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Warum die FAZ eine tolle Zeitung ist

Printmedien haben es nicht leicht im digitalen Wandel. Gerne werden sie mit ausrangierten Kutschen oder totem Holz verglichen. Dabei sind gut gemachte Printmedien, Zeitungen zumal, inhaltlich lebendiger denn je. Ein gutes Beispiel ist die nur vermeintlich verschnarchte Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie zeigt Tag für Tag, warum eine Zeitung mit klassischer Redaktion ein spannendes Medium mit Zukunft ist. Wie sehr einem die Zeitung fehlt merkt man manchmal erst, wenn man sie loswerden will.

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Printmedien haben es nicht leicht im digitalen Wandel. Gerne werden sie mit ausrangierten Kutschen oder totem Holz verglichen. Dabei sind gut gemachte Printmedien, Zeitungen zumal, inhaltlich lebendiger denn je. Ein gutes Beispiel ist die nur vermeintlich verschnarchte Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie zeigt Tag für Tag, warum eine Zeitung mit klassischer Redaktion ein spannendes Medium mit Zukunft ist. Wie sehr einem die Zeitung fehlt merkt man manchmal erst, wenn man sie loswerden will.

Ja, ich gebe es zu: Ich wollte mein FAZ-Abo eigentlich kündigen. Brauche ich nicht mehr, steht eh alles online. Das viele Papier, das täglich ins Haus geliefert wird. Und billig ist der Spaß schließlich auch nicht. Also Abo gekündigt und sich die Hände gerieben. Endlich nur noch online lesen! Die Tage zwischen der Kündigung und dem Lieferstopp habe ich die Zeitung aber plötzlich deutlich bewusster konsumiert. Es gab da doch einige Dinge, die sich unbemerkt in den Lebensalltag eingeschlichen hatten. Dinge, die ich schon vermisste, bevor sie wirklich fehlten. Das waren nicht unbedingt die großen Enthüllungsgeschichten (die findet man bei der FAZ ohnehin kaum), knallharte Wirtschaftsberichte oder große Reportagen. Es waren mehr die kleinen Annehmlichkeiten und Anstöße, die eine Zeitung eben auch liefert, ohne dass man es immer merkt.

Da ist zum Beispiel der Samstags-Comic "Strizz" in der Wochenendbeilage "Bilder und Zeiten". Der Comic verströmt ein beruhigendes Gefühl, ohne dass er schenkelklopfend witzig wäre. Es macht einfach Spaß, sich die feinen Zeichnungen, die dichtenden Hunde, den zeternden Kater und den fantasierenden Angestellten Strizz anzuschauen. Dann ist da das Kreuzworträtsel am Freitag. Jedesmal eine echt harte Nuss, aber immer mit großer Liebe zum Detail und zur Lösbarkeit entworfen. Besser als die Rätsel im SZ-Magazin und nicht ganz so kapriziös wie die im Zeit-Magazin. Aber das ist selbstredend ein rein subjektiver Eindruck.

Das Interview auf der letzten Seite von "Bilder und Zeiten" ist oft gut, weil dort auch nicht ganz so prominente Menschen zu Wort kommen, die dafür mehr zu sagen haben. Und ein Highlight der Woche ist jedes Mal dienstags die "Technik und Motor"-Beilage. Ich kenne keine Publikation hierzulande, in der mit soviel Herzblut über Küchenmesser, Fahrradlampen, Telefone und Autos geschrieben wird, wie hier. Das "Reiseblatt" der Zeitung am Donnerstag ist ebenfalls oft schön zu lesen und anzuschauen, nicht zuletzt wegen der optisch herausragenden letzten Seite, die immer besonderen Bildern vorbehalten ist.

Über die vorbildliche Verwendung des Fotos auf der ersten Seite der FAZ wurde schon viel gesagt und es stimmt: Keine andere Zeitung in Deutschland hat den Mut, so konsequent Tagesnachrichten hintergründig zu bebildern. Wie die Redaktion den Bezug zwischen ungewöhnlichen Fotos und Tagesgeschehnissen herstellt, ist jedes Mal wieder spannend zu lesen. Und von dem obersten FAZ-Feuilletonisten Frank Schirrmacher mag man halten, was man will. Aber das Feuilleton der FAZ hat wenigstens den Namen noch verdient. Man kann sich darüber aufregen, wie bei einigen Beiträgen zur unsäglichen "Axolotol Roadkill"-Plagiats-Debatte. Aber die Zeitung hat dann auch wieder die Größe, Gegenpositionen zu Wort kommen zu lassen.

Und mit das Beste: Man kann die Zeitung überall hin mitnehmen, die geht nicht kaputt, braucht keinen Strom, man kann sie teilen, Notizen darauf machen, Seiten rausreißen etc. Papier ist geduldig und strapazierfähig. Papier ist aber vor allem nach wie vor ein tolles Medium mit ganz hervorragenden interaktiven Eigenschaften. Noch notwendig zu sagen, dass ich nach einer Woche Bedenkzeit meine Abokündigung wieder rückgängig gemacht habe? Wohl kaum.

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