Branche heißt es, Aust würde in diesen Tagen gemeinsam mit Springers Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele das Projekt bei Media-Agenturen und wichtigen Kunden präsentieren. Man will offenbar austesten, wie das Konzept bei Anzeigenkunden ankommt. Klar ist, dass der Start eines neuen aktuellen Wochenmagazins mitten in die Medien- und Print-Krise ein riskantes Unterfangen wäre. Zwar gab es im April ein positives Signal mit einem Plus von neun Prozent bei den Brutto-Anzeigenseiten, aber dies sind zum einen nur bedingt aussagekräftige Brutto-Zahlen bei denen Rabatte und Eigenwerbung nicht herausgerechnet sind und zum anderen stehen die traditionell Anzeigenschwachen Sommermonate bevor.

Ein Start des Aust-Projekt birgt aber auch Chancen. Die Verlage dürsten geradezu nach einer echten neuen Erfolgsstory außerhalb der Nischen. Ein Projekt wie die "Woche" könnte einen Hoffnungs-Impuls für die ganze Branche aussenden. Außerdem ermöglicht die wirtschaftlich klamme Lage den Aufbau von schlanken und effizienten Strukturen und man könnte neue Digital-Geräte wie Tablet-PC von Beginn an in die Entwicklung einbeziehen.

WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach sagte im Spiegel, die WAZ werde nicht "in ein Abenteuer gehen." Sollte die WAZ an Bord bleiben, dürfte ihm aber nichts anderes übrig bleiben. Der Start eines solchen Projekt wie die "Woche" ist schon per Definition ein Abenteuer. Und wie bei jedem echten Abenteuer gibt es viel zu verlieren. Aber auch sehr viel zu gewinnen.

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